Das neue Jahr startet für die Handballer der HSG Worms wie das alte Jahr geendet ist: Mit einer Heimniederlage. Im Rheinhessen-Duell in der Oberliga verloren die Handballer der HSG Worms in der ausverkauften Nikolaus-Doerr-Halle mit 29:30 (11:16). „Diese unnötige aber verdiente Niederlage haben wir uns als Mannschaft selbst zuzuschreiben. Vor allem die erste Halbzeit war für ein Heimspiel mit Ausnahme einzelner Situation im Gesamten nicht oberligatauglich. Im zweiten Durchgang ist uns dann zwar mit den Fans im Rücken eine Aufholjagd gelungen, aber trotzdem ist es uns nicht gelungen die Partie zu kippen. Und das war in erster Linie eine Frage der Einstellung – wie man in entscheidenden Situationen agiert. Wir sterben lieber in Schönheit beziehungsweise wollen mit einer tollen Einzelaktion glänzen, anstatt unser Potenzial im Kollektiv auszuschöpfen“, bilanziert ein wütender HSG-Trainer Marco Tremmel ob der neuerlichen Heimpleite.
Das Spiel gegen eine wie immer sehr kompakt verteidigende Saulheimer startete schlecht. Erst nach fünf Minuten gelang der HSG der erste Treffer. Glücklicherweise ist auch die SG nicht gerade bekannt dafür ein Torfestival abzubrennen. So entwickelte sich ein torarmes Spiel mit vielen Fehlern auf beiden Seiten. Über 3:3 und 6:6 ging die HSG sogar zwischenzeitlich mit 8:6 (18.) in Führung. Doch der Vorsprung gab der Tremmel-Sieben keineswegs Sicherheit. Im Gegenteil: Aus schier unerklärlichen Gründen waren die HSGler mit der Führung im Rücken nicht dazu in der Lage das Saulheimer Tor in Bedrängnis zu bringen. Vergebene Chancen aus unvorbereiteten Situationen und unnötige Kunstschüsse gaben Saulheim Auftrieb. Die Mannschaft von Kai Christmann agierte deutlich gradliniger und drehte die Partie innerhalb von fünf Minuten (9:10, 23.) In der finalen Phase des ersten Durchgangs stellte die HSG das Handballspielen dann komplett ein, sodass die Gäste bis zum Pausenpfiff auf 11:16 davonziehen konnten. „So kannst du dich vor deinem eigenen Publikum nicht präsentieren und dir muss als Spieler klar sein, dass du dir das leben so einfach unglaublich schwer machst“, kommentiert Marco Tremmel den ersten Durchgang, der mit einer entsprechenden Halbzeitansprache endete. „Ich habe den Jungs noch einmal gesagt, dass wir endlich anfangen müssen abzuliefern. Wie das geht, das haben wir bei der Videoanalyse, im Training und auch am Spieltag besprochen.“
Doch an der Umsetzung mangelte es auch nach dem Seitenwechsel zunächst. Es kam weder mehr Dynamik oder Konsequenz ins Spiel der HSGler, noch war die Abwehr sattelfest. Erst eine Überzahl in der 37. Minute zu Gunsten der HSG hatte einen gewissen Aha-Effekt für die Hausherren, die auf einen Treffer zum 20:21 verkürzen konnten (43.). Tempospiel und ein konsequentes Auftreten mit Ball und die nötige Härte im Deckungsverbund ließen die Hoffnung aufflammen. So gestaltete sich die Partie bis zehn Minuten vor Schluss ausgeglichen. Trotz zwischenzeitlichen 25:25-Ausgleich, die Partie wollte nicht mehr kippen. „Wäre das Spiel noch ein paar Minuten länger gegangen, hätten sich die Kräfteverhältnisse wohl noch verschoben“, konstatierte SG-Trainer Kai Christmann in der Pressekonferenz nach dem Spiel, die er mit einem 29:30-Auswärtssieg besuchte. Denn die HSGler taten den Gästen den Gefallen und versagten in den entscheidenden Momenten. „Unsere erfahrenen Spieler waren ebensowenig wie unseren jungen Talente in der spielentscheidenden Phase da. Wir verbauen uns mit völlig unerklärlichen Abschlüssen ohne Vorbereitung oder Kunstschüssen alles“, bekräftigt Marco Tremmel.
Durch die neuerliche Niederlage bleibt die HSG fester Bestandteil des unteren Tabellendrittels. Vielleicht ist sich mancher der Situation noch nicht bewusst, aber das Motto der restlichen Saison wird lauten: Abstiegskampf. Glücklicherweise rangieren die Wormser Drachen derzeit noch vor einigen Konkurrenten, jedoch darf sich keiner in Sicherheit wiegen. „Wir können nicht immer nur sagen: Heute muss es klappen und dann nicht alles dafür tun, damit es klappt. Wir müssen als Mannschaft jetzt anfangen zu punkten. Und dafür brauchen wir nicht nur eine gute Leistung, sondern wir brauchen auch eine absolute mentale Fokussierung.“
Am kommenden Sonntag reist die HSG nach Dirmstein, wo das Nachbarschaftsduell mit der HSG Eckbachtal ansteht – nun auch ganz offiziell Spiel eins im Kampf um den Abstieg. Ausgerechnet bei den Gekkos wird man auf das heiß geliebte Harz verzichten müssen. Doch das fehlende Haftmittel sollte wahrlich nur eine Nebenrolle spielen. Denn wer sich an das Vorspiel zurückerinnert weiß: Eckbachtal hat 48 Gegentore in Worms schlucken müssen und wird auf eine Revanche brennen.
Aufstellung:
Taday, Gabrys (beide Tor); Happersberger (8), F. Markert (3), Steinführer (6), Theuer, Herbert, Seyfried (1, D. Markert (3), Metzdorf (1), Brestrich (3), Balaz (3), Dietz (1)