Steigende Arbeitslosenzahlen, Personalabbau und eine schwächelnde Konjunktur, dazu mögliche Folgen der KI im Berufsleben – Themen, mit denen sich junge Menschen am Übergang von Schule in das Berufsleben auseinandersetzen müssen. Immer im Oktober schauen dazu Arbeitsagentur, HWK und IHK zurück auf die Entwicklungen im zurückliegenden Beratungs- und Ausbildungsjahr – mit dem Schwerpunkt auf die duale Ausbildung.
„Uns begegnet in vielen Beratungsgesprächen die Unsicherheit darüber, wie und in welchen Bereichen sie eine zukunftssichere Entscheidung treffen können,“ so Heike Strack, Leiterin der Mainzer Arbeitsagentur. Berufsbilder und Ausbildungsinhalte sind im Wandel und die Geschwindigkeit, mit der auch hier Anpassungen erforderlich sind, erhöht sich immer weiter. Dies erschwert für die meisten die Prognose, wohin sich mittel- und langfristig der erwünschte Beruf entwickeln wird.
Bei den gemeldeten Ausbildungsstellen gab es einen leichten Abwärtstrend – dennoch gibt es nach wie vor mehr freie Ausbildungsplätze als Bewerber. Insgesamt wurden 3.150 Stellen gemeldet, 660 weniger als im Vorjahr. Im Verhältnis kamen 88 Bewerber auf 100 Ausbildungsstellen. Im Jahr zuvor waren es 79. Die meisten Stellen wurden im Handel, Dienstleistungsbereich und in den verarbeitenden Gewerben gemeldet.
Im Handwerk in Rheinhessen konnte wieder eine leichte Steigerung der abgeschlossenen Ausbildungsverträge verzeichnet werden (+2,13 Prozent). „Das Handwerk profitiert von der wachsenden Überzeugung, dass die Berufe des Handwerks auch in Zeiten von KI eine sichere Zukunftsperspektive bieten“, erläutert Anja Obermann, Hauptgeschäftsführerin der Handwerkskammer, die Tendenz.
Der Ausbildungsmarkt bei IHK-Ausbildungsberufen bleibt weitgehend stabil: Bis zum 30. September hat die IHK für Rheinhessen 1.826 neue Ausbildungsverträge eingetragen, knapp 20 weniger als im Vorjahr. Besonders gefragt sind Kaufleute für Büromanagement (175 Verträge), Verkäufer (149) und Kaufleute im Einzelhandel (139).
Bei der Besetzung offener Ausbildungsplätze fehlt es den Betrieben jedoch häufig an geeigneten Bewerbungen. Viele unterstützen mit Nachhilfe bei fehlenden Grundkompetenzen; hier sieht Karina Szwede, Hauptgeschäftsführerin der IHK für Rheinhessen, vor allem die Bildungspolitik in der Pflicht. Auch junge Menschen ohne berufliche Perspektive brauchen Unterstützung.
„Einer Perspektivlosigkeit für die weitere Zukunft wollen wir mit Lösungsansätzen begegnen“, erläutert Strack. „So ist z. B. der vermeintliche schnellere Weg mit einem Aushilfsjob oft der Beginn einer kaum nachhaltigen und erfolglosen Endlosschleife.“ Mit vielen Aktionen über das ganze Jahr hinweg versuchen die drei Akteure in Richtung Qualifizierung zu motivieren, denn trotz aller beschriebenen derzeitigen Herausforderungen ist eine fundierte Ausbildung noch immer die beste Basis für berufliche Integration.