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  • Mo., 22. September 2014, 11:20 Uhr
    Autor der Festspiele 2015 präsentiert den Wormsern „Außer mir“

    Harter Tobak, starke Sprache

    Umgänglich als Mensch, prägt Albert Ostermaier als Autor eine gnadenlos klare Sprache, die über geistesblitzartige Assoziationen mit den Zuhörern zu unerwarteten Einsichten fortgaloppiert. Foto: Regina Urbach


    Von Regina Urbach Etwas mehr Neugier auf den Autor des bereits fertig geschriebenen, aber noch geheimnisumwitterten Stücks für die Nibelungenfestspiele 2015, den renommierten Theaterautor Albert Ostermaier, hatten die Veranstalter, die KVG und die Literaturinitiative Worms, schon erwartet. Am Freitag füllten nur mäßig viele Zuhörer die Sitzreihen des Lincolntheaters, um Kostproben aus dem Werk des wortgewaltigen „Expressionisten unter den zeitgenössischen Dichtern“, wie er betitelt worden ist, zu lauschen. Im Wechsel und im Dialog mit der Berliner Schauspielerin Luise Weiß, die demnächst als Drogenfahnderin im Kieler Tatort zu sehen sein wird, las er aus Gedichten, seinem demnächst erscheinenden Roman „Schwarze Sonne scheine“ und anderen Werken.

    Als Vorgeschmack auf seine dramatische Nibelungendichtung für Sommer 2015 wurde klar: Ostermaier liebt das Spiel mit einer starken deutschen Sprache und ihren Facetten. Er entführt in psychologisch vielsagende Assoziationen und seziert, etwa in „Café Beirut“, das Phänomen der selbsternannten IS-„Gotteskrieger“, bis aufs Skelett. Georg Büchner inspiriert ihn ebenso wie moralisch schillernde Hagen-Gestalten, so Shylock aus Shakespeares „Kaufmann von Venedig“: „Ich mach euch den Juden – das wollt ihr doch!“, lässt er Shylock mit seiner Rolle hadern. Einfühlsam gelang Ostermaier auch der innere Monolog eines entführten Kindes, das in Eis und Schnee zu erfrieren beginnt. Das Publikum hatte starke, durchweg harte Gefühle zu verdauen. Eine bissige Fußballer-Ode auf den WM-Beißer Suarez blieb der einzige Moment heiterer Entspannung. Als Torwart der deutschen Autorennationalmannschaft und Kurator der DFB-Kulturstiftung ist Ostermaier für Fußball-Lyrik geradezu prädestiniert. Nicht umsonst wird sein Band „Flügelwechsel“ im Oktober als Fußballbuch des Jahres 2014 ausgezeichnet. Eineinhalb Stunden lauschte ihm das Publikum gebannt und ließ sich im Anschluss Bücher signieren.

     

     

     

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