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  • Mi., 28. Februar 2018, 14:05 Uhr
    Bürgerverein Dom-Umfeld e.V. hakt nach / Anfrage an Dompropst gestellt

    Haus am Dom: Kalte Füße in Sachen Erdwärme?

    Vor rund einem Jahr hatte Propst Schäfer angekündigt, dass das Haus am Dom mit Erdwärme beheizt werden soll und damit auch ein wichtiger Beitrag zum Klimaschutz geleistet würde. 19 Bohrungen bis 20 m Tiefe waren vorgesehen, also ein regelrechtes Bohrfeld. Vom Bürgerverein Dom-Umfeld nachgefragte Genehmigungsdetails wurden allerdings verweigert: Alles sei von Fachleuten geprüft und genehmigt und im Übrigen sei der Bürgerverein in dieser Sache ohnehin nicht kompetent. Was reichlich merkwürdig anmutet, denn der Vereinsvorsitzende Dr. Eberhardt ist als Geologe seit Jahrzehnten auch mit der Überwachung von Erdwärmebohrungen befasst. Da stellt sich schon die Frage, ob man hier etwas zu verbergen hatte.

    Seitdem hat man weder in der Presse von Erdwärmebohrungen etwas gelesen, noch wurden entsprechende Bohrgeräte vor Ort gesichtet. In der damaligen Anfrage hatte der Bürgerverein auch warnend darauf hingewiesen, dass durch die zahlreichen Bohrungen wertvolle archäologische Funde schwer beschädigt oder gar vollständig zerstört (Ringe, Spangen) werden könnten. Dies sieht offenbar die archäologische Fachaufsicht inzwischen ähnlich, denn Bohrungen im Bereich des jüdischen Ritualbades, der Mikwe, wurden genau aus diesem Grunde nicht genehmigt.

    Es kann deshalb vermutet werden, dass entgegen der letztjährigen Aussage „alles genehmigt” die archäologische Fachaufsicht jetzt doch ein Veto eingelegt hat. Der Bürgerverein hat diesbezüglich bei Propst Schäfer nachgefragt und ist auf die Antwort gespannt.

    Stellungnahme von Dompropst Schäfer

    Sehr geehrter Herr Dr. Eberhardt,

    entweder muss ich annehmen, dass Sie meine Schreiben nicht sorgfältig lesen, oder – was ich freilich nicht annehmen will – dass Sie böswillig meine Formulierungen verkehren. Ich habe Ihnen seinerzeit keineswegs „Inkompetenz“ vorgeworfen, weder Ihnen persönlich noch dem Bürgerverein, sondern angefragt, woher der Bürgerverein seine Fach- und Sachkompetenz in archäologischen, geologischen, geothermischen, statischen und bautechnischen Fragen bezieht und welche Fachleute er hier jeweils zu Rate ziehen will. Ich hatte ausdrücklich erwähnt, dass mir bewusst ist, dass Sie als promovierter Geologe persönlich entsprechende Kompetenz mitbringen, aber eben auch angemerkt, dass der Bürgerverein gerade keine geologischen Bedenken angemeldet hat, sondern vor allem archäologische.

    Ich habe ausdrücklich darauf verwiesen, dass mir auch selbst die Fachkompetenz in diesen Fragen fehlt und wir deshalb selbstverständlich entsprechende Gutachten und Fachexpertisen eingeholt haben. Wenn der Bürgerverein oder Sie seinerzeit meinten, diese Expertisen und die entsprechenden Genehmigungen überprüfen zu müssen, muss die Frage erlaubt sein, welche Fachleute und Experten sie hierzu heranzuziehen gedenken.

    Was die archäologischen Bedenken betrifft, hatte ich bereits in meiner früheren Antwort vom 4.7.2017 darauf hingewiesen, dass bereits die Planungen mit der Landesarchäologie ausführlich und im Detail abgesprochen waren, auch und insbesondere hinsichtlich der genauen Lage und Neigung der einzelnen Bohrungen und selbstverständlich auch die Bohrungen selbst entsprechend von der Archäologie begleitet werden. Ich gehe davon aus, dass die Archäologen ihre Aufgabe korrekt und penibel wahrnehmen werden. Uns ist bewusst, dass es sich um ein insgesamt sensibles Feld handelt, insbesondere im Blick auf die Archäologie. Deshalb wurden die Bohrpläne mit den Archäologen entsprechend abgesprochen und ein entsprechender Bohrplan entwickelt (und genehmigt), der auf die besondere Situation dieses Umfeldes Rücksicht nimmt.

    Was mich nach wie vor stört, ist, dass der Bürgerverein auch in dieser neuerlichen „Anfrage“, die Sie zugleich an die Presse gegeben haben, implizit allen beteiligten und zu beteiligenden Fachbehörden inklusive den Archäologen vorauseilend unterstellt, ihre Aufgabe nicht korrekt wahrzunehmen und er deshalb „deren fachliche Überwachung“ überwachen müsse. Das halte ich in der Tat für anmaßend – und nichts anderes hatte ich Ihnen seinerzeit geschrieben. Das bestätigt nun auch wiederum Ihre neuerliche Anfrage.

    Dass Sie jetzt unterstellen oder meinen vermuten zu müssen, die uns erteilte Genehmigung sei durch ein Veto widerrufen worden, ist blanker Unsinn. Ihnen dürfte nicht entgangen sein, dass erst vor wenigen Wochen das Gerüst auf der Ostseite des Neubaus und erst kürzlich auch der Baukran abgebaut werden konnten. Solange hier Gerüst und Baukran standen, waren die Bohrungen durch den Raum, den die notwendigen Geräte und Arbeiten beanspruchen, schlicht nicht möglich. Das sollte Ihnen gerade als Fachmann einleuchten. Nun hat uns die Frostsituation an dieser Stelle ein weiteres Mal den Zeitplan verschoben. Nach aktuellem Zeitplan, der aber – auch das dürfte Ihnen als Fachmann einleuchten, immer unter dem Vorbehalt der Witterung in den nächsten Wochen steht, sind die Bohrungen für die 13. und 14. Kalenderwoche geplant.

    Ich hoffe, Ihre Anfrage hiermit erschöpfend beantwortet zu haben.

    Mit freundlichen Grüßen

    Tobias Schäfer

     

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