
Von Clara Werger › Am Donnerstagnachmittag fand das Pressegespräch anlässlich der Schließung der hausärztlichen und diabetologischen Schwerpunktpraxis Dres. Hess in der Hammanstraße in Worms mit Bürgermeisterin Stephanie Lohr, Sabine Müller von der Stadt Worms und dem Ehepaar Dres. Hess statt. Darüber hinaus waren die hausärztliche Versorgung und der geplante Einsatz der mobilen Arztpraxis in Worms Gesprächsgegenstand.
Die Praxis Dres. Hess wird zum Ende diesen Monats ihre kassenärztlichen Leistungen einstellen und somit eine massive Lücke in der hausärztlichen Versorgung in Worms hinterlassen. Die privatärztliche und Selbstzahler-Versorgung wird fortgesetzt werden.
„Auf Drängen der Familie haben wir uns dazu entschlossen, die Arbeit nicht mehr zu machen“, erklärt Dr. Gregor Hess, der mit Dr. Eva Hess die etablierte Praxis jahrelang führte. Rund 2.500 Kassenpatienten versorgten sie durchschnittlich im Quartal, hinzu kamen 100 Hausbesuchspatienten in sieben verschiedenen Altersheimen. Ein Arbeitstag dauerte meist von morgens um halb sieben bis um Mitternacht, so Dr. Gregor Hess, wobei die Arbeit durch immense Bürokratie immer weiter anstieg und aufwendiger wurde.
Dr. Eva Hess führte aus, dass sie als Ausbildungspraxis immer großen Wert auf die Fort- und Weiterbildung der Mitarbeitenden legten, gleichzeitig waren sie Lehrpraxis für die Unikliniken Mainz und Heidelberg. 23 Mitarbeitende waren in der Praxis tätig, die alle „sofort einen Job bekommen haben“, wie Dr. Gregor Hess sagte. Für ihre Beliebtheit bei den Patienten „waren meine Frau und ich nicht der Hauptgrund, sondern unsere kompetenten Mitarbeitenden.“
Danach ergriff Bürgermeisterin Stephanie Lohr das Wort. „Wenn man hört, dass eine Hausarztpraxis dieser Größe und dieser Qualität, vor allem auch mit einem diabetologischen Schwerpunkt, geschlossen wird, gehen bei ganz vielen Menschen die Alarmglocken an.“ Denn neben Bildung und Wirtschaft gehört die gesundheitliche Versorgung zu den Themen, die die Menschen am meisten bewegen.
Um dem drohenden Hausarztdefizit entgegenzuwirken, wurde bereits 2019 ein Projekt unter Leitung von Sabine Müller bei der Wirtschaftsförderungsgesellschaft der Stadt Worms eingerichtet.
Die Branche hat mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen. Worms ist dabei kein Einzelfall, im ländlichen Raum ist die Situation noch prekärer. „Wir bemühen uns, Ärzte nach Worms zu holen, aber wir können sie nicht herzaubern. Das liegt am Markt“, setzte die Bürgermeisterin auseinander.
Im Anschluss stellte Sabine Müller eine Übergangslösung vor, das Ärztemobil. Bereits in Worms-Neuhausen im Einsatz, soll es ab dem 1. April in der Alzeyerstraße 29, zwischen Lidl und Brauhaus 12 Apostel, zweimal die Woche Station machen. Generell können Patienten, die aktuell keinen Hausarzt haben, die Mobile Arztpraxis nutzen. Das Ganze funktioniert wie bei einem Arztbesuch: Termin vereinbaren, Versichertenkarte einpacken und vor Ort behandelt werden.
Sprechstunden Mobile Arztpraxis:
Montag und Freitag von 9.30 bis 12.30 Uhr und von 13 bis 15 Uhr
Terminbuchung unter www.kv-rlp.de/707070 oder telefonisch während der Servicezeiten unter 061313261202
Beitrag aus der Rubrik