Viele Bürger und auch die Parteien möchten ein ganzjähriges Eisvergnügen am Marktplatz / Es geht letztlich nur um die Größe und die Details bei der baulichen Gestaltung des zweistöckigen Neubaus
Heftige Turbulenzen um Vannini-Neubau
Das Eis-Café von Pietro Vannini soll zu einem zweigeschossigen Ganzjahresbetrieb ausgebaut werden. Foto: Gernot Kirch
VON GERNOT KIRCH Die Nachricht auf der Facebook-Seite des Nibelungen Kuriers schlug wie eine Bombe ein, dass Pietro Vannini sein Eisgeschäft auf dem Wormser Markplatz zu einen ganzjährigen, zweigeschossigen Cafébetrieb erweitern möchte. Über 22.000 Leser haben den Bericht noch am Mittwochabend auf Facebook gelesen.
Der Folgeartikel am Donnerstag wurde nicht weniger angeklickt. Und auf der Internetseite des NK waren die Zugriffzahlen ähnlich hoch. Die Kommentare waren fast alle positiv, ja, sogar euphorisch. Viele Menschen aus der Region freuten sich auf leckeres Eis und auch auf Kaffee, Kuchen und andere süße Köstlichkeiten. Und dies zwölf Monate im Jahr.
Idee seit fünf Jahren
Die Gespräche der Stadt mit Pietro Vannini laufen nach Aussage von Oberbürgermeister Michael Kissel seit ungefähr vier oder fünf Jahren. Dabei sei es das gemeinsame Ziel, einen ganzjährigen Cafébetrieb auf dem Marktplatz zu realisieren, so der Stadtchef.
Im Oktober 2014 legte Pietro Vannini der Stadt dann einen ersten konkreten Entwurf vor, über den der Bauausschuss diskutierte. Dieser fand die prinzipielle Zustimmung, es gab jedoch Gesprächsbedarf in Details wie Größe und bauliche Gestaltung, schließlich handele es sich um einen sensiblen Platz im Herzen der Stadt, so Baudezernet Uwe Franz gegenüber dem NK. Es bestand aber nie ein Zweifel, dass Pietro Vannini ein zweigeschossiges Cafe bauen darf. Ja, man wünsche sich dies sogar, um die Innenstadt aufzuwerten.
Im Frühjahr 2015 präsentierte Pietro Vannini der Stadt dann einen völlig neuen Entwurf, über den erneut der Bauausschuss beraten musste. Bereits im Vorfeld der Sitzung, die am Donnerstag, dem 7. Mai stattfand, gaben die Stadtratsfraktionen von CDU und SPD jedoch eine Presseerklärung heraus, in der sie sich zum Bauvorhaben äußerten. Was eigentlich unüblich ist, da sich die Fraktionen normal erst nach der Ausschusssitzung zu solchen Vorhaben äußern. Aber nun war das Thema in der Öffentlichkeit.
In der Presseerklärung sprachen sich Timo Horst (SPD) und Dr. Klaus Karlin (CDU) dafür aus, dass sie den Wunsch von Pietro Vannini unterstützen möchten, auf dem Marktplatz ein Café im ganzjährigen Betrieb zu erstellen. Allerdings handele es sich um einen zentralen Bereich der Innenstadt in dem ein hohes Maß an gestalterischer Qualität sichergestellt werden muss. Der vorgelegte Entwurf genügte diesem Anspruch noch nicht ganz. Deshalb sei es notwendig, dass die Verwaltung den Entwurf mit Pietro Vannini nochmals abstimmen müsse.
Auch müsse der Bau so realisiert werden, dass er aktueller und künftiger Nutzung des Marktplatzes für Veranstaltung wie dem Wochenmarkt nicht entgegenstehe. Da es sich um ein städtisches Grundstück handle, habe die Stadt eine herausgehobene Verantwortung für eine gute Lösung, die auch intensiv mit der Bürgerschaft diskutiert werden sollte. Gleichzeitig betonten beide Fraktionen, dass sie mit den bisherigen Aktivitäten des Eisgeschäfts sehr zufrieden seien. Der Gastronom habe in der Vergangenheit durch sein Angebot und die Qualität, die sogar weit über die Grenzen von Worms bekannt sei, überzeugt.
Im Prinzip sagten die beiden großen Parteien nichts anders, als dass man mit Pietro Vannini noch einmal reden müsse, um zu einer optimalen Gestaltung zu kommen.
Erklärung von Vannini
Doch nachdem die scheinbare Ablehnung der Politik am Donnerstagmorgen im Raum stand, reagierte Pietro Vannini verärgert und erklärte in einer Pressemitteilung, die auf der Facebookseite des NK nachzulesen ist, dass er gerne dem Wunsch zahlreicher Bürger nachgekommen wäre, den Marktplatz mit einem Ganzjahresbetrieb noch attraktiver zu machen. Er habe auch schon viele Entwürfe und Planungen bei der Stadt vorgelegt, leider aber ohne Erfolg. Er, Pietro Vannini, sei jetzt nicht mehr bereit, weitere teure Vorschläge erarbeiten zu lassen. Gleichzeitig versprach er aber den Wormser Bürgern, weiterhin als Saisonbetrieb auf dem Marktplatz präsent zu sein und den Menschen den Sommer zu versüßen.
Alle hoffen auf Lösung und leckeres Eis
Nun scheint das „Kind in den Brunnen gefallen zu sein“, was keiner wollte, denn eigentlich will ja fast jeder Wormser, dass Pietro Vannini einen Ganzjahrsbetrieb eröffnen kann. Viele Bürger bekundeten ihre Sympathie mit den Plänen des Italieners. Bei der Politik ist man nun um Schadensbegrenzung bemüht und versucht jetzt alles, um zu einer harmonischen Lösung zu kommen, die allen gerecht wird: Pietro Vannini, den Eisliebhabern, dem Stadtbild und dem Denkmalschutz.
Ein echter Hingucker
Baudezernent Uwe Franz erläutert gegenüber der Presse am Freitagvormittag, dass der Bauausschuss am Donnerstagabend mit 15 Ja-Stimmen bei Zwei-Enthaltungen dem Bauvorhaben zugestimmt habe. Es gehe nur noch um die Feinabstimmung. Auch der Haupt- und Finanzausschuss stimmte zu, dass mit Pietro Vannini ein entsprechender Pachtvertrag mit Petro Vannini abgeschlossen werden soll. Dies könne aber erst ab dem Jahr 2017 erfolgen, da bis in dieses Jahr ein Vertrag über das jetzige Gebäude, in dem das Vannini Eisgeschäft ist, mit einem Wormser Geschäftmann Bestand habe. Ab 2017 könne Pietro Vannini dann dort ein entsprechendes Gebäude erstellen. Eine Eröffnung ist für das Jahr 2018 geplant.
Der Entwurf von Pietro Vannini sieht ein zweigeschossiges Gebäude vor, bei dem im Obergeschoss ein gemütliches Café mit Sitzgruppen entsteht. Das Erdgeschoss soll weiter einen Verkaufsbereich für Eis aber auch Konditorware beinhalten. Einen Außenbereich wird es nicht mehr geben, denn das zweigeschossige Gebäude soll in etwa die Grundfläche haben, wie jetzt das Eisgeschäft sowie der Bereich der Außenbestuhlung mit seinen Grünpflanzen.
Schadensbegrenzeung
Oberbürgermeister Michael Kissel möchte nun ebenfalls die Wogen glätten, um das Projekt noch gemeinsam mit Pietro Vannini realisieren zu können. In einer Presseerklärung schriebet der Stadtchef, dass er sich frühzeitig und klar für eine Erweiterung des Eiscafés auf dem Marktplatz und für einen damit verbundenen ganzjährigen Betrieb ausgesprochen habe. Wörtlich sagte er: „Dass man sich über die konkrete Ausgestaltung eines Bauvorhabens, über Optik, Dimension und die Einfügung in die Umgebungssituation intensiv austauschen muss, ist bei solchen Projekten selbstverständlich. Und Pietro Vannini hat sich hier stets gesprächs- und verhandlungsbereit gezeigt.“
Weiter schrieb der Stadtchef: „Das Eiscafé Vannini ist eine Bereicherung für Worms und für den Marktplatz und ich bin mir sicher, dass der Betreiber mit seinen aktuellen Plänen, ein Angebot herzustellen, dass auch für die Wintermonate attraktiv ist.“
Für den Marktplatz sei ein solcher Bau eine gestalterische Bereicherung, denn erst mit einer Wandung durch ein Gebäude werde der Platzcharakter einer Fläche betont, erläuterte er.
Deshalb ist sich der Stadtchef sicher, dass Pietro Vannini mit seinen Plänen in Worms Zustimmung finden wird.
Doch habe Pietro Vannini nun leider öffentlich von seinen Erweiterungsplänen Abstand genommen. Zwar wolle er weiterhin das Sommergeschäft mit seinem Eiscafé betreiben, einen Erweiterungsbau für einen ganzjährigen Betrieb soll es allerdings nicht geben.
„Ich bedauere diese Entscheidung zutiefst“, betont der Wormser OB. Er könne Pietro Vanninis Reaktion jedoch sehr gut nachvollziehen. Aber: „Ich stehe weiterhin in Kontakt mit dem Betreiber und hoffe sehr, dass ich Herrn Vannini noch dazu bewegen kann, seine Entscheidung zu revidieren.