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Heute kommt Bismarck zurück

Um 13 Uhr erfolgt die Aufstellung der Bismarck-Büste im Heylshofpark / Kontroverse Debatte

Dr. Jörg Koch ist ein Befürworter der Wiederaufstellung und wird am Samstag eine Rede halten .

Dr. Jörg Koch ist ein Befürworter der Wiederaufstellung und wird am Samstag eine Rede halten .Foto: Gernot Kirch

Von Gernot Kirch Die Wiederaufstellung der Bismarck-Büste in Worms ist genauso umstritten wie es die Politik des preußischen Staatsmannes war. Rund zwei Jahre wurde in der Nibelungenstadt gerungen, ob die Bronze-Büste des Reichskanzlers erneut einen Platz im öffentlich zugänglichen Raum haben sollte oder nicht. Letztlich entschied man sich dafür, sie im Heylshofpark aufzustellen, auch wenn manche Partei und Person nur zähneknirschend zustimmte. Besonders bei der SPD will keine Freude über das Denkmal aufkommen. Wobei der Heylshofpark im strengen Sinn kein öffentlicher Raum ist, sondern es sich um einen privaten Park handelt, der im Besitz der Stiftung Kunsthaus Heylshof ist. Am heutigen Samstag, um 13 Uhr, wird die Bronze-Büste im Heylshofpark unter Anwesenheit von Oberbürgermeister Michael Kissel und Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek wieder aufgestellt.

Wer war Bismarck?

Otto von Bismarck ist am 1. April 1815 geboren und starb am 30. Juli 1898 unweit von Hamburg. Bismarck war Preuße durch und durch und trug später auch den Beinamen „Eiserner Kanzler“. Von 1862 bis 1890 war er Ministerpräsident von Preußen. Von größerer Bekanntheit ist aber sein Amt als erster Reichskanzler des Deutschen Reiches von 1871 bis 1890. Von seiner Grundgesinnung war Bismarck sehr konservativ und kämpfte für die Monarchie und gegen Liberale und Sozialdemokraten. Ein besonderer Kritikpunkt der heutigen SPD sind daher auch die Sozialistengesetze, die von Bismarck erlassen hat und mit denen er die sozialistische Tätigkeit einschränkte. Andererseits führte Bismarck die Zivilehe ein und schuf ein modernes Sozialversicherungssystem, das den Grundstein für unsere heutige Sozialgesetzgebung legte.

Reichsgründung

In erster Linie steht Bismarck jedoch für seine Außenpolitik. Die Gründung des Deutschen Reiches wurde von ihm, auch mit militärischen Mitteln, durchgesetzt. Zunächst entwickelte sich im Jahr 1864 Spannungen zwischen Dänemark und Preußen um die Herzogtümer Holstein und Schleswig. Preußische Truppen schlugen die Skandinavier im gleichen Jahr vernichtend. Im Jahr 1866 folgte der deutsche Krieg, den Bismarck erfolgreich führte, und nach dessen Ende das Königreich Hannover und Hessen an Preußen fiel. Gleichzeitig wurde der Norddeutsche Bund gegründet. Die süddeutschen Länder blieben unabhängig. Es folgte im Jahr 1870 der deutsch-französische Krieg, in dessen Verlauf die preußische Armee Frankreich in der berühmten Schlacht bei Sedan schlug. Im Anschluss kam es zur Gründung des Deutschen Reiches, das auch Bayern, Baden und Württemberg umfasste. Deutschland wurde Kaiserreich. Die Reichsgründung änderte jedoch das Machtgefüge in Europa. Bismarcks „Markenzeichen“ war nun über zwei Jahrzehnte eine kluge Bündnispolitik, um das Kräftegleichgewicht in Euro auszubalancieren, was ihm gelang. Im März 1890 entzog der neue Kaiser Wilhelm II seinem Kanzler allerdings das Vertrauen und er entließ Bismarck als Reichskanzler. In der Geschichtsschreibung ist Bismarck umstritten.

Wo war die Büste?

Der NK sprach mit Dr. Jörg Koch über die Wormser Bismarck-Büste und wo sie alle die Jahre steckte. Der Historiker erläuterte, dass der Industrielle Cornelius Wilhelm Heyl die Büste im Jahr 1890 zu Ehren Bismarcks anfertigen und am Rheintorplatz am Vorabend des sogenannten Sedantages aufstellen ließ. Cornelius Heyl sei Bismarck mehrfach persönlich begegnet. Die überlebensgroße Büste ist übrigens von dem Bildhauer Reinhoild Begas geschaffen worden. Bereits 1894 wurde das Denkmal aufgrund einer Umgestaltung des Rheintorplatzes an dessen Rand bzw. an den Eingang der Fischerweide versetzt. Dort blieb es bis 1937 und wurde dann im ehemaligen Stadtgraben, heute Lutherring, aufgestellt. Nach 1945 wurde die Büste demontiert und nicht wieder aufgestellt. Sie befand sich über 70 Jahre lang ungenutzt im Lager des Wormser Museums Andreasstift. Dort entdeckte sie Dr. Jörg Koch und machte sich ab 2013 für die Wiederaufstellung stark. Der Altertumsverein unterstützte ihn dabei. Es stellte sich nur die Frage, wohin mit Bismarck? Den Platz im Heylshofpark findet Dr. Jörg Koch richtig, denn dort wird die Verbindung zwischen Cornelius Wilhelm Heyl und Otto von Bismarck deutlich.

Wie stehen Sie zu Bismarck?

Auf die Frage, wie er zu Bismarck stehe, antwortete Dr. Jörg Koch, dass er nicht unbedingt ein Bismarck-Verehrer sei. Er habe ein gemischtes Verhältnis zum ehemaligen Reichskanzler. Dieser habe positive wie negative Dinge angestoßen. Insgesamt sehe er aber durchaus ein leichtes Plus bei den positiven Aspekten. Im Kern, so Dr. Jörg Koch weiter, gehe es bei der Wiederaufstellung aber nicht um Bismarck, sondern um die Büste. Und diese sei ein Stück Kulturgeschichte der Stadt Worms, das wieder gezeigt werden sollte. Wer mehr über die spannende Geschichte der Büste erfahren will, sollte am heutigen Samstag um 13 Uhr zur Aufstellung kommen oder das Buch von Dr. Jörg Koch lesen: „Bismarckdenkmäler und Bismarckgedenken am Oberrhein.“ Die SPD ist über die Wiederaufstellung der Bismarck-Büste im Heylspark nicht begeistert. Der Fraktionsvorsitzender Timo Horst sagte gegenüber dem NK: „Wir tolerieren den Standort nah bei seinen Anhängern und Stiftern schweren Herzens.“ Gleichzeitig fordert Horst, die kritische Auseinandersetzung mit der Person Bismarck, wie dies vom Altertumsverein vorgeschlagen wurde.

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Geschrieben in Worms und Ortsteile

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