Vorhang auf für 125 Jahre Wormser Theater und Stadtgeschichte
Heylshofmatinee mit Charme
Stilecht mit Hut spielte Kai Gabel, begleitet von Paul Streich am Flügel, „Wenn ich einmal reich wär“ aus Anatevka (Foto: Regina Urbach).
Von Regina Urbach. Vor vollem Saal präsentierten Dr. Jörg Koch, Karlheinz Deichelmann, Walter Passian, Paul Streich und Jugendliche von der Lucie-Kölsch-Musikschule ihre achte Heylshofmatinee „Vorhang auf“. Am Nachmittag wurde die Veranstaltung noch einmal gegeben. In bewährter Manier ließ Dr. Koch die Zeiten von der ersten Errichtung eines Theaters dank Bürgerengagement 1887 bis zur vierten Neueröffnung 2011 lebendig werden , indem er immer wieder die Wormser und besonders engagierte Persönlichkeiten wie Friedrich von Schön beleuchtete und das eine oder andere Exponat wie die Giveaways von 2011 mitbrachte.
Die Organisatoren hatten jedes Detail wie ein Theaterstück geplant: Karlheinz Deichelmann und Walter Passian trugen Originaltexte aus den historischen Festschriften, Richtlinien zur Germanisierung französischer Theaterbegriffe („Vorsager“ statt Souffleur) oder passende Texte wie Fontanes „Publikum“ vor. Anekdoten rund um Stars wie Marika Rökk, Heinz Erhard oder Freddy Quinn in Worms durften nicht fehlen. „Junge, komm bald wieder“, von Passian gesungen, wurde im Publikum gerne mitgesungen. Musikalisch wurde die Darbietung durch Stücke von Mozart, Wagner und anderen mit Bezug zu wichtigen Aufführungen abgerundet, zum Teil synchron zum Vortrag oder scheinbar abgestimmt auf die hörbaren Glockenschläge von Dom und Dreifaltigkeit. Es wurde wieder eine Heylshof-Zeitreise, die die Zuschauer für sich einnahm und bei den Parallelen zur Gegenwart wie Budgetdiskussionen oder Bürgerengagement oft schmunzeln ließ. Wie Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek in seinem Grußwort zutreffend bemerkte, hätte sich das Publikum von einem klassischen Vortrag kaum so verzaubern lassen. Dr. Koch versäumte nicht, auf die diesjährige Theaterjubiläumswoche im November hinzuweisen.