Seit zehn Jahren gibt es das Info-Café des Wormser Caritasverbandes im CaritasCentrum St. Vinzenz in der Kriemhildenstrasse 6. Ein Grund für das Team aus Ehren- und Hauptamtlichen zusammenzukommen, um zu reflektieren – und zu feiern.
Ob jemand Rat sucht, einfach reden oder bei einem Kaffee Zeitung lesen möchte: Seit zehn Jahren stehen die Türen des Info-Cafés beim Wormser Caritasverband werktags jeden Nachmittag offen. Manches hat sich geändert in dieser Zeit – aber die Botschaft an Besucherinnen und Besucher ist dieselbe geblieben: „Hier sind Sie richtig.“
Jährlich zählt das Info Café mittlerweile etwa 1.900 Gäste. Einige Menschen haben hier eine Art Heimat gefunden und schauen regelmäßig vorbei, um mit Bekannten zu plaudern oder das Internet zu nutzen. Sie werden hier genauso selbstverständlich willkommen geheißen wie die zahlreichen Gäste, die mit ihren Sorgen oder Fragen in die „offene Beratung“ kommen.
Das bedeutet: Rat Suchende werden zunächst von einem der ehrenamtlichen Mitarbeitenden freundlich empfangen und nach ihren Anliegen gefragt. Geht es z.B. um die Ausstellung eines Tafelausweises, nehmen dies die Ehrenamtlichen gleich selber in die Hand. Mit anderen Themen kann sich der Gast noch am gleichen Nachmittag an die Hauptamtlichen wenden, die gerade hier ihren Dienst versehen. Sie kommen zwar aus ganz verschiedenen Fachbereichen, nehmen sich aber erst einmal jeder Frage an und versuchen, die erste Lösungsansätze zu entwickeln.
Nur: Wie kann eine Fachfrau für Alter und Pflege eine junge alleinerziehende Mutter unterstützen, die ohne Arbeit und Ausbildung ist und der zudem noch der Verlust der Wohnung droht? Was rät jemand aus der Jugendhilfe oder der Migrationsberatung einem Mann, der unter Sucht oder seelischen Problemen leidet?
Schnelle und unbürokratische Hilfe
„Da kommt unsere Vernetzung zum Tragen,“ erklärt Projektkoordinator Thomas Jäger. „Aufgrund unseres regelmäßigen Austausches im Team des CaritasCentrums können wir die Menschen bei Bedarf schnell und direkt zu den entsprechenden Fachkollegen vermitteln. Das ist für die Menschen so viel einfacher, als sich erst lange „durchfragen“ oder Ihre Problemsituationen immer wieder neu erklären zu müssen.“
Sich angenommen und verstanden fühlen
Dieses „Clearing“, wie es in der Fachsprache heißt, hat auch für den gesamten Caritasverband Früchte getragen. Fachbereichsleiter Georg Bruckmeir: „Mitarbeitende haben das breite Spektrum unserer verbandlichen im Blick. Das dient den Menschen sehr! Denn bei vielen „brennt“ es gleichzeitig in verschiedenen Lebensbereichen und sie fühlen sich völlig überfordert. In gewisser Weise ist das CaritasCentrum so etwas, wie eine moderne Form der Gemeindeschwester: Hier hat erstmal jede Sorge und Frage Raum. Jedem wird sorgfältig zugehört und er kann sich angenommen und verstanden fühlen. Es geht eben um den ganzen Menschen – nicht um einen „Fall“.“
Menschen mit ihren Talenten und Möglichkeiten wahrnehmen
Viele, die hierher kommen, haben Abwertung erlebt. Peter Naaijkens, von Beginn an ehrenamtlicher Mitarbeiter: „Wir erleben immer wieder, wie beschämend es besonders für ältere Menschen sein kann, nur mit Hilfe eines Tafelausweises über die Runden zu kommen. 'Mein Leben lang habe ich gearbeitet, war nie abhängig von anderen – und jetzt reicht die Rente nicht...' Solche Sätze hört man hier öfter – manchmal unter Tränen.“
Jäger ergänzt: „Und gerade deshalb ist es wichtig, dass wir nicht nur die Fragen und Probleme der Menschen wahrnehmen, sondern auch ihre Möglichkeiten und Fähigkeiten.“ Oft gelang es dem Hand in Hand arbeitenden Team, Menschen in ehrenamtliche Tätigkeiten oder Gruppen im Caritasverband zu vermitteln – und damit das ermutigende Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun und dazuzugehören.
Sicher hat auch dieser Blick auf die Potentiale und Stärken dazu beigetragen, dass das CaritasCentrum immer auch eine Ideenschmiede für Initiativen war. Als Ehren- und Hauptamtliche in dieser Feierstunde 10 Jahre Info-Café Revue passieren lassen, wird das einmal mehr deutlich: Projekte wie das „Weltkochen“ oder der Caritas Gemeinschaftsgarten konnten hier wachsen und dabei Menschen zusammenbringen, die sich sonst vielleicht nie treffen würden.
Info
Info-Café im CaritasCentrum St. Vinzenz, geöffnet täglich (montags bis freitags) von 15 bis 17 Uhr. Internet www.caritas-worms.de. Wer Interesse an ehrenamtlicher Mitarbeit im Info Café hat, kann sich unter Telefon 06241-2681-0 informieren.
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