
VON REGINA URBACH Regisseur Nuran David Calis machte der von Nico Hofmann in ihn gesetzten Erwartung („ein brodelnder Vulkan“) gleich zum Probenauftakt alle Ehre: Er sprühte vor ansteckender Energie und kreativer „crazyness“.
Damit läutete er die Textproben zu den Nibelungen-Festspielen ein. Schauspielerinnen und Schauspieler, Bühnenbild/ Kostüme/ Videokünstler, Assistenz und Musiker schwor er auf einen kollegialen Konflikt ein: „Findet einander doof, seid genervt, könnt es besser als die anderen, geht euch auf den Sack!“ rief er, und: „Seid weich im Herzen, aber hart im Gedanken“. Fürs Stören, Sichweigern und für Fehlverhalten seien erst einmal keine Grenzen gesetzt: „Wir brauchen von Euch Druck.“
Er bat auch darum, sich das Nibelungenlied durchzulesen, dies sei aber keine Pflicht: „Wir erarbeiten gemeinsam, was es in uns auslöst. Bringt dazu eure eigenen Biographien ein, lebt alles aus, macht ruhig um 12 den Weißwein auf“, redete er weiter, „macht euch Gedanken, wie im Netzwerk über die Figuren gechattet werden würde, bringt das Handy auf die Bühne – ich verdonnere euch zum Spaß!“ Die Figuren sollten durch das Spiel über Ostermeiers Text hinaus weitergesponnen und ausgeschmückt werden. Immer wieder solle aber auch das Verletzliche, Unschuldige einer jeden Figur aufglimmen. Ostermaier fixierte Calis währenddessen seitlich mit sphinxhaftem Blick: gespannt und ein feines bisschen, aber nicht übertrieben amüsiert.
Im Hintergrund waren Bühnenbildmodelle und Figurinen mit Fantasykostümen zu sehen, besonders die Protagonistinnen werden in wallenden Gewändern, die derzeit bereits geschneidert werden, brillieren. Auch unkommentierte Fotokollagen mit Bildern von Elend und Katastrophen gab es zu betrachten. Bevor die Presse eine Zeile Text des neuen Stücks erhaschen konnte, wurde sie zum Verlassen des Foyers aufgerufen.
Für viele Beteiligte, etwa die beiden Brünhilden oder Brünhild und Kriemhild, war es die erste Gelegenheit, einander kennenzulernen. Bleibt zu hoffen, dass die Stars nicht den feuchten Wetterauftakt, sondern die lockere Geselligkeit als prägenden ersten Eindruck von den Wormser Festspielen mitnehmen werden.
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