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  • Do., 27. Oktober 2016, 19:33 Uhr
    Die neue Außenstelle des „Weißen Ringes“ zog heute eine Bilanz ihres jungen Wirkens und hofft weiterhin auf Unterstützung der wichtigen Opferhilfe

    Hilfe in materiellen und psychischen Notlagen

    OB Michael Kissel dankt Peter Höding und seinem Team in Anwesenheit von Thomas Bergmann, Karl-Heinz Weber und Gerald Gouasé für die wichtige Arbeit. Foto: Robert Lehr


    VON ROBERT LEHR „Ich empfinde eine große Befriedigung darin, Menschen zu helfen“ – so einfach umschreibt Robert Klimowski seine Motivation, beim Weißen Ring aktiv zu helfen. Ganz so einfach jedoch ist es nicht, diese Hilfe den Opfern der verschiedensten Arten von Kriminalität angedeihen zu lassen.

    Vor gut einem Jahr hatte die Opferhilfevereinigung auch im NK für Engagierte geworben, die sich am Wiederaufbau einer Außenstelle für die Stadt Worms und den Landkreis Alzey-Worms beteiligen möchten. Der ehemalige Bundeswehrsoldat Klimowski meldete sich damals, und musste zunächst das praktische und rechtliche Instrumentarium in einem Grund- und einem Aufbauseminar vermittelt bekommen.

    Inzwischen ist er voll im neuen Ehrenamt aufgegangen und weiß vor allem von Menschen zu berichten, die Opfer einer Straftat werden, aber nicht in der Lage sind, sich selbst zu helfen. Da zahlreiche Fälle in prekären Verhältnissen stattfänden, sei die Unterstützung des Weißen Ringes hier besonders wichtig. Man treffe auf Menschen, die durch ein Verbrechen „völlig aus der Bahn geworfen würden“.

    Beruflich war Robert Klimowski bei der Bundeswehr und hatte schon aufgrund seiner dortigen Tätigkeit viel mit der Polizei und auch den Kriminalitätsopfern zu tun. Von daher könne er im Ehrenamt seine Arbeit unter anderen Vorzeichen sinnvoll fortsetzen.

    Klimowski gehört jetzt dem 9-köpfigen Team unter Leitung des ehemaligen Polizisten Peter Höding an, die zufrieden, aber auch mit Wusch nach stärkerer personeller Unterstützung jetzt eine erste Bilanz zogen.

    Fruchtbare Zusammenarbeit im Netzwerk
    Dazu war mit dem Mainzer Polizeipräsidenten Karl-Heinz Weber der derzeitige 1. Vorsitzende des Weißen Ringes Rheinland-Pfalz heute Nachmittag ins Wormser Rathaus gekommen. Ihm war es besonders wichtig, dem Wormser Oberbürgermeister Michael Kissel für seine Unterstützung zu danken, aber dem ebenso anwesenden Amtsgerichtsdirektor Thomas Bergmann sowie Kriminaldirektor Gerald Gouasé, dem Leiter der Wormser Polizeidirektion. Mit ihnen arbeite man sehr eng und fruchtbar zusammen, und gerade jetzt im Jahr des 40. Geburtstages des Weißen Ringes habe die neue Außenstelle schön über 90 Kriminalitätsopfern helfen können.

    Doch trotz großer Bekanntheit herrschten Informationsdefizite über die Arbeit des Weißen Ringes – ebenso z.B. Scham als persönlicher Grund, weshalb die Hilfe nicht in Anspruch genommen wird, so Weber.

    Für Michael Kissel hört es auch zur Lebensqualität eines Gemeinwesens, „in materiellen und psychischen Notlagen“ schnelle und unbürokratische Hilfe zu erfahren. Dies sei mir der Außenstelle jetzt wieder gewährleistet.

    Peter Höding selbst zeigte sich froh, eine stattliche Anzahl Menschen gefunden zu haben, einen großen Teil ihrer Freizeit für den Weißen Ring aufbrächten. Obwohl erst kurz zusammen, sei man ein „gut funktionierendes Team“.

    Beispiele aus der Arbeit
    Als konkretes Beispiel aus der Arbeit nannte er den Fall eines über 80-jährigen Ehepaares, die sich völlig überfordert mit den Folgen eines Einbruchs, gezeigt hätten. Hier konnte der Weiße Ring in Fragen der Versicherung sowie über persönlichen Zuspruch wie auch der Vermittlung bei der Installation von Schutzmaßnahmen wichtige immaterielle Hilfe leisten können, so Hörding.

    Weiter wusste er von einem jungen, arbeitslosen Familienvater zu berichten, der kurz vor Weihnachten Opfer eines Überfalles wurde – just nachdem er sich seine Unterstützung auf dem Arbeitsamt abgeholt hatte. Hier habe man dann auch mit einer Soforthilfe in Form von Geld geholfen.

    Die überwiegende Zahl der Betreuten seien Opfer von Gewaltdelikten. Nach der Körperverletzung seien es vor allem Sexualdelikte, vor allem in engen sozialen Beziehungen wie Ehen, die eine feinfühlige Arbeit erforderten, unterstrich Peter Höding. Auch rate man Opfern, das bestehende juristische Instrumentarium auszuschöpfen und arbeite eng mit den Fachleuten aus Frauenhäusern, dem Jugendamt oder den Gerichten zusammen.

    Thomas Bergmann verwies seinerseits auf die Zeugenkontaktstelle bei Gerichten, die sich gezielt den Opferzeugen widmeten. Es sei nämlich in vielen Fällen unabdingbar, Menschen, die keine Erfahrungen mit einem Strafverfahren haben, entsprechende Ängste zu nehmen.

    Opferorientierte Arbeit der Polizei
    Auch Gerald Gouasé betonte den Wechsel in der Strategie der Polizei hin zu einer opferorientierten Arbeit. Seine Beamten würden Tag für Tag „hautnah das Leid der Opfer“ erleben. Auch betonte er die Bereitschaft seiner Behörde, den Ehrenamtlichen des Weißen Ringes jegliche fachliche Hilfe zukommen zu lassen. Dabei vergaß er nicht zu betonen, dass dies jedoch nicht mit einer Herausgabe persönlicher Daten Beteiligter einherginge.

    „Wem wir helfen, muss unsere Hilfe auch wollen und uns entsprechend autorisieren“, betonte Hörding abschließend. Über diese Arbeit, deren Herausforderungen, aber auch befriedigenden und vor allem helfenden Aspekte informiert er gerne persönlich. So freut er sich unter Telefon 0151/51278604 oder E-Mail weisser-ring-az-wo@hoeding.net für Fragen und zur Kontaktaufnahme zur Verfügung. „Der Bedarf an weiterer Hilfe ist da!“

    Weitere Informationen zum Weißen Ring unter www.weisser.ring.de

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