Ehrenamtlich arbeiten, Opfern von Straftaten helfen – der "Weißer Ring" sucht neue Mitarbeiter in Worms und Umgebung für seine Onlineberatung. „Wir möchten online-affine Menschen in der Region dazu ermutigen, ein Ehrenamt zu übernehmen und dadurch Hilfesuchende in ihrer Not zu unterstützen und ihnen Perspektiven aufzuzeigen“, sagt Bianca Biwer, Bundesgeschäftsführerin des "Weißer Rings". Ein Ehrenamt biete die Möglichkeit, wertvolle praktische Erfahrungen zu sammeln. Darüber hinaus gehe es beim "Weißer Ring", Deutschlands größter Hilfsorganisation für Opfer von Kriminalität, um soziales Engagement – „und damit um die Chance, sich sinnvoll in unsere Gesellschaft einzubringen und etwas zu bewegen“, so Biwer.
Mit der Onlineberatung hat der "Weißer Ring" im Sommer 2016 einen weiteren, anonymen Zugang zu seinem Hilfsangebot geschaffen. In den ersten Monaten haben sich bereits mehrere hundert Hilfesuchende per Mail an den Verein gewandt und wurden entsprechend betreut. Die aktuell 14 speziell ausgebildeten ehrenamtlichen Mitarbeiter der Onlineberatung beraten pro Woche rund 50 Mal. Die Schwerpunkte liegen dabei auf den Deliktsgruppen Sexualstraftaten, Stalking, Gewalt und Betrug. Aufgabe der Onlineberatung ist es, Hilfesuchenden erste Orientierung zu geben sowie zusammen mit ihnen nächste Schritte zu klären und Lösungswege zu finden. Bei Bedarf vermitteln sie an eine Außenstelle des "Weißen Rings" in der Nähe weiter.
Beraten wird schriftlich und vollkommen anonym. Sichergestellt wird dies durch eine eigens eingerichtete Beratungsplattform und eine entsprechend sicherere Verbindung. „Wer Opfer einer Straftat wird, kann oder will nicht immer über Erlebtes sprechen“, sagt Biwer. In diesen Fällen werde die Möglichkeit zu schreiben, anstatt zu sprechen, als unverbindlicher und niedrigschwelliger angesehen. Die Bundesgeschäftsführerin verweist diesbezüglich auf erste Erfahrungswerte: Gerade auch Männer hätten vom Angebot der Onlineberatung, sich anonym Hilfe zu holen, Gebrauch gemacht. Häufig sei es bei diesen Beratungen um Themen gegangen, die mit Scham besetzt seien: beispielsweise durchlebte sexuelle und körperliche Gewalt seitens der Partnerin. „Wir erfahren hier viel Dankbarkeit“, sagt Biwer. „Hilfesuchende geben uns oft die Rückmeldung, dass sie sich nicht getraut hätten, auf anderen Wegen Kontakt aufzunehmen und einen Ausweg zu suchen.“
Interessierte in Worms und Umgebung, die für den "Weißer Ring" als Onlineberater tätig werden wollen, müssen über einen eigenen PC mit Internetanschluss verfügen. Sie sollten online-affin und psychisch belastbar sein sowie hohe Reflexions- und Kritikfähigkeit und gutes schriftliches Ausdrucksvermögen mitbringen. Beratungserfahrung oder Kenntnisse im psychosozialen Bereich sind wünschenswert, aber keine Voraussetzung. Wichtig ist die Bereitschaft, pro Woche vier Stunden Zeit für die Onlineberatung zu investieren. Ein Mal im Monat finden in regelmäßigem Wechsel ein abendliches Mitarbeitertreffen oder eine Mitarbeiterberatung (Supervision) in der Bundesgeschäftsstelle statt, daher sollten Bewerber nicht weiter als 70 Kilometer von Mainz entfernt wohnen.
Interessierte erwartet eine kostenfreie fundierte Ausbildung über die Inhalte der Opferhilfe beim "Weißer Ring" sowie über die Durchführung von Onlineberatung per Mail. Darüber hinaus können Onlineberater an Weiterbildungen des "Weißer Rings" teilnehmen. Bewerbungen sind ab sofort bis einschließlich 2. Februar 2017 über die Website des "Weißen Rings", www.weisser-ring.de, möglich. Rückfragen können an die E-Mail-Adresse onlineberatung@weisser-ring.de gerichtet werden.
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