Do., 24.09.2026
Die Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland
  • Startseite
  • Sport
  • Termine
  • Stellenmarkt
  • Do., 02. Juli 2015, 15:09 Uhr
    Frühchristlicher Taufort bei Grabungen am Wormser Dom entdeckt / Keine Auswirkungen auf Bau von Haus am Dom / Integration in Neubau

    „Hocherfreut über diesen spektakulären Fund“

    Bei Grabungen am Dom wurde die Reste einer frühchristlichen Taufpiscina, die vermutlich aus dem 7. Jahrhundert stammt, entdeckt. Bis zum Anfang des 9. Jahrhunderts war es üblich, dass die meist erwachsenen Täuflinge in ein kniehoch mit Wasser gefülltes Taufbecken stiegen, um dort vom Priester mit Taufwasser übergossen zu werden. Bislang sind in Deutschland aus dieser Zeit nur 5 solcher Anlagen bekannt. Foto: M. Forman, Direktion Landesarchäologie Rheinland-Pfalz


    Als Ende Januar mit den archäologischen Grabungen vor dem Wormser Dom begonnen wurde, für die zunächst etwa 4 Monate veranschlagt waren, gab es die Zusage, in Absprache mit Dr. Marion Witteyer von der Landesarchäologie von Zeit zu Zeit die Öffentlichkeit über den Stand der Grabungen zu informieren. Anlass der Grabung ist, wie bekannt, der an dieser Stelle geplante Bau des „Hauses am Dom“ als Gemeindehaus der Domgemeinde, als Haus der Begegnung und als eine Art kirchliches Besucherzentrum mit Domladen und einem kleinen Café.

    Vager Verdacht hat sich erhärtet

    „Wir haben von Anfang an deutlich gemacht, dass wir als Domgemeinde ein hohes Interesse an der Geschichte dieses Ortes haben und uns deshalb die Zeit nehmen werden, die zu gründlicher Untersuchung an diesem Ort nötig sein wird”, erklärt Tobias Schäfer, Propst am Dom zu Worms. In den letzten zwei Wochen hätte sich zunächst der vage Verdacht erhärtet, dass die Archäologen an diesem Ort tatsächlich auf einen hoch interessanten und für die Kirchengeschichte von Worms und des Wonnegaus ausgesprochen interessanten Fund gestoßen seien. „Ohne, dass ich zu pathetisch werden will, darf ich es eine kleine Sensation nennen”, Tobias Schäfer.

    Gefunden wurden die Reste eines frühchristlichen, wohl – mit etwas Vorsicht gesagt – in die merowingische Zeit zu datierenden Baptisteriums, insbesondere die Reste eines frühmittelalterlichen Taufbeckens, einer sogenannten Taufpiscina. Als die Archäologen bestätigt haben, dass es sich bei dem Fund um eine solche Taufpiscina handelt, also einen bislang im deutschen Raum überaus seltenen Fund, war schnell klar, dass man diesen Fund erhalten möchte und die Möglichkeit schaffen will, ihn der Öffentlichkeit zugänglich zu machen und angemessen zu präsentieren.

    Der Öffentlichkeit zugänglich machen

    „Die endgültige Bestätigung, um was es sich handelt, haben wir am 15. Juni erhalten”, fügte der Propst an. Sofort habe man sich mit den Architekten zusammen gesetzt und in den Gremien der Gemeinde (im Bauausschuss und im Verwaltungsrat) sowie mit dem Bistum Mainz und seinen Verantwortlichen intensiv beraten. Am vergangenen Mittwoch habe schließlich der Verwaltungsrat einstimmig den Beschluss gefasst, den Architekten zu beauftragen, das Sockelgeschoss des geplanten Hauses so umzugestalten, dass dieser Fund darin in einer guten und attraktiven Weise der Öffentlichkeit künftig zugänglich gemacht werden kann.

    „Wir glauben, dass dieser Fund und seine Präsentation sehr gut in das Konzept des Hauses am Dom passen”, erläuterte Propst Tobias Schäfer. Das Haus sollte von Anfang an, durch seinen Standort, seine Architektur wie auch durch seine Funktionen erfahrbar machen, dass der Dom mehr sei als nur das bedeutende Kulturdenkmal; kein bloßes Museum, sondern zuerst ein Gotteshaus, ein Ort der Gottesbegegnung und dass zum Dom auch eine lebendige Gemeinde gehöre. In diesem Sinn soll das Haus am Dom ein Haus der Begegnung werden, ein einladendes „Entree“ zum Dom. Die Baptisterien und Taufkapellen des Frühmittelalters standen fast immer unmittelbar vor oder neben den Kathedralen und Domen; die Taufe, die den Eingang in die Kirche bedeutet, hatte ihren genuinen Ort also bewusst am Eingang der Kirche. „Hier dürfen wir nun sehen, dass auch der vermutliche früheste Taufort von Worms unmittelbar im Umfeld des frühmittelalterlichen Domes zu lokalisieren ist”, fügte Schäfer an.

    Fund steigert Attraktivität des Hauses

    „Auch wenn wir natürlich wissen, dass die notwendigen Umplanungen im Sockelgeschoss zu weiteren Zeitverzögerungen führen werden; auch wenn wir uns bewusst sind, dass die Bewahrung dieses einmaligen Zeugnisses der Stadt- wie der Kirchengeschichte von Worms zusätzliche Kosten verursachen wird, kann ich dennoch mit voller Überzeugung für die Domgemeinde und für den Verwaltungsrat sagen: Wir sind hocherfreut über diesen spektakulären Fund und sind sicher, dass er die Attraktivität des geplanten Hauses am Dom in Worms und weit darüber hinaus steigern wird”, betonte der Dompropst abschließend.

    Beitrag aus der Rubrik

    » Worms und Ortsteile
    Anzeige Reifen Mast KN10123Anzeige Platten NOLLAnzeige Online StellenmarktAnzeige VHS
    Anzeige Tip SüdhessenAnzeige TicketshopAnzeige das Wormser
    Anzeige Cecil Cycle KN18256Anzeige AmtsblattAnzeige 3 Füller 1