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  • Sa., 04. April 2020, 11:30 Uhr
    HANDWERK: Kreishandswerksmeister Bernd Kiefer zur aktuellen Corona-Krise

    Hoffnung auf größere Wertschätzung

    Bernd Kiefer sieht seine Branche einer riesigen Herausforderung gegenüber. Obwohl das aktuelle Verbot durchaus Existenzen bedrohe, würde er sich sicherer fühlen, es würde nicht beim ersten Zeichen einer Besserung der Corona-Krise aufgehoben: „Hier geht es schließlich um Menschenleben!“. Foto: Robert Lehr


    VON ROBERT LEHR | „Das ist kein Kavaliersdelikt, sondern ist eine Straftat!“ Man merkt Bernd Kiefer an, wie sehr ihn die Problematik umtreibt. Denn was den Friseurmeister aus Flörsheim-Dalsheim und Obermeister der Friseur-Innung Rheinhessen so aufregt, sind die zahlreichen Meldungen seiner Innungsmitglieder über unvernünftiges Kundenverhalten. „Der allergrößte Teil der Kunden hatte Verständnis dafür, dass ich den Salon schon geschlossen hatte, bevor das eigentliche Verbot kam“, erinnert Bernd Kiefer an die vielen Absagen, die er für bereits gebuchte Termine machen musste. Seinen Kollegen sei es ähnlich ergangen. Doch obwohl seiner Zunft die Arbeit derzeit strengstens untersagt ist, gebe es „allenthalben eine recht starke Nachfrage, wobei den Friseuren Strafen von bis zu 25.000 Euro drohen, wenn sie ihre Dienstleistung im eigenen Salon oder bei den Kunden zu Hause vor Ort ausüben!“. Dabei sei es auch keine Seltenheit, wenn damit gedroht wird, nach der Krise den Friseur zu wechseln, wenn er oder sie jetzt nicht zum Haareschneiden oder Färben zur Verfügung stehe. Augenzwinkernd merkt er noch an, dass man ja schließlich sofort sehe, „wer frisch vom Friseur kommt“.

    Der Fachmann rät zur intensiven Pflege des Haares, wobei viele der Internet kursierenden Tipps, um sich selbst zu helfen, nichts mit dem Friseurhandwerk zu tun haben. „Natürlich ist die derzeitige Situation für uns, genau wie für zahlreiche andere Unternehmen z.B. in der Gastronomie oder dem Einzelhandel, eine extreme, nicht vorhersehbare, Herausforderung.“ Es handele sich ja um einen kompletten Umsatzausfall, der unmöglich abzufedern sei – „unabhängig von eventuellen Staatshilfen“. Für eventuelle Zuwiderhandlungen gegen das aktuelle Berufsverbot sieht Bernd Kiefer vor allem Mitarbeiter der Salons anfällig. Abgesehen von einem eventuellen „illegalen“ Zusatzverdienst sollten aber vor allem die Gesundheitsrisiken für alle Beteiligten nicht unterschätzt werden. Nicht umsonst müssten die Salons geschlossen bleiben. Für Kiefer bietet die aktuelle Krise aber auch eine Chance: „Jetzt erst merken viele, wie wichtig wir Friseure für den Alltag vieler Menschen sind!“ Er hofft in der Folge auf „eine gesteigerte Wertschätzung seines Standes“.

    Diese wünscht sich Bernd Kiefer ebenso für andere Handwerksberufe. Schließlich fungiert er auch als Kreishandwerksmeister.
    In dieser Funktion zeigt er sich verhältnismäßig zufrieden mit der allgemeinen Situation. So seien die Gewerbe rund um den Bau derzeit gut ausgelastet. Zimmerer, Dachdecker, Maler, Garten- und Landschaftsbauer oder die Betriebe des Bereiches Sanitär, Heizung und Klima litten eher unter einem hohen Krankenstand, Fachkräfte- und Nachwuchsmangel – nicht über fehlende Aufträge. In einer absolut schlimmen Situation sieht Kiefer die Gastronomie. Die gehöre zwar nicht zu seiner Kammer sondern zur IHK, leide aber ganz besonders. In normalen Zeiten hätte sie es schon schwer, aber wie all die Caterer, Gastronomen oder Hotels diese Krise überstehen sollen, sei auch für ihn schwer vorstellbar.

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