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  • Sa., 13. April 2024, 16:23 Uhr
    NIBELUNGENMUSEUM: Alle Optionen kommen auf den Tisch / Nibelungenlied soll zeitnah und ganzjährig erlebbar bleiben

    Hort für Wormser Sagenwelt gesucht

    Ohne die dringend benötigte Sanierung bleibt das Nibelungenmuseum für die Öffentlichkeit geschhlossen. Archivfoto: Florian Helfert


    Von Florian Helfert › Geschätzte 1,5 bis zwei Millionen Euro könnte es kosten, das vorläufig bis auf Weiteres geschlossene Nibelungenmuseum baulich zu sanieren. Unabhängig vom Nibelungenmuseum müssen ergänzend auch die beiden Wehrtürme sowie die Stadtmauer ertüchtig werden; grüne Netze sichern vor unter Umständen herabfallenden Steinen. Hier betragen die prognostizierten Kosten laut Christian Kraft, Bereichsleiter des Wormser Immobilienmanagements (WIM), fünf Millionen Euro.

    Die Gründe für das temporäre Ende umriss der städtische Experte in der Kombination einer hohen Brandlast aufgrund des technisch komplex angelegten multimedialen Charakters des Museums sowie zahlreicher Mängel und anhaltender Störungen etwa der Brandmeldeanlage oder auch der Sicherheitsbeleuchtung. „Es ist eine große Maßnahme vonnöten“, befand er am Mittwoch vor den Ratsmitgliedern gleich dreier Ausschüssen unmissverständlich.

    Alternative Standorte werden geprüft

    Kultur-, Bau- sowie Haupt- und Finanzausschuss sprachen sich dafür aus, auch verschiedene Szenarien zur Vermittlung im musealen Kontext an alternativen Standorten zu prüfen und konkrete Kosten hierfür zu ermitteln. Ein Konzept, wie die Nibelungen vorerst außerhalb eines Museums zeitnah und ganzjährig bespielt werden könnten, liegt bislang noch nicht vor. Eine Arbeitsgruppe soll es richten.

    Ferner beschlossen die Ausschussmitglieder wie vorgeschlagen, dass die Verwaltung verschiedene Optionen zum weiteren Umgang mit den vorhandenen Gebäudeteilen entwickeln möge, falls eine museale Umsetzung an anderen Standorten beschlossen werden sollte.

    Lindenfels möchte museale Lücke füllen

    „Lindenfels überlegt unter Verweis auf die Situation bei uns in Worms ein Nibelungenmuseum zu gründen“, warb SPD-Fraktionsvorsitzender Dirk Beyer die Nibelungen als ganzjährigen Wirtschaftsfaktor nicht zu vergessen (vgl. Audiobeitrag der Hessenschau). Andererseits sah er ebenso wie CDU-Fraktionsvorsitzender Dr. Klaus Karlin Beratungsbedarf. Beide wünschten sich mehr Zahlen und Fakten.

    Befürworter und Gegner im Rat

    Dr. Jörg Koch (CDU), Heidi Lammeyer und Jens Guth (beide SPD) sowie Heide Denig (Grüne) sprachen sich für den Erhalt des Nibelungenmuseums aus. „Eine Neukonzeption des Nibelungenthemas ist egal an welchem Standort, immer mit Kosten verbunden“, gab Guth zu bedenken. Auch ein Abriss oder eine Sanierung des Gebäudeensembles, ganz gleich für welche Zwecke, werde mit Kosten verbunden sein. Ergänzend hatte bereits zuvor Dr. Jörg Koch bemerkt, dass im Falle eines Umzuges des Nibelungenmuseums in das Andreasstift für das städtische Museum am Weckerlingplatz ebenfalls ein neues Konzept erarbeitet werden müsse.

    Abgelehnt wurde der Erhalt eines Nibelungenmuseums von den Fraktionsvorsitzenden der Liberalen, Dr. Jürgen Neureuther, sowie „Worms will weiter“, Mathias Englert. „Das Votum der Wormser über Standort und Museum ist bereits vor dem Bau getroffen worden“, erinnerte Dr. Neureuther an die mehrheitlich ablehnende Haltung des Bürgerentscheides im September 1999 – an welchem allerdings rechtlich zu wenige Bürger teilgenommen hatten.

    Relevanz der Nibelungen unbestritten

    Und während Tony Ras (AfD) sich ein begehbares Internetmuseum und/oder Infotafeln in der Stadt vorstellen konnte, warnte Alfred Koch (FDP), die Nibelungen ins Internet und auf Bildschirme zu verbannen, denn dafür müsse niemand eigens nach Worms reisen. Dass die Nibelungen als Tourismusmagnet und als Leuchtturm Wormser Identität ganzjährig präsent bleiben und vermittelt werden müssen, darin waren sich zumindest alle Ausschussmitglieder einig.

    Blutbad für Kultur oder Haushalt

    David Hilzendegen (Grüne) betrachtete im Gegensatz zu seiner das Nibelungenmuseum befürwortenden Parteifreundin Heide Denig ausschließlich aus der nüchternen Sicht der kalten Finanzen. „Fakt ist“, so Hilzendegen, „die Haushaltslage ist desolat und das Museum wird weiterhin Defizite schreiben.“ Wie viele kulturelle Zuschussbetriebe möchte und könne sich Worms leisten, fragte er rhetorisch.

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