
Normalerweise ist Rothenburg ob der Tauber ein beschaulicher Ort, der vor allem mit seinem mittelalterlichen Flair lockt. Doch einmal im Jahr ist es die Taubertal100, die Athleten aus ganz Deutschland in den Norden Bayerns zieht, um sich in einem Ultramarathon zu messen.
Darunter auch Poseidon-Sportler Paul Stöckel. Wie Stöckel selbst sagt, war es seine bisher härteste Herausforderung, sowohl mental als auch körperlich. Galt es doch, eine sagenhafte 100 Kilometer lange Strecke zu bewältigen. Bevor es Anfang Oktober so weit war, begann Stöckel, sich ab Februar intensiv auf die Mammutstrecke vorzubereiten. Trotz etwaigen Hindernissen wie Muskelreizungen und beruflichen Verpflichtungen, unter denen das Training litt, ging am frühen Samstagmorgen der Sportler mit einem klaren Finish vor Augen an den Start.
Um 6 Uhr fiel schließlich das Startsignal. Begleitet von Fackeln ging es durch die Altstadt von Rothenburg, bevor die Läufer am Burggarten von einem Melder begrüßt wurden, der den Sportlern augenzwinkernd verkündete, von nun an im Auftrag von Königin und König als Botenläufer unterwegs zu sein. „Unterwegs“ bedeutete, unzählige Tiefen, einsame Kilometer im Dunkeln, Kühe auf der Strecke und einen finalen Erdwall kurz vor dem Ziel zu passieren. Diesen musste Stöckel überqueren, nachdem er kurz vor dem Zieleinlauf eine falsche Abbiegung genommen hatte. Den Erdwall überquert, die Tauber vor Augen, war es für Stöckel ein schier unbeschreibliches Gefühl, als bereits in einiger Entfernung nach einer Kraftstrecke von 100 Kilometern endlich seine Startnummer und sein Name durchgesagt wurden.
Am Ende benötigte der Athlet 14:15:29 Stunden. In seiner Altersklasse M25 erzielte er den 5. Platz. In der Gesamtwertung erreichte Stöckel in seinem beachtenswerten Ultramarathon-Debüt unter 109 Teilnehmern den 95. Platz.
Gefragt danach, warum sich Paul Stöckel einer solch extremen Herausforderung stellte, erklärt er am Rande des Wettkampfs: „Ich wollte mein Training auf ein neues Level bringen und mir selbst beweisen und herausfinden, wie weit ich Körper und Geist bringen kann.“ Aufgeben war während der mehr als 14 Stunden nie eine Option, auch wenn er offen einräumt, dass 100 Kilometer nicht seine „Komfortzone“ sind. Oder wie er selbst formuliert: „Ich bin durch Höhen und Tiefen gelaufen, begleitet von Dämonen, die mir sagten: ‚Reicht doch langsam, gib auf‘.“ Doch am Ende siegte der Wille, das Ziel zu erreichen. Chapeau!