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  • Do., 03. September 2026, 09:10 Uhr
    KICKBOXEN: Interview mit Maximilian Tratter (19) aus Worms über Kampfsport, internationale Wettkämpfe und den Alltag zwischen Abitur, drei Jobs und Leistungssport

    „Ich lebe für meinen Sport – und dafür muss ich auf vieles verzichten“

    Maximilian beim Pointfighting Kampf in Budapest in diesem Jahr. Es ist eine Disziplin beim Kickboxen, wobei nur klare und saubere Treffer gewertet werden.
    Foto: Sabine Tratter

    Nibelungen Kurier: Maximilian, du bist gerade einmal 19 Jahre alt und blickst bereits auf eine ungewöhnliche sportliche Karriere zurück. Wie hat alles angefangen?

    Maximilian Tratter: Tatsächlich hat alles schon sehr früh angefangen. Ich habe mit zweieinhalb Jahren mit Kampfsport begonnen. Mittlerweile betreibe ich den Sport seit rund 17 Jahren. Was damals als Hobby begonnen hat, ist inzwischen mein Lebensmittelpunkt geworden. Ich habe schon als Kind gemerkt, dass mir der Sport unglaublich viel bedeutet und dass ich mich darin immer weiterentwickeln möchte.

    Nibelungen Kurier: Was fasziniert dich am Kampfsport bis heute?

    Maximilian Tratter: Für mich ist Kampfsport viel mehr als nur Kämpfen. Gerade der Formenbereich verbindet Sport und Kunst. Es geht um Technik, Präzision, Athletik, Ausdruck und Perfektion. Gleichzeitig lernt man unglaublich viel über Disziplin und sich selbst. Man muss bereit sein, immer wieder an seinen Schwächen zu arbeiten und darf sich nie darauf ausruhen, etwas bereits gut zu können.

    Nibelungen Kurier: Du gehörst inzwischen zu den besten Formen-Sportlern Europas. Wie weit hat dich dein Weg bereits geführt?

    Maximilian Tratter: Ich durfte in den vergangenen Jahren bei Wettkämpfen auf der ganzen Welt antreten. Ich war unter anderem in den Niederlanden, Deutschland, Irland, England, Griechenland, Kroatien, Ungarn, Schweiz, der Türkei und den USA. Bei vielen dieser Turniere konnte ich auch Titel gewinnen. Aktuell stehe ich in der WAKO-Weltrangliste auf Platz 11.

    Nibelungen Kurier: Welche Erfolge sind dir besonders wichtig?

    Maximilian Tratter: Besonders stolz bin ich auf meine Ergebnisse bei den großen internationalen Turnieren. 2025 wurde ich Vize-Weltcup-Sieger in Budapest. 2026 konnte ich beim World Cup in Antalya ebenfalls den zweiten Platz erreichen. Beim US Open 2026 wurde ich Vize-Champion in der Amateurklasse. Außerdem trete ich regelmäßig in den Profiklassen in den USA an. Dort gegen die besten Athleten der Welt anzutreten und zu merken, dass ich mithalten kann, ist für mich eine besondere Motivation.

    30 Stunden Training pro Woche

     

    Nibelungen Kurier: Wie sieht dein Training aus?

    Maximilian Tratter: Mein Trainingspensum liegt bei ungefähr 30 Stunden pro Woche. Dazu gehören mein eigentliches Formen- und Kampfsporttraining, Krafttraining im Gym und Laufeinheiten. Gerade Ausdauer und Athletik sind für meinen Sport sehr wichtig. Ich trainiere im Grunde jeden Tag und versuche, jede Einheit gezielt zu nutzen.
    Nibelungen Kurier: Das klingt nach einem Vollzeitjob. Gleichzeitig hast du gerade erst dein Abitur am Rudi-Stephan-Gymnasium gemacht und warst zwei Jahre lang Stadtschülersprecher.

    Maximilian Tratter: Ja, und genau das war eine der größten Herausforderungen. Während meiner Schulzeit bin ich für Wettkämpfe regelmäßig um die Welt geflogen und musste gleichzeitig für Klausuren lernen, Abitur schreiben und trainieren. Das war nicht immer einfach. Ich musste sehr viel organisieren und meine Zeit genau einteilen. Jetzt, nach dem Abitur, habe ich zwar etwas mehr Freiheit, aber der Aufwand für den Sport ist trotzdem enorm.

    Nibelungen Kurier: Wie finanzierst du deinen Sport?

    Maximilian Tratter: Das ist wahrscheinlich einer der Punkte, über die man von außen am wenigsten nachdenkt. Internationaler Leistungssport ist teuer. Flüge, Hotels, Startgebühren, Ausrüstung und die gesamte Vorbereitung kosten viel Geld. Deshalb arbeite ich neben meinem Training in drei Jobs. Ich bin Trainer in der Black Box Sports Academy, arbeite in einem Hotel und zusätzlich bei der Gemeinde in Pfeddersheim.

    Nibelungen Kurier: Drei Jobs neben einem Trainingspensum von etwa 30 Stunden pro Woche?

    Maximilian Tratter: Ja. Es ist teilweise schon ein sehr voller Alltag. Ich muss Training, Arbeit, Reisen und alles, was organisatorisch dazugehört, unter einen Hut bekommen. Aber ich habe mich bewusst dafür entschieden. Wenn ich meinen Sport auf diesem Niveau betreiben möchte, muss ich auch bereit sein, etwas dafür zu tun.

    Nibelungen Kurier: Musst du dafür auf viel verzichten?

    Maximilian Tratter: Definitiv. Ich habe deutlich weniger Freizeit als viele andere in meinem Alter. Spontan mit Freunden etwas machen, abends lange weggehen oder einfach mal einen Tag nichts tun – das kommt bei mir eher selten vor. Wenn ich nicht arbeite, trainiere ich meistens oder bereite mich auf den nächsten Wettkampf vor. Dazu kommen Reisen und die organisatorische Arbeit. Aber für mich ist das kein Opfer, das ich bereue. Ich habe mich für diesen Weg entschieden, weil ich sehen möchte, wie weit ich damit kommen kann.

    Nibelungen Kurier: Und du organisierst deinen sportlichen Weg weitgehend alleine?

    Maximilian Tratter: Ja. Vieles mache ich selbst. Ich plane meine Reisen, kümmere mich um Wettkämpfe, Training, Organisation und meine sportliche Entwicklung. Auch beim Training bin ich häufig auf mich allein gestellt. Natürlich habe ich Menschen, die mich unterstützen, aber ich muss sehr viel Eigenverantwortung übernehmen. Gerade dadurch habe ich gelernt, mich selbst zu motivieren und auch dann weiterzumachen, wenn gerade niemand danebensteht.

    Training, Arbeit und Leidenschaft


    Nibelungen Kurier: Du bist inzwischen nicht nur Sportler, sondern auch Trainer und Unternehmer.

    Maximilian Tratter: Genau. Ich gebe mittlerweile Seminare in Deutschland und bringe dort meine Erfahrungen aus dem internationalen Wettkampfsport weiter. Außerdem habe ich begonnen, mir mit einer eigenen Kleidungsmarke und Online-Coaching ein kleines eigenes Unternehmen aufzubauen. Ich bin erst 19 Jahre alt, aber ich möchte nicht darauf warten, dass irgendwann alles von alleine passiert. Ich möchte mir selbst etwas aufbauen, das mit meinem Sport verbunden ist.

    Nibelungen Kurier: Wenn du deinen Alltag mit drei Worten beschreiben müsstest?

    Maximilian Tratter: Training, Arbeit und Leidenschaft.

    Nibelungen Kurier: Und wenn du heute noch einmal vor deinem zweieinhalbjährigen Ich stehen würdest, das gerade mit Kampfsport beginnt – was würdest du ihm sagen?

    Maximilian Tratter: Ich würde ihm wahrscheinlich sagen: „Mach weiter.“ Damals hätte ich nie gedacht, wohin mich dieser Sport einmal bringen würde. Ich bin um die Welt gereist, habe Menschen aus vielen Ländern kennengelernt, große Wettkämpfe bestritten und unglaublich viel erlebt. Und ich habe das Gefühl, dass das erst der Anfang ist.

     

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