Von Handy-Verstößen bis zum tödlichen Unfall: Polizeiinspektion Worms informierte Zahlen der Verkehrslage 2014 und präsentiert Trends für 2015 / Appell, Rücksichtnahme und Kontrollen
„Ich spiele doch nur Tetris!”
Das Problem ist bekannt. Aktuell laufen Gespräche zwischen der Stadt und dem zuständigen Landesbetrieb Mobilität als Baulastträger, um den Kreisverkehr nach Ende der provisorischen Regelung durch einen Ausbau in der Alzeyer Straße sicherer zu gestalten. Archivfoto: Steffen Heumann
VON STEFFEN HEUMANN Es mutet eher zum Schmunzeln an, aber was die Beamten der Polizei-Fahrradstreife bei der Ahndung von Handy-Verstößen im Gebiet der Polizeiinspektion Worms (PI) erleben, ist Realität im Alltag. Etwa 1.600 Kontrollen haben Rafael Scholz und sein Kollege Michael Hartmann im Zeitraum von März bis Oktober vergangenen Jahres durchgeführt. Ein Drittel der Autofahrer verzichtet statistisch nach wie vor aus das Anschnallen mit dem Gurt. Die Dunkelziffer sei hoch und die Wahrheit kommen oftmals erst bei der Unfallaufnahme ans Licht, erklären Scholz und Hartmann.
Auffallend sei auch die Vielzahl und Zunahme an Handy-Verstößen. „Nicht etwa die typischen Telefonate”, ergänzt Rafael Scholz. „Ich habe doch nur Tetras gespielt”, entschuldigte sich ein Autofahrer. Dieser und viele andere Verkehrsteilnehmer verkennen, dass der Gesetzgeber jedwede Nutzung des Mobiltelefons untersagt. Mal eben eine SMS zu versenden, sei ebenfalls nicht unüblich. „Eine Belehrung fruchtet meistens, die Betroffenen sind einsichtig”, so das Fazit der beiden Beamten.
Mehr Unfälle mit Todesfolge
Dramatischer wirkt sich ein Fehlverhalten in der Gesamtübersicht der Unfallentwicklung im Bereich der Polizeiinspektion Worms (mit der Stadt Osthofen, sowie den Verbandsgemeinden Eich und Monsheim) aus. Die Gesamtzahl der Verkehrsunfälle sank leicht von 3.165 um 73 auf 3.091 - innerstädtisch in Worms sogar um 97 auf 2.660 Fälle. Einen Anstieg um 5 auf 78 wurde bei Unfällen mit schwerem Personenschaden registriert. Unfälle mit Todesfolge seien sogar von vormals 3 auf 6 Personen gestiegen. Um 48 Prozent, von 39 auf 58 Fälle, erhöhten sich Personenschadensunfälle mit motorisierten Zweirädern. Auch Radfahrer sind immer mehr in Unfälle involviert (ein Plus von 41,54 Prozent von 65 auf 92 in 2014).
Vorschriften beachten und Folgen bedenken
Hauptkommissar Detlef Linke, der das Erstellen des Verkehrslagebildes koordiniert, fast die Zahlen zusammen. „Die Vorschriften und die Folgen der Missachtung werden nicht bedacht”. Grundsätzlich könne aber jeder Unfall und jeder Verletzte vermieden werden. Dietmar Haller, stellvertretender Leiter der PI unterstreicht besonders mit Blick auf die Jahreszeit: „Die Sichtbarkeit im Straßenverkehr ist ein entscheidendes Kriterium”. Sein Appell vor allem an Fußgänger und Radfahrer: „Dunkle Kleidung vermeiden!” Dass vermehrt Radfahrer in Unfälle verstrickt seien, schreibt Haller der zunehmenden Attraktivität des Radfahrens zu. Die Elektromobilität unter den Radfahrern, wie auch die Geschwindigkeiten steigen, nennt der Beamte weitere Ursachen.
Gegenseitige Rücksichtnahme
Bürgermeister Hans-Joachim Kosubek, selbst Radfahr-Fan, mahnte dann auch seine Mitstreiter, die „Position des Guten” zu Lasten des Autofahrers nicht auszunutzen. Mit Blick auf Gefahrenschwerpunkte, wie etwa den Kreisverkehr gellte auch hier der Appell der gegenseitigen Rücksichtnahme. Bei der Ausfahrt aus dem Kreisel nicht zu blinken erhöhe die Unfallgefahr und schade der Leichtigkeit des Verkehrs, weiß Dietmar Haller. Alkohol und Drogen, aber auch Medikamenteneinfluss seien immer wieder ein Thema, führte Haller weiter aus. Die Zahl der erkannten Verkehrsunfälle stieg im Inspektionsbereich von 79 um 4 auf 83 an.
Mit 4 Promille noch standfest
Zwei Promille seien nicht außergewöhnlich, aber es gäbe auch hochgradig Alkoholisierte, die mit 4 Promille noch gerade stehen und meinen, fahrtüchtig zu sein, wie die Beamten der PI berichten. Der Missbrauch von Drogen sei schwerer zu erkennen, die Kontrollen aufwendiger und daher Schulungen notwendig. Dieter Hermann, Leiter der Wormser Verkehrsbehörde, erläuterte, dass die absoluten Zahlen immer noch auf einem hohen Niveau liegen. Um 16 Prozent auf 174 Fälle seien die Maßnahmen gegen Alkoholdelinquenz gestiegen. Entsprechende Maßnahmen zur Verfolgung von Trunkenheitsfahrten oder unter Drogeneinfluss bin zur Unterbindung des Fahrtantritts würden durch die Ordnungsbehörde vorgenommen. Ein Großteil der Drogenskonsumenten sie bereits erfasst.
Unfallentwicklung überwiegend positiv
Die Unfallentwicklung im Bereich der Polizeiinspektion Worms fällt aufgrund der leicht gesunkenen Gesamtunfallzahlen überwiegend positiv aus. Allerdings spiegeln die Zahlen nicht die über Jahre hinweg geleistete gute Verkehrssicherheitsarbeit wieder, so die Bilanz am Mittwoch. Die gleichbleibend hohe Anzahl der Unfälle unter Beteiligung junger Fahrer wie auch die gestiegenen Zahlen unter der Beteiligung von Senioren erfordern eine erhöhte Aufmerksamkeit – ebenso die weiterhin hohe Zahl an Unfällen unter dem Einfluss von Alkohol und Drogen. In der Tendenz für das Jahr 2015 sei ein Anstieg der Unfallzahlen zu erkennen und bislang auch an Rückgang an Unfällen mit Todesfolge. Bei Unfallfluchten und den sogenannten „Parkplatzremplern” zeichneten sich ebenfalls geringere Fallzahlen ab. „Aber auch die Aufklärungsquote sinkt”, befürchtet Dietmar Haller als stellvertretender Leiter der PI Worms, dass die Kollegen noch ein paar Jahre lang eine Talsohle durchschreiten müssen, ehe die Kräfte wieder für originäre Polizeiaufgaben gebündelt werden können. „Eine Tatsache, die der Politik bekannt ist”, so Dietmar Haller.