
VON FLORIAN HELFERT Mit zwei Jahren ist Maxim Juschak aus der Ukraine nach Deutschland gekommen. Hier aufgewachsen, ist ihm Patriotismus nach eigenen Angaben eigentlich fremd. Doch seine Welt ist wie für so viele Menschen mit ukrainischen Bezügen oder Wurzeln aus den Fugen geraten.
„Putins Propaganda über Faschismus und Genozid verhöhnt den gesunden Menschenverstand“, stellte Juschak als Redner auf einer Kundgebung vor dem Wormser Rathaus fest. Und das, was Putin als Faschismus diffamiere, sei Liebe zu den eigenen Kindern und Nachbarn, Nächstenliebe, die bereit sei, zu kämpfen und einen höheren Preis zu zahlen. „Einen sehr hohen Preis, mehr als das, was wir tun“, so Juschak weiter.
Was das heißt, führte auch Irina Stärke am Sonntag vor Augen. „Unsere Männer stehen tapfer. Ich bedanke mich bei jedem, der den Posten hält und im Krieg kämpft“. Zugleich flehte sie um Hilfe für die Ukraine. Erst wenige Tage vor Kriegsbeginn Patentante eines russischen Kindes geworden, erinnerte sie aber zugleich daran, dass Russland nicht mit Putin gleichzusetzen sei. „Bitte öffnet die Augen“, wendet sie sich an das russische Volk.
Maxim Juschak bewundert ausdrücklich den Mut all jener, welche in Russland gegen Krieg und Unrecht demonstrieren oder sogar namentlich offene Briefe oder oppositionelle Nachrichten schreiben. „Ihr alle, die Ihr in Russland unter diesem Unrechtsstaat leidet: Wir fühlen mit euch, diese Tyrannei wird bald enden!“
Angespannt und voller Sorge verfolgt auch Rolf Konersmann aus Eich, bekannt als Vorsitzender des Vereins S.O.S. '86-Kinder von Tschernobyl, mitsamt seiner Familie Nachrichten aus und über die Ukraine: „Wir stehen mit vielen Bekannten in Kontakt, die weiterhin in Kiew ausharren und große Angst haben. Andere sind seit Tagen auf der Flucht – allerdings nur die Frauen, da Männer zwischen 18 und 60 angehalten sind, zur Verteidigung zu bleiben. Wir hoffen inständig, dass dieser Krieg schnell ein Ende findet“, so Konersmann in einer Stellungnahme.
Gisela Ebling aus Worms zeigt sich über die Aggression Putins ebenfalls bestürzt. „Wir sehen die weinenden Menschen aus der Ukraine, die die Grenzen ihrer Nachbarländer in großer Angst überschreiten. Ich weine mit ihnen“. Die Organisatorin von Konzerten und langjährige Lebenspartnerin Maciej Lukaszczyks, welcher zu Lebzeiten als Pianist und Gründer der Chopin-Gesellschaft zwischen Ost und West Brücken schaffen wollte, appelliert an die Menschen in Russland „mit uns in Freiheit und Demokratie, Frieden, Freundschaft und im Miteinander zu leben“ – und sich somit dem System Putins zu entziehen.
SPD-Vorsitzende Maria Unterschütz, von 1996 bis 2001 in Kiew und nun in Worms lebend, ist über den Einmarsch erschüttert. Aus ihrer Zeit in der Ukraine weiß sie, wie stark Ukrainer ihrem Land und ihrer Unabhängigkeit verbunden sind. Prägnant verdeutlicht dies unter anderem ein russische Soldaten „willkommen“ heißendes Plakat in Kiew: „Auf Euch warten Kugeln statt Blumen“. Krieg ist ein Akt der Gewalt und eine Stunde blutet in die nächste hinüber.
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