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  • Mo., 21. Januar 2019, 15:10 Uhr
    Großbrand im Nibelungencenter: 800.000 Liter Wasser und 2.000 Liter Schaummittel zum Löschen notwendig / Brandursache noch ungeklärt

    Immense logistische Herausforderung

    Blick auf das durch Feuer durchlöcherte Dach des Nibelungencenters.


    Pechschwarze Bitumenspuren an den Außenmauern zeugen heute, zwei Tage nach dem Großbrand im ehemaligen Wormser Nibelungencenter, von den Ausmaßen des verheerenden Feuers. Das Bitumen, als Dachaufbau auf dem Gebäudekomplex verbaut, verwandelte sich bei dem Brand in flüssiges Öl - und heizte das kilometerweit sichtbare Inferno am Wormser Nachthimmel an. Auch jetzt liegt der unverkennbare Geruch noch in der Luft. Das Material der Einsatzkräfte wies nach der Nacht ebenfalls deutliche Spuren der Masse auf.

    Doch welche logistischen Herausforderungen stecken hinter der Bewältigung eines solches Großbrandes, gegen den über eine ganze Nacht hinweg 150 Einsatzkräfte kämpften? Und dies auch noch bei Minusgraden? „Ein Einsatz wie dieser mündet in der Regel in einer Materialschlacht“, erläutert Stadtfeuerwehrinspekteur Klaus Feuerbach. Denn da die Feuerwehrkameraden die Brandursache nicht ausmachen und das Feuer zudem nicht von innen bekämpfen konnten, blieb nur der Außenangriff. Doch die Öffnungen in das Gebäude waren bis spät in die Nacht zu klein, um den Löschschaum gezielt einzubringen. „Die Werkfeuerwehr von Evonik hat uns deshalb ihre neue, hochmoderne Drohne zur Verfügung gestellt“, berichtet der Stadtfeuerwehrinspekteur. Mithilfe der Drohne wollten die Feuerwehrleute die Öffnungen im Dach von oben ausmachen, um das Feuer gezielt bekämpfen zu können. Die Drohne ist zudem mit einer Wärmebildkamera ausgestattet, die Temperaturunterschiede sichtbar macht.

    Drei Drehleitern und ein Gelenkmast im Einsatz

    Die Einsatzleitung forderte zusätzlich den Teleskop-Gelenkmast mit Arbeitsbühne von Evonik an, um den Brand über das Dach zu bekämpfen. Nach dem Brand weist das Dach nun große Löcher auf, durch die sich das Feuer hindurchgefressen hat. Insgesamt waren drei Drehleitern und ein Gelenkmast nötig, um das Feuer einzudämmen. Die Feuerwehrleute hatten den Einsatzbereich in zwei Abschnitte eingeteilt: Sowohl von der Schönauer Straße aus, die die ganze Nacht gesperrt blieb, als auch über die Gerbergasse starteten sie Löschangriffe. Neben den beiden Drehleitern der Wormser Feuerwehr und der Evonik-Werkfeuerwehr stellte auch die Feuerwehr Frankenthal eine Drehleiter mit Besatzung.

    Das Feuer setzte zudem Gase frei, die sich über weite Teile des Stadtgebiets verbreiteten – bis in die Stadtteile Hochheim und Herrnsheim. Mit den Mess- und Spürfahrzeugen (CBRN-Erkunder) aus Worms, Ludwigshafen und Speyer fuhren die Kameraden die ganze Nacht die betroffenen Stadtbereiche ab, um Messungen durchzuführen. Ein innerstädtisches Seniorenheim meldete zudem eine starke Geruchsbelästigung in den Räumlichkeiten: Dort nahmen die Spezialisten Luftproben, um sie zur Auswertung nach Ludwigshafen in ein Fachlabor zu schicken. Dank der Warnung über „Katwarn“ konnten einige Teile der Bevölkerung bereits frühzeitig erreicht und aufgefordert werden, Türen und Fenster geschlossen zu halten.

    Witterung machte den Einsatzkräften zu schaffen

    Doch auch die Witterung machte den Einsatzkräften zu schaffen. In der Nähe des Feuers entwickelten sich extreme Temperaturen; die Arbeit unter Atemschutz und Sicherheitskleidung bedeutet enorme körperliche Belastungen. Rund um die Einsatzstelle herrschten jedoch Minustemperaturen, die das Löschwasser gefrieren ließen und das Gebiet in eine Rutschbahn verwandelten. Der Entsorgungs- und Baubetrieb streute den Bereich immer wieder ab, um die Unfallgefahr für die Einsatzkräfte zu verringern. Doch auch das Material litt unter den Temperaturen: Das Schaummittel flockte aus, einige Schaumzumischer froren zudem ein. Um die Wasserversorgung auch über einen längeren Zeitraum sicherzustellen, wurde die Löschwasserkomponente aus den Stadtteilen Abenheim und Pfeddersheim angefordert. EWR schaltete zudem die Stromversorgung in dem Gebäudekomplex ab.

    Statische Untersuchungen noch während der Löscharbeiten

    Aufgrund der starken Hitzeentwicklung im Inneren des Gebäudes wurden statische Untersuchungen noch während der Löscharbeiten erforderlich. Auch diese erfolgten mit modernstem technischem Gerät des THW Landau. Mithilfe eines so genannten Einsatzstellen-Sicherungssystems (ESS), bestehend aus Tachymeter, Stativ und einem Rechnersystem mit Datenübertragung über Funk, können frühzeitig kleinste Bewegungen – hier des Mauerwerks – ausgemacht werden. Wenn Gebäudeteile einzustürzen drohen, werden die statischen Schwachstellen farblich gekennzeichnet und nummeriert. Die markierten Schwachstellen dienen über Spiegelprismen dem ESS als Messpunkte. Die einzelnen Messpunkte werden in den Computer eingegeben und gespeichert. So kann das ESS mithilfe eines Lasers die gefährdeten Bereiche permanent und automatisch überwachen. Diese Maßnahme war nicht nur erforderlich, um die Einsatzkräfte, sondern auch, um Anwohner in den gegenüberliegenden Wohnhäusern zu schützen. „Das System zeigt auch Löscherfolge an. In diesem Fall konnten wir beobachten, dass sich die Wand durch das Abkühlen nach dem Brand wieder zurückzog“, erklärt Klaus Feuerbach. 800.000 Liter Wasser und 2.000 Liter Schaummittel waren nötig, um das Feuer zu löschen.

    Bei einem Einsatz dieser Dauer muss auch die Kraftstoffversorgung gesichert sein. Das THW Worms lieferte deshalb eine mobile Tankstelle an. Und auch um die Versorgung der Einsatzkräfte kümmerte sich das THW. Zum Aufwärmen gab es Heißgetränke und Essen (Schnitzelbrötzchen und Bohnensuppe), der Abrollbehälter Besprechung diente als Aufenthalts- und Aufwärmraum. Die freiwillige Feuerwehr Alzey stellte zudem weitere Atemschutzgeräte zur Verfügung. Um etwaige Verletzte schnellstmöglich versorgen zu können, stand die SEG Sanität des DRK mit 13 Helfern bereit.

    Weiter in die Ausbildung und Ausstattung der Feuerwehr investieren

    Alleine aus dem Wormser Stadtgebiet waren die Berufsfeuerwehr mit zehn Mann, der A- und der B-Dienst, die Einheit Stadtmitte mit 18, Herrnsheim mit 21 Personen sowie Abenheim und Pfeddersheim mit 33 Kameraden vor Ort. Wiesoppenheim - Horchheim sicherte den Stadtschutz in der Hauptfeuerwache mit acht Einsatzkräften, die Einheiten Rheindürkheim und Heppenheim wurden für Folgeeinsätze oder einen länger anhaltenden Personalbedarf in Reserve gehalten. „Dieses unermessliche Engagement der zum großen Teil freiwilligen Einsatzkräfte kann man nicht genug würdigen. Doch auch allen hauptamtlichen Mitarbeitern, die bei diesem kräftezehrenden Einsatz ihren Beitrag geleistet haben, gilt mein Dank. In einer Nacht wie dieser zeigt sich, dass wir den einzig richtigen Weg bestreiten, wenn wir weiter in die Ausbildung und Ausstattung unserer Feuerwehr investieren. Außerdem können wir einmal mehr stolz auf unser Wormser Modell sein, das wieder hervorragend funktioniert hat“, betont Oberbürgermeister Michael Kissel.

    Die Ursache für den Brand in dem früheren Einkaufscenter ist indes noch unklar. Brandstiftung kann ebenfalls nicht ausgeschlossen werden.

    THW unterstützt umfangreich die Feuerwehr

    Um 21.34 Uhr wurde am Samstagabend durch die Feuerwehr-Leitstelle die erste Alarmierung für das THW-Worms abgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war die Logistik Gruppe „Verpflegung“, die die Schnelle Einsatzgruppe-Verpflegung für die Stadt Worms zur Verfügung stellt, in den Einsatz gerufen worden. Deren Einsatzauftrag lautete zunächst nur Heißgetränke am Einsatzort für die, bis dahin ca. 50 Einsatzkräfte, bereit zu stellen. Da sich das Feuer aber immer weiter ausbreitete und dann auch noch durchzündete, musste der Einsatz personell stark hochgefahren werden. Über die ganze Nacht hinweg wurden die ca. 150 Einsatzkräfte dann vom THW mit Heißgetränken, Schnitzelbrötchen und einer deftigen Gemüsesuppe mit Siedewurst versorgt. Am Morgen wurde dann noch ein Frühstück in der Hauptfeuerwache den Einsatzkräften gereicht. An Heißgetränken wurden ca. 40 Liter Tee und 90 l Kaffee ausgeschenkt. Weiter wurden ca. 500 Brötchen, 70 Schnitzel, 60 l Gemüsesuppe, 200 Siedewürstchen und Hausmacher-Wurst gereicht. Außerdem wurde den Einsatzkräften mit dem Einsatzcontainer „Betreuung“ kurzweilig ein warmer Raum geboten, um sich aufzuwärmen. Eine wichtige Aufgabe, damit die Einsatzkräfte in der doch klirrend kalten Nacht bei Kräfte blieben.

    Zeitgleich zur Logistik-Gruppe wurde der Baufachberater vom THW-Worms alarmiert. Er hatte die Aufgabe die Gebäudesicherheit zu prüfen und somit sicherzustellen, dass keine Gefahr durch einstürzende Gebäudeteile für die Feuerwehrleute ausgeht. Um hier ganz sicher zu gehen, wurde nicht nur der Baufachberater vom THW Worms eingesetzt, sondern auch der Baufachberater des THW-Frankenthal und zusätzlich das THW-Landau, das mit dem Spezialgerät ESS, Einsatzstellen-Sicherungssystem (Electronic-Safety-System), anrückte. ESS siehe Infokasten. Somit war mit größtmöglicher Sorgfalt für die Sicherheit der Feuerwehrleute gesorgt.

    Zwischendurch sind die beiden Bergungsgruppen an der Einsatzstelle in Bereitschaft einberufen worden. Sie sollten im Bedarfsfalle die Feuerwehr im Bereich schwerer Atemschutz unterstützen. Was allerdings durch den fortschreitenden Feuerausbruch nicht mehr nötig wurde. Das THW hat die ganze Nacht über die Feuerwehrgerätschaften mit Treibmittel für die Pumpen, Stromaggregaten und Fahrzeugen versorgt. In der Spitze des Einsatzes waren 39 THW Helfer aus Worms, Frankenthal und Landau im Einsatz. Nach nur wenigen Stunden Schlaf am Sonntagmorgen wurden die Helfer der Eigentumssicherung um 10.20 Uhr erneut zur Einsatzstelle gerufen. Es musste sichergestellt werden, dass ein Fremdzutritt zum Gebäude nicht mehr stattfinden kann. Dabei wurden vier Stahltüren notverschlossen. Am Tag darauf wurden im Auftrag der Polizei weitere zwei Türen und eine Feuerleiter gegen Fremdzutritt gesichert.

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