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  • Di., 29. Dezember 2020, 22:38 Uhr
    Mobilitätskonzept für WORMS: Die Verbände ADFC, BUND, NABU und VCD nehmen Stellung zu Problemen der Mobilität

    „In Worms wird motorisierter Individualverkehr bevorzugt behandelt“

    Die Abstimmung der Taktungen  von Bussen und Zügen müsste laut Verbänden noch optimiert werden. Foto: Robert Lehr


    VON ROBERT LEHR | Nachdem die Bürgerbefragung zur Erstellung eines Mobilitätskonzeptes für die Stadt Worms längst beendet ist, fordern ADFC, BUND, NABU und VCD die Präsentation ihrer Ergebnisse zur weiteren Gestaltung der Mobilität in der Nibelungenstadt. Die Verbände versprechen sich laut einer gemeinsamen Pressemitteilung „endlich eine Weichenstellung hin zu einer Verkehrswende in unserer Stadt“.

    In der Pressemitteilung nehmen sie zu Punkten der Befragung gesammelt Stellung, wobei die Verbände wohl wissen, dass dies keinen Einfluss mehr auf deren Auswertung habe. 

    Als „Präambel“ haben die Verbände ihren Kommentaren ein Zitat des „Wuppertal-Institutes“ aus dem Oktober 2020 vorangestellt: „Die Treibhausgasemissionen im Verkehr stagnierten in den letzten 30 Jahren auf hohem Niveau. Für durchschlagende Erfolge in Richtung Klimaneutralität ist es unumgänglich, den motorisierten Individualverkehr deutlich zu reduzieren, die verbleibenden Mobilitätsbedarfe soweit wie möglich auf den Umweltverbund aus Fuß- und Radverkehr sowie öffentlichem Verkehr zu verlagern und die Effizienz der Verkehrsmittel deutlich zu verbessern“.

    Dabei nehmen die Verbände zum einen Stellung zu den direkten Fragen zur  Mobilität und in einem zweiten Teil zu den Empfehlungen des von der Stadt beauftragten Konzeptes des Fachbüros Habermehl & Follmann im April 2019, deren Vorstellung ebenfalls ein Teil der Bürgerbefragung war. Der NK wird die Kommentare zu den konkreten Empfehlungen des Fachbüros im nächsten NK präsentieren.

    Bus- und Bahnverkehr
    Zunächst geht es um den Bus- und Bahnverkehr in Worms (ÖPNV). Während die Bahnanschlüsse der Hauptstrecke Mannheim–Mainz mit ihrer 30-Minuten-Taktung akzeptabel seien, müssten sie in den Richtungen Biblis/Bensheim und Alzey/Bingen angepasst werden.

    Ein weiteres Problem sehen die Verbände in den Preisen für Einzelfahrten. Erst ab Monats-/Jahreskarte werde DB-Fahren „erschwinglich“. Für Bus und Zugfahrt sei allerdings mindestens ein 365-Ticket zur ÖPNV-Intensivierung unumgänglich. Noch besser wäre eine Finanzierung des ÖPNV sollte analog zu den EBWO-Kosten durch allgemeine Abgaben erfolgen; die jeweilige Nutzung könnte dann „kostenfrei“ sein. Nur so lasse sich ein Um- und Aussteigen vom eigenen PKW auf den ÖPNV schaffen.

    Busverbindungen, Taktung und Genauigkeit müssen auch mit dem Bahnangebot in Worms optimiert werden. Eine für Worms spezialisierte Stelle in der Verwaltung für Worms in Form eines Mobilitätsmanagers, der/die mit VRN/Bahn auf Augenhöhe kommuniziert, plant und Vertragsverhandlungen führt, sei unumgänglich. 

    Motorisierter Individualverkehr
    Worms sei dem Papier nach eine Stadt, in der der motorisierte Individualverkehr (MIV) bevorzugt behandelt werde. Eine gerechtere Verteilung der knappen Ressource „Fläche“ auf alle Verkehrsteilnehmer müsse angestrebt werden. So würden 2-stellige Millionenbeträge jährlich in die Sanierung und Neubau des Straßenbaus investiert (ca. 10 Mio.), um dem Autofahrer das Fahren in der (Innen-) Stadt weiter zu erleichtern. Jede „Erleichterung/Verbesserung“ produziere aber zusätzlichen Verkehr.

    Dadurch habe sich der MIV in der Innenstadt in den letzten Jahrzehnten deutlich erhöht. Heute seien ca. 80.000 Autos (inkl. LKW und Firmenfahrzeugen) in Worms gemeldet. Knapp 2/3 der Wormser nutzten laut der Verbände das Auto für innerstädtische Fahrten bis 5 km.

    Es gebe zu viel motorisierten Verkehr in der Innenstadt, der Radfahrer und Fußgänger gefährde. Eine Verkehrswende ohne signifikante Reduzierung des MIV um mindestens 50 Prozent bis 2030/2035 – auch unter Aspekten der zu erreichenden Klimaziele – sei nicht möglich. Weiterhin sei eine innerstädtische Geschwindigkeitsbeschränkung auf 30 km/h notwendig. Dies führe zu einer Lärmreduktion, der Erhöhung der Sicherheit sowie der Emissionsreduktion.

    Das Parken
    Parken ist in der Innenstadt für Einkaufende laut der Stellungnahme (zu) günstig, für Dauerparker (Arbeitende) fehle oft ein Angebot oder es sei zu weit vom Arbeitsplatz und/oder zu teuer. Hier könnten die Nutzung von Fahrrädern und ein attraktiver ÖPNV für Entlastung sorgen.

    Die Parkraum-Bewirtschaftung erzeuge jedes Jahr, so weit bekannt, ca. 1 Mio. Euro Verlust. Trotzdem würden Millionenbeträge in die „marode, kaputte, sanierungsbedürftige Parkhausinfrastruktur investiert“, die nur zu ca. 60 Prozent ausgelastet seien.

    Bei missachteten Parkverboten seien die Bußgelder für Verstöße zu gering, um abschreckend zu wirken.

    Das Parkraummanagement sollte überarbeitet werden: Demnach dürfe man nur noch in Parkhäusern parken und Verstöße sollen durch stärkere Kontrollen geahndet werden. Auch das Anwohnerparken mit 30,70 Euro pro Jahr sei ebenfalls viel zu billig.

    Durch weniger Autos und mehr Grün werde auch die Aufenthaltsqualität in der Innenstadt erhöht! 

    Das Fahrrad
    Ein Radwegenetz sei laut der Verbände zwar vorhanden, aber dieses sei sanierungsbedürftig, ausbaufähig und in Bezug auf Sicherheit und Komfort nicht zufriedenstellend. Ein Großteil innerstädtischer „Radwege“ sei in Form von „Schutzstreifen“ angelegt, die in vielen Fällen bei Radfahrern eher als Gegenteil gefühlt würden. Eine Trennung zwischen Rad und motorisiertem Verkehr gibe es nicht.

    Auch die Radverkehrsführung vom Rand der Innenstadt bis zum Zentrum ist oft mangelhaft. Die „Radschutzstreifen“ und die Führung durch Kreisel böten insbesondere für „un­sichere“ Radfahrende keine gute Lösung.

    Fußgänger
    Für Fußgänger werde in Worms nicht zielgerichtet etwas getan. Problemfelder seien z.B. der Übergang Bahnhofsvorplatz/Gleis7 bekannt, aber eine Verbesserung werde nicht angestrebt. Die Ampelanlage am Marktplatz weise eine bis zu 4 Minuten Rot-Phase auf. Hier müsste eine Bestandsaufnahme mit Spezialisten und einem entsprechenden Maßnahmenkatalog erarbeitet werden.

     

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