Der Verein „Stationäres Hospiz Rheinhessen“ möchte in spätestens fünf Jahren im Raum Worms-Alzey-Oppenheim ein Hospiz mit 12 Betten realisieren
In Würde sterben können
Der neu gewählte Vorstand. Von links: Dr. Oswald Burkhard, Richard Grünewald, Jochen Putz, Eric Graetz, Eva Grünewald, Dr. Christoph Kern und Anne Fennel. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die Vorbereitungen zur Gründung des Vereins „Stationäres Hospiz Rheinhessen“ liefen schon seit einiger Zeit. Dabei wurde unter anderem das Hospiz in Bensheim besucht, um sich zu orientieren, wie man solch eine Einrichtung im südlichen Rheinhessen realisieren kann. Bisher firmierten 13 engagierte Personen unter dem Namen „Initiative stationäres Hospiz Rheinhessen.
Vereinsgründung am Mittwochabend
Am Mittwochabend war es dann soweit und der Verein wurde im Liebfrauensaal des WORMSER Kultur- und Tagungszentrums unter großer öffentlicher Beteiligung aus der Taufe gehoben. Spontan traten 84 Privatpersonen und vier Institutionen dem Verein bei. Nachdem die Satzung verabschiedet war, kam es zur Wahl des Vorstandes. Zum 1. Vorsitzenden wurde Dr. Christoph Kern aus Alzey gewählt. Der Wormser Onkologe Dr. Oswald Burkhard wird zukünftig 2. Vorsitzender sein. Frau Eva Grünewald komplettiert als Schatzmeisterin den engeren Vorstand. Alle drei wurden einstimmig gewählt. Zu den vier Besitzern wurden folgende Personen gewählt: Jochen Putz, Erik Graetz, Anne Fennel und Richard Grünewald.
Der Jahresbeitrag für Mitglieder sind 24 Euro, gerne aber mehr, so Richard Grünewald.
Realisierungsphase bis zu fünf Jahre
Richard Grünewald, einer der Initiatoren des Vereins, erläuterte in seinen Ausführungen, dass es bis zur Eröffnung eines Hospizes rund fünf Jahre dauern könne, er hoffe aber, dass es rascher gehe, etwa drei Jahre. Das Hospiz soll für schwerkranke Menschen, für die es keine Heilung mehr gibt, ein Ort sein, an dem sie in Würde sterben und von ihren Angehörigen Abschied nehmen können. Die regionale Zuständigkeit soll die Region Worms-Alzey-Oppenheim und der Donnersbergkreis sein. Hier lebten rund 250.000 Menschen und es existiere noch kein Hospiz. Das Hospiz solle nicht den Charakter eines Krankenhauses haben, sondern eher wie ein Hotel oder eine Pension sein. Die Bettenzahl soll zwischen acht und zwölf sein. Eine gute Erreichbarkeit mit öffentlichen Verkehrsmitteln und dem Auto müsse gegeben sein.
Finanzierung und Trägerschaft
Zur Finanzierung sagte Richard Grünewald, dass die Krankenkassen für solch ein Hospiz rund 95 Prozent der Kosten übernehmen, die restlichen fünf Prozent müssten über Spenden aufgebracht werden. Wie die Trägerschaft letztlich aussehe, darüber müsse später eine Entscheidung fallen. Denkbar sei die Gründung einer gemeinnützigen GmbH, aber auch die Trägerschaft durch einen Wohlfahrtsverband sei möglich.
Jetzt gehe es darum, ein Konzept für solch ein Hospiz im Verein zu kreieren. Am Ende dieser Überlegungen stehe auch die Frage nach einem geeigneten Gebäude. Dem Hochstift erteilte Richard Grünewald aus bautechnischen Gründen eine weitestgehende Absage. Er stelle sich eher ein privates Ambiente, vielleicht sogar im Grünen vor. Ein Ort, an dem die Strebenden ihre letzten Tage in Würde verbringen könnten. Abschließend betonte er, dass ein Hospiz keine Pflegeeinrichtung im Sinne eines Altersheim ist, sondern für Menschen auf ihrer letzten Etappe vor dem Tod sei.
Keine Konkurrenz zu mobilen Hospizhilfe
Alle Beteiligten betonten in ihren Ausführungen, dass das stationäre Hospiz keine Konkurrenz zu den mobilen Hospizhilfen sei, vielmehr handele es um eine Ergänzung. So könnten rund 20 Prozent der todkranken Menschen nicht Zuhause betreut werden und ihre letzten Tage dort verbringen, da sie etwa eine besondere Behandlung, etwa gegen starke Schmerzen, benötigten. Für diese Patienten sei ein stationäres Hospiz der richtige Ort.
Viele Mitglieder im Verein „Stationäres Hospiz“ sind daher auch in mobilen Hospiz- und Palliativeinrichtungen aktiv.
Alle Kräfte bündeln
Als wichtigen Schritt bezeichnete Kathrin Anklam-Trapp gegenüber dem NK die Gründung des Vereins „Stationäres Hospiz“. Die Region Worms-Alzey-Oppenheim benötige solch eine Einrichtung. Es sei positiv, dass inzwischen offen über das Thema „Sterben“ gesprochen werde und es nicht mehr tabuisiert wird. Aus beruflichen Gründen konnte sie am Mittwoch bei der Gründung leider nicht anwesend sein, möchte dem Verein aber rasch beitreten. Mit ihrem Verein „Unser Hochstift braucht Freunde“ habe sie die Themen Palliativmedizin und Sterbebegleitung ebenfalls angestoßen, nun gelte es das gesamte bürgerliche Engagement in diesem Bereich zu bündeln. In welchem Gebäude das Hospiz später einziehe, müssten Analysen und Überlegungen ergeben. Hier müsste die zweckmäßigste Lösung ausgesucht werden. Das Hochstift sei eine Option unter zahlreichen Varianten.