
Die Leitung einer Förderschule ist für Ursula Happ kein Neuland, leitete sie doch bereits die Albert-Schweitzer-Förderschule in Frankenthal. Am Wormser Geschwister-Scholl-Förderzentrum habe sie hauptsächlich der Umstand gereizt, dass die Schule ein verpflichtendes Ganztagsangebot habe, verriet die neue Leiterin der Geschwister-Scholl-Schule bei ihrem Antrittsbesuch bei Oberbürgermeister Michael Kissel. In Rheinland-Pfalz gebe es insgesamt nur zwei Förderschulen mit verpflichtendem Ganztagsangebot.
„Das Förderzentrum gehört zu meinen Lieblingsschulen“, räumte OB Kissel ein, denn: „Es ist beeindruckend zu sehen, wie die Lebenskarrieren dieser Kinder an einer solchen Schule ins Positive gehoben werden können.“ Nicht zuletzt aufgrund der besonderen Förderung in einer solchen Schule hat der Stadtchef zum Thema Inklusion eine differenzierte Meinung: Der Ehrgeiz der Eltern solle nicht über dem Wohl des Kindes stehen. In einer allgemeinbildenden Schule bestehe mitunter das Risiko, dass ein Kind mit Beeinträchtigung auf der Strecke bleibe und seine Leistungen als unzureichend empfinde, um ein Vielfaches höher als in einer Förderschule. Nichts desto trotz hätten beide Schulformen – die Schwerpunktschule und die Förderschule – ihre Berechtigung. Dies kann Ursula Happ nur bestätigen. „Für jedes Kind mit Beeinträchtigung müssen individuelle Entscheidungen getroffen werden“, betonte die erfahrene Pädagogin. Der Vorteil einer Förderschule liegt für sie jedoch auf der Hand: „Die Förderlehrer sind stets mit dem Herzen bei der Arbeit.“ Sie holten die Kinder tatsächlich dort ab, wo sie stünden und förderten ihre individuellen Stärken.
Schuldezernent Waldemar Herder weiß jedoch, dass Förderschulen häufig einen negativen Ruf haben. „Da sind oft Vorurteile im Spiel“, bedauert er. Veranstaltungen wie die Schulweihnachtsfeier zeigten jedoch deutlich, dass es an einer Förderschule genauso wie an allgemeinbildenden Schulen zugehe. „Wir besuchen immer sehr gerne die Weihnachtsfeier in der Geschwister-Scholl-Schule“, versicherten OB und Beigeordneter unisono.
Dass die Frankenthaler Ursula Happ nicht gerne haben ziehen lassen, weiß auch der Schuldezernent. Für ihre Arbeit in Worms verspricht er sich unter anderem, dass sie den „Glaubenskrieg“ zum Thema Inklusion ein wenig entzerren kann. Die Arbeit erschweren könnten der neuen Schulleiterin allerdings die aktuellen Diskussionen um das „Worms-Dauner Modell“, die die integrierte Förderung an Grundschulen vorsieht.
Für Ursula Happ ist Worms nicht fremd – im Gegenteil. Die gebürtige Lampertheimerin begann ihr Studium in der Nibelungenstadt, bevor es sie weiter nach Mainz und dann für ihr Referendariat in den Westerwald verschlug. Auch an der Förderschule in Osthofen hat Happ bereits unterrichtet. Worms ist ihre Heimat geworden, seit rund 30 Jahren lebt sie hier. „Und ich freue mich, dass ich nun auch Schulleiterin hier geworden bin“, erklärte sie lächelnd. Anlass zu Veränderungen an ihrer neuen Schule gebe es momentan nicht. „Mein Vorgänger Wolfgang Heuberger hat tolle Arbeit geleistet“, lobte sie.