IHK fordert in Worms den raschen Ausbau der Straßen und kritisiert den Verlust der Wettbewerbsfähigkeit durch Fachkräftemangel, hohe Energiepreise und fehlende Gewerbeflächen
Industrie lässt Alarmglocken schrillen
Das "Nadelöhr" an der B9 ist wie ein Flaschenhals, der den Verkehrsfluss hemmt. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Die IHK Rheinhessen hatte am Dienstag zu einem Pressegespräch über die Verkehrsinfrastruktur in Worms eingeladen. Die beiden Kernforderungen waren der zügige, vierspurigen Ausbau der B9 im Wormser Norden und die Verwirklichung der Südumgehung B 47 (neu) als Teil des Äußeren Rings. Beide Maßnahmen sollen nach Wunsch der IHK bis zum Jahr 2020 abgeschlossen sein.
Die Gesprächsteilnehmer am Pressetermin waren Michael Kundel (Vizepräsident der IHK Rheinhessen), Andrea Wensch (Geschäftsführerin der IHK Rheinhessen), Dr. Christian Lang (Geschäftsführer der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer), Bernhard Knoop (Leiter Landesbetriebes Mobilität Worms), Oberbürgermeister Michael Kissel sowie der Bundestagsabgeordnete Marcus Held (SPD).
Schwindende Wettbewerbsfähigkeit In seinem einführenden Statement nahm der Vizepräsident der rheinhessischen IHK, Michael Kundel, kein Blatt vor den Mund und sagte, dass er eher eine Verschärfung der Missstände in Worms befürchte als eine Abnahme. So hätten die Unternehmen in den vergangenen Jahren ständig ansteigende finanzielle Belastungen, wie die Steuererhöhung, hinnehmen müssen. Dies habe Investitionsentscheidungen häufig verhindert. Dazu kämen der wachsende Fachkräftemangel in Deutschland durch den Demographischen Wandel, was in anderen Industrieländer nicht der Fall wäre. Ein weiterer kritischer Faktor seien die hohen Energiekosten aufgrund der Energiewende. Ein großer Pluspunkt sei in Deutschland bisher immer die hervorragende Verkehrsinfrastruktur gewesen. Dieser Vorteil würde nun durch mangelnde Investitionen aufs Spiel gesetzt, zumal der Güterverkehr bis ins Jahr 2030 um 38 Prozent und der Pkw-Verkehr um 10 Prozent steigen soll.
BU: 2: Pressekonferenz. Von links: Bernhard Knoop, Michael Kissel, Andrea Wensch, Michael Kundel und Christian Lang. Foto: Gernot Kirch
Forderungen für Worms Im weiteren Verlauf kam Michael Kundel auf die konkrete Infrastruktur in Worms zu sprechen. Hier stellte er fest, dass die Nibelungenstadt durch die Entscheidung gegen das Gewerbegebiet „Hoher Stein“ kein Unternehmen nennenswerter Größe mehr ansiedeln könne. Das oberste Ziel der Stadt müsse daher sein, den Bestand an Unternehmen zu halten. Dazu sei eine funktionierende Verkehrsinfrastruktur überlebenswichtig. Unternehmen würden Standortentscheidungen nach rein betriebswirtschaftlichen Kriterien treffen. „Und wenn die Zusammenschau aller Rahmenbedingungen und Kostenfaktoren dazu führt, dass einem anderen Standort der Vorzug zu geben ist, dann wandert ein Unternehmen leider auch ab“, so Michael Kundel.
Seine zwei Kernforderungen waren der vierspurige Ausbau der B9, die mit täglich 24.000 Fahrzeugen bei einem Schwerlastanteil von fast 20 Prozent restlos überlastet sei. Andrea Wensch ergänzte hier: „So lange die B 9 und insbesondere der Engpass Bahnüberführung nicht vierspurig ausgebaut sind, wird sich die Stausituation auf der B 9 von Jahr zu Jahr verschärfen. Wir steuern an dieser Stelle des Wormser Stadtgebietes auf einen Verkehrskollaps zu!“
Genauso wichtig, so Michael Kundel, sei die Realisierung der Südumgehung B 47 neu. Derzeit fließe der gesamte Verkehr durch die Wormser Innenstadt, was zu regelmäßigen Staus führe. Sein Unverständnis brachte der Vizepräsident darüber zum Ausdruck, wie lange es in Deutschland von der Planung bis zur Realisierung von Infrastrukturprojekten dauere. So sei der Planfeststellungsbeschluss für die Südumgehung im März 2014 erst nach 44 Jahren Planungszeit erlassen worden und der Baubeginn sei immer noch offen.
Weitere Forderungen von Michael Kundel waren die Verwirklichung der Krankenhaustangente sowie der vierspurige Ausbau der Verbindungsstraße auf rechtsrheinischer Seite von der Rheinbrücke bis zur A 67 bzw. der A 5. Wobei Michael Kundel hier natürlich einräumte, dass diese Forderung an die entsprechenden Stellen in Hessen gehe.
Bedeutung der Infrastruktur Oberbürgermeister Michael Kissel zeigte sich dankbar, dass die Vertreter der IHK die Bedeutung der Infrastruktur herausstellten. Der Stadtchef betonte, welche Realisierungserfolge hier in den vergangenen Jahren erzielt werden konnten. So sei die zweite Rheinbrücke gebaut worden und die alte konnte komplett saniert werden. Auch komme der vierspurige Ausbau der B9 voran, wenn auch Schritt für Schritt. Wobei Verkehrsprojekte stets langfristige Vorhaben seien. Mit der Bahn sei jetzt bezüglich des „Nadelöhrs“, also der Bahnunterführung an der B9 auf Höhe des McDonalds Schnellrestaurants, eine Grundsatzübereinkunft für den vierspurigen Ausbau erzielt worden. Aber bei drei beteiligten Partner würde eine Realisierung Zeit brauchen. Ergänzend führte er aus, dass jetzt auch die Pläne für die Eisenbahnunterführung am Fahrweg zwischen Herrnsheim und der B9 auf dem Tisch lägen und die Stadt nur noch auf die Unterschrift der Bahn warte.
Südumgehung hängt an Berlin Bezüglich der Südumgehung B 47 neu erläuterte der Stadtchef, dass das Planfeststellungsverfahren abgeschlossen sei und man sofort mit dem Bau beginnen können, wenn die Finanzmittel vom Bund fließen. Dort würde aber gerade der Bundesverkehrswegeplan verhandelt, der für 2015 verabschiedet werden soll. Von diesem Ergebnis hänge es ab, ob und wann die Mittel für die B 47 neu fließen. Dies müsse man abwarten. Der Bundestagsabgeordnete Marcus Held (SPD) ergänzte hier, er wolle in Berlin nochmals Gespräche mit dem Minister führen und habe in eingeladen, denn es könne nicht sein, dass Gelder für den Straßenbau in erster Linie nach Bayern und Ostdeutschland gingen und Rheinland-Pfalz und Nordrhein-Westfalen benachteiligt würden.
Der Wunsch der IHK ist der rasche, vierspurige Ausbau der B9 auf der ganzen Strecke von Rheinbrücke bis Autobahnzubringer, wie hier auf einem Teilstück an der Petrus-Dorn-Straße. Foto: Gernot Kirch