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  • Mi., 17. März 2021, 20:15 Uhr
    TIEFGARAGE LUDWIGSPLATZ: Keine Entscheidung im Bauausschuss über Machbarkeitsstudie und Instandsetzung / Viele Fragezeichen hinter den Kosten / In nichtöffentlicher Sitzung Entscheidungsgrundlage schaffen

    Ingenieure haben jetzt das vorletzte Wort

    Zukunft ungewiss! Verfüllung der Sanierung. Die Entscheidung über das Schicksal der Tiefgarage ist erneut vertagt. Foto: Robert Lehr


    VON STEFFEN HEUMANN | Hätte sich der Bauausschuss in seiner Sitzung am Mittwoch gegen die Beauftragung einer Machbarkeitsstudie zwecks Sanierung der Tiefgarage Ludwigsplatz entschieden, wäre der Vorhang für das innerstädtische Parkaus wohl für immer gefallen. Dann wäre das teilmarode Betonkonstrukt für rund 5 Millionen Euro verfüllt worden. Die dann statisch belastbare Oberfläche hätte die Stadt letztlich nur für Veranstaltungen nutzen können. So aber plädierten die Ausschussmitglieder auf einen Vertagung der Entscheidung. Demnächst sollen in nichtöffentlicher Sitzung Experten darüber informieren, ob sich die Investition von 58.000 Euro in eine angebotene Studie lohnt, die als Entscheidungsgrundlage für eine Sanierung dienen könnte. Am Ende des Tages soll auch Klarheit darüber herrschen, wieviele viele Millionen Euro zur Rettung der Tiefgarage aufgewendet werden müssen. Geld, das der Stadt eigentlich nicht zur Verfügung steht. Das unkalkulierbare Risiko, ob sich zwischen den veranschlagten und tatsächlichen Kosten eine weitere Finanzierungslücke auftun wird, gibt es gratis.

    Abprüfen, ob Instandsetzung machbar ist

    „Es geht weder um eine Kostenschätzung noch um eine Kalkulation für die Sanierung“, erklärte Baudezernent Uwe Franz: Mit der Zustimmung zur Machbarkeitssudie könne lediglich abgeprüft werden, ob eine Instandsetzung überhaupt machbar ist. Zunächst sei nunmal eine Untersuchung der Statik und Bausubstanz im Detail erforderlich. Daniel Fuhrmann vom Baubetrieb der Stadt ergänzte, dass es rein um die Option der technischen Umsetzung gehe und ob die dafür aufzuwendenden Mittel vertretbar seien. Dass man im Falle einer Sanierung Abstriche gegenüber dem Ist-Zustand machen müsse, liege allerdings auf der Hand. Stellplätze würden in jedem Fall verloren gehen.

    „Es ist schwer, abzuschätzen, ob man ein totes Pferd nochmal satteln soll“, bracht es Timo Horst (SPD) auf den Punkt. Abgesehen von den Unwägbarkeiten einer Finanzierung, wünschte er sich als Grundlage einen groben Kostenrahmen, „am liebsten von den Vertretern der Firmen, die die Machbarkeitsstudie angeregt haben“. Alfred Koch, FDP, warf ein, dass dann man neben dem Verlust an grauer Energie beim Bau der Tiefgarage bei einer Verfüllung sämtliche Investitionen der Vorjahre in die Luft geblasen hätte. Eine qualifizierte Aussage könne daher kein Hexenwerk sein.

    Dr. Klaus Karlin zeigte sich seitens der CDU überrascht, dass man im Bauausschuss jetzt über eine identische Vorlage erneut befinden solle, ohne dass weitere Kosten aufgeschlüsselt worden seien. „Was kostet denn nun ein Stellplatz? 10 oder 20.000 Euro?“, so Karlin. Da zudem der Vorschlag einer Studie von den Ingenieuren ins Spiel gebracht worden sei, die permanent auch mit der Instandhaltung der Tiefgarage beschäftigt sind und daher mit der Materie vertraut seien, müsste doch eine etwaige Höhe der Kosten abzuschätzbar sein, gab Karlin zu bedenken.

    Gewissheit oder OP am offenen Herzen

    Eine Studie sei grundsätzlich überlegenswert, plädierte Heidi Lammeyer (SPD) dafür, 58.000 in die Hand zu nehmen „um Gewissheit zu erhalten“. Immerhin sei die Tiefgarage eines der wichtigsten Parkhäuser in der Stadt. Und wenn man die Einkaufsinnenstadt beleben und mehr Wohnraum schaffen wolle, seien auch mehr Stellplätze nötig, betonte Lammeyer. „Ein letzter Versuch, ein Wagnis für eine Grundlage“, fügte Heidi Lammeyer an. Toni Ras von der AfD verwies auf eine Kostenexplosion durch diese „OP am offenen Herzen“. Wer könne eine Garantie geben, dass zum Schluss nicht alles noch teurer werde? Erst 10 dann doch 20 Millionen Euro. Einen Beschluss zu fassen, nütze nichts, wie die Erfahrung mit anderen Bauvorhaben gezeigt habe.

    „Es gibt eine Garantie, die Studie ist nur eine Grundlage für eine qualifizierte Kostenaussage“, bemerkte Uwe Franz. „Wir müssen dann abwägen: Macht es Sinn oder nicht?“ Auch Richard Grünewald, Bündnis 90/Die Grünen, teilte den Wunsch nach mehr Kostensicherheit. Die Machbarkeitsstudie zeige nur auf, ob und zu welchen Bedingungen eine Sanierung machbar sei. Dann würden Varianten aufgezeigt, aber sei man danach klüger?, wandte sich Grünewald an die Ausschussmitglieder. Sanieren sei immer teurer, als nur den Platz zurückzugewinnen. Zudem würden die Nachteile, wie etwa die Einfahrt über Fußgängerzone, bleiben. „Das falsche Signal. Für rund 60.000 Euro ist eine Teilgewissheit zu teuer. Wir sollten das Buch zumachen!“

    Steffen Landskron trug es mit Humor. „ An der Tiefgarage haben sich bereits Fastnachter und Gutachter abgearbeitet.“ „Auch ich würde gerne mit Ingenieuren reden, wie Mängel abgestellt werden können und ob die Parkebenen nach der Sanierung dann über ein ausreichendes Gefälle verfügen.“ Annelie Büssow, CDU: „Die Tiefgarage wird stark frequentiert, sie wird also gebraucht. Kommen die Leute von außerhalb mit dem Rad oder dem Bus? Sogar der Standort ist ideal. Was ist durch moderne Bautechnik machbar?“. Brüssow warb dafür, der Tiefgarage eine Chance zu geben, statt weitere Kaffeesatzleserei zu betreiben. „Vertrauen wir den Fachleuten“, so Annelie Büssow.

    „Abhaken und in die Zukunft planen“

    „Jetzt sind erstmal die Schulen dran“, plädierte Christine Jäger von den Grünen, nicht weitere Millionen in die Tiefgarage zu investieren. Fraktionskollege Christian Engelke entkräftete das Argument fehlender Stellplätze mit Blick die Auslastung der Tiefgarage von maximal 60 Prozent. „Wir brauchen Kita-Plätze sowie Schulräume und dürfen nicht an Altlasten festhalten.“ „Abhaken und in die Zukunft planen“, meinte Engelke.

    Hans-Jürgen Müsel, CDU, bat darum, das Projekt Parken und Kindertagesstätte nicht gegeneinander aufzuwiegen. „Wie will man dem Wormser Bürger erklären, dass man 5 Millionen Euro für die Verfüllung einer Tiefgarage ausgibt, nur damit man auf deren Oberfläche später Feste feiern kann?“ Den Platz müssen man durch eine Sanierung belastbar machen, forderte Müsel, auch wenn das viel Geld kosten werde. Timo Horst gab zu bedenken, dass die Mittel der Stadt endlich seien. „Ob 10 oder 20 Millionen Euro, das Geld ist nicht vorhanden.“ Jetzt erhoffe er sich im Dialog mit den Fachleuten im nichtöffentlichen Teil in der nächsten Bauausschusssitzung zumindest eine grobe Kostenschätzung als weitere Entscheidungsgrundlage.

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