Sie sind hier: Home » Aus dem Nibelungenland » Interessante Geschichte der Simultankirche in Pfeddersheim

Interessante Geschichte der Simultankirche in Pfeddersheim

KKV Probitas Worms zeigte sich beeindruckt von altem Altar von Kloster Maria-Münster

Beitrag-HochkantDie Geschichte der Simultankirche in Pfeddersheim gibt nicht nur tiefgehende Einblicke in örtliche Ereignisse während der Zeit zwischen dem Pfälzer Erbfolgekrieg 1689 und der dabei erfolgten Zerstörungen von Ort und Kirche bis zur anschließenden Aufteilung des Kirchenbesitzes zwischen den Konfessionen im Rahmen der Pfälzer Kirchenteilung um 1705/1706. Sie vermittelt auch Eindrücke in eine Zeit, die heutigen Verhältnissen weit entrückt ist und umso mehr zum Nachdenken anregt.

1689 bis auf die Grundmauern abgebrannt
Im Rahmen einer Führung durch den katholischen und evangelischen Teil der alten Kirche mit der urkundlichen Ersterwähnung vom 25. Mai 754, zu der der KKV Pobitas Worms eingeladen hatte, zeigte Vorstandsmitglied Felix Zillien die vielfältigen wechselseitigen Beziehungen vor inzwischen 325 Jahren: Die Kirche war 1689 bis auf die Grundmauern nieder gebrannt und es dauerte lange, bis das Kirchengebäude gottesdienstlich wieder genutzt werden konnte.

Am 17. August 1721 schrieb der reformierte Pfarrer Johann Erhard Stückrath ins Taufbuch: „Dies ist das erste Kindlein, das in der nahezu 33 Jahre ödt gelegenen Kirche getauft wurde, an deren Reparation man seit 1708 gearbeitet hat.“ Von der Zerstörung der Kirche im Jahre 1689 bis 1721 hatte der Wiederaufbau des reformierten Kirchenteils gedauert, weil die geringen Finanzmittel einen schnelleren Aufbau nicht zuließen. Dagegen konnte in dem kleinen östlichen Chorraum, der den Katholiken zugeteilt wurde, im eng begrenzten Maße „ein leidlich mäßiger Gottesdienst“ von einem Wormser Karmeliterpater alle 14 Tage gehalten werden. Beim Wiederaufbau der Kirche waren beide Kirchenräume durch eine Mauer voneinander getrennt worden, während der Kirchturm als Teil der mittelalterlichen Stadtbefestigung bis auf den heutigen Tag im Kommunaleigentum verblieb.

Stumm-Orgel originalgetreu erhalten 
Eindrucksvoll schilderte der Referent die Raumausstattungen beider Kirchen, vor allem die alten Stumm-Orgeln, von denen die in der katholischen Kirche originalgetreu erhalten ist, während die in der evangelischen Kirche 1913 innen durch ein Walcker-Werk umgestaltet und durch eine Rarität in Form einer „Organola“ ergänzt wurde. Nur der barocke Prospekt erinnert an die einstige Stumm-Orgel in der evangelischen Kirche.

Im katholischen Teil der Kirche beeindruckte insbesondere die wechselvolle Geschichte des Hochaltars, der einst im Zisterzienserinnenkloster Maria Münster im Südosten von Worms etwa ab 1750 seinen ersten Standort hatte. Nach Auflösung dieses Klosters kam er 1819 in die Martinskirche, von dort wanderte er 1890 in die damals als Museum genutzte Pauluskirche, um nach Rückkehr der Dominikaner ab 1928 in das Andreasstift am Weckerlingsplatz verbracht zu werden.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde der Altar erneut aufgestellt
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde er wegen Zerstörung des Altars in der Martinskirche ab 1948 erneut aufgestellt und von 1967 bis 1983 war er nochmals im Andreasstift, wo er wegen der damaligen großen Lutherausstellung abgebaut und im Keller des Herrnsheimer Schlosses seine Lagerstätte fand. Bei der Renovierung der katholischen Kirche in Pfeddersheim erinnerten sich Architekt Jakob Harnecker und die Kunsthistorikerin Dr. Irene Spille an diese musealen Reste des Altars, der nach aufwändiger Restaurierung ab 1992 seinen jetzigen Platz in Pfeddersheim gefunden hat. Zwei Jahre später folgte die zum Altar gehörende und inzwischen ebenfalls restaurierte Statue des Johannes des Täufers.

„Friedens-Stele“ des Künstlers Horst Rettig aus dem Jahr 2000
Über viele weitere Details in beiden Kirchenräumen berichtete Felix Zillien, bevor er auf dem Kirchenvorplatz in Verbindung mit dem Bauernkrieg 1525 auf die dort im Jahr 2000 aufgestellte „Friedens-Stele“ des Künstlers Horst Rettig näher einging und auf dem alten Friedhof westlich der Kirche die dortigen Denkmäler erläuterte: Das Napoleonische Veteranendenkmal von 1847, das Kriegerdenkmal 1914-1918 und nicht zuletzt das Denkmal der Heimatvertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten nach 1945.

Den Abschluss der Führung bildete die einstige lutherischen Kirche von 1714, die nach wechselvoller Geschichte in jüngerer Zeit als evangelisches Gemeindehaus und Heimstätte von Jung und Alt stilvoll restauriert und durch einen neuen Anbau für die Jugendarbeit erweitert wurde.

 

Beitrag teilen Facebook Twitter

5 Kommentare für "Interessante Geschichte der Simultankirche in Pfeddersheim"

  1. Karl-Heinz Hoffmann sagt:

    Gruß aus dem alten Pfeddersheim
    Felix

  2. Hans-Jürgen Lochbrunner sagt:

    Gruß aus dem alten Pfeddersheim
    Felix Zillien

  3. Patrick Wiegand sagt:

    Grüße aus Pfeddersheim
    Felix Zillien

  4. Elisabeth Schick sagt:

    Schönen Sonntagsgruß
    Felix Zillien

  5. Peter Behringer sagt:

    Einen schönen Sonntag
    Felix Zillien

Nibelungen Kurier - Zutrittsprüfung

Herzlich willkommen
beim Internet-Auftritt des Nibelungen Kurier – der Gratiszeitung für Worms und das Nibelungenland.

Seit rund 35 Jahren geben wir zweimal wöchentlich eine gedruckte Ausgabe heraus. Zusätzlich bieten wir diesen kostenlosen Onlinedienst an, auf dem wir täglich das Neueste aus Worms und der Region für Sie bereitstellen. Sowohl die gedruckte als auch die Onlineausgabe sind werbefinanziert.

Warum sehe ich nibelungen-kurier.de nicht?

Sollten Sie Probleme haben, versuchen Sie es mit einem alternativen Browser zum Beispiel:

Für Rückfragen stehen wir Ihnen unter info@nibelungen-kurier.de gerne zur Verfügung.


Impressum
Nibelungen Kurier Verlag GmbH
Print-Carl-Anlage 20
67547 Worms
Telefon: 06241 9578-0
Fax: 06241 9578-78
info@nibelungen-kurier.de

Geschäftsführer: Frank Meinel und Dieter Schaller
Amtsgericht Mainz, HRB 11190
Umsatzsteuernummer-ID DE 1499 65202
Verantwortlich für den Inhalt: Frank Meinel

Datenschutzerklärung