NABU kritisiert geringe Berücksichtigung des Artenschutzes im Bereich der VG Wonnegau / Gezielte Überwachung fehlt
Investoren haben das Heft in der Hand
Kritik übt der Naturschutzbund an der Berücksichtigung von Belangen im Bereich Artenschutz.
Alles hört sich für die Kommunen gut an: Investoren planen Bauprojekte und kümmern sich anstelle der Gemeinden um die Verwirklichung. In der Phase der Ausführung wird, so der Naturschutzbund NABU in einer Pressemitteilung, der Naturschutz sehr häufig missachtet. Deren Sprecher Matthias Bösl hat in jüngster Zeit einige Verfahren etwas genauer unter die Lupe genommen und gleich mehrfach unfassbare Entwicklungen entdeckt.
Im Fall des Baugebietes „An den Bahngärten“ in Osthofen wurden eine Vielzahl von Planabweichungen bekannt. Zunächst fehlte die erforderliche artenschutzrechtliche Prüfung, dann entfernten die Kleingärtner während der Brutzeit selbstständig dutzende Obstbäume, was eigentlich einem qualifizierten Fachmann übertragen worden war. Zum Ausgleich erforderliche Nistkästen wurden nicht fristgerecht angebracht und mitten in der Vegetationsperiode ein anderes, mit Gehölzen bestocktes Gelände gerodet, um neue Gärten anzulegen. Vorgeschriebene Schutzmaßnahmen von Stämmen und Wurzeln dem Baugebiet angrenzender Bäume wurden ebenfalls missachtet.
Der NABU sieht im Fall dieses Gebietes die Planung der massiven Bebauung viel zu nah an die Bahnlinie und an den Seebach herangerückt, was er auch in seiner Stellungnahme im April monierte und sieht sich jetzt bestätigt: Die als Ausgleich für das Baugebiet erst dieses Jahr am Seebach gepflanzten 100 Sträucher wurden komplett gemulcht und somit zerstört.
„Wenn man es nicht selbst erlebt hat, kann man es eigentlich nicht glauben“, so Bösl. Und nun soll als Zugabe auch noch entgegen der ursprünglichen Planung der stattliche Baum- und Strauchbestand zwischen Bahnlinie und Baugebiet gerodet werden. „Wir hatten es befürchtet, kaum werden die Bauarbeiten begonnen, schon stören die angrenzenden Bäume. Sich dann beim Spatenstich hinzustellen und zu sagen, es sei alles glatt gelaufen, weil es keine Quertreiber gebe, ist mehr als dreist”, so der NABU in seiner Pressemeldung.
Auch im Fall des Seniorenheims Westhofen fühlen sich die zur Stellungnahme aufgeforderten Naturschutzverbände düpiert: Die Pläne lagen bis zum 19. Februar offen, doch am Wochenende des 13. und 14. Februars rückten Planierfahrzeuge an und machten die Sträucher und Bäume platt. „Was soll man da bitteschön bewerten, wenn alles weg ist?“, fragt sich Bösl, „unsere Stellungnahmen sind dann letztlich für die Altpapiertonne“.
Der NABU betont, dass dies keine Einzelfälle seien, sondern zwei aktuelle Beispiele herausgestellt wurden. Bösl macht keinen Hehl daraus, dass ihn die Sache mächtig ärgert: „Es kann nicht sein, dass Investoren machen, was sie wollen und Gemeinden sich das Heft aus der Hand nehmen lassen!“