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  • Sa., 07. Januar 2017, 12:48 Uhr
    Die Bundesstraße 9 soll in Nierstein durch einen 1,3 Kilometer langen Tunnel mit Baukosten von 64 Millionen Euro unter der Erde verschwinden

    Jahrhundertprojekt nimmt Fahrt auf

    Die B9 soll im Bereich von Nierstein auf einer Länge von 1,3 Kilometern untertunnelt werden.


    Von Gernot Kirch Die Bundesstraße 9 zwischen Worms und Mainz zählt zu den meist befahrenen Verkehrstrassen der Region. Staus sind morgens und abends an der Tagesordnung. In den vergangenen Jahren sorgten neu gebaute Ortsumfahrungen in Guntersblum und Oppenheim bereits für Entlastung. Im Wormser Norden wird der vierspurige Ausbau der B9 vorangetrieben, auch wenn sich die Realisierung teilweise etwas länger hinzieht als gedacht. Aber gerade der Ausbau der Kreuzungen am Gallborn und am Fahrweg brachte eine spürbare Besserung. Was jetzt noch fehlt, ist eine vierspurige Unterführung der Bahngleise auf Höhe des Schnellrestaurantes McDonald. Wobei es aufgrund des hohen Aufkommens an Fahrzeugen auf der B9 im Berufsverkehr wohl stets zu einer gewissen Zähflüssigkeit kommen wird.

    Engpass Nierstein

    Ähnlich wie früher in Guntersblum und Oppenheim quält sich heute noch der Verkehr mit seinen täglich über 22.000 Fahrzeugen durch die Weinbaugemeinde Nierstein. Bereits seit den 1950er Jahren gibt es Überlegungen, die B9 zu verlegen und so Nierstein vom Durchgangsverkehr zu befreien. Neben der Verringerung der Lärm- und Schadtstoffbelastung geht es auch darum, dass der Ort durch die B9 wie mit einer Schneise vom Rhein abgeschnitten ist. Ziel ist es daher auch, dass Nierstein auch erlebbar wieder direkt am Rhein liegt.

    "Kleiner Ring" scheiterte

    Bisher sind aber alle Realisierungsvorhaben Planvarianten gescheitert. Einer der Gründe ist die schwierige geographische Lage von Nierstein, „eingeklemmt“ zwischen dem Rhein im Osten sowie dem stark ansteigenden Gelände im Westen. Diese „Tallage“ machte einen Neubau bzw. eine andere Streckenführung der B9 zu einer großen technischen Herausforderung, die mit hohen Kosten verbunden ist. Vor rund 20 Jahren misslang der Vorstoss, die B9 westlich um Nierstein herumzuführen. Diese sogenannte Variante 1 „Kleiner Niersteiner Ring“ scheiterte am Widerstand der Bürger und Winzer, die eine Initiative gegründet hatten.

    Entscheidung zugunsten Variante 5c

    Da die Notwendigkeit der Verlagerung der B9 vom Rheinufer in Nierstein aber stets von Lokal- wie Landespolitik gesehen wurde, erarbeitete der zuständige Landesbetrieb Mobilität (LBM) in Worms, eine Art Straßenbauverwaltung des Landes für Verkehrswege, drei weitere Varianten zur Realisierung. Dies war eine Variante 2, die im Prinzip eine modifizierte Variante 1 war und die B9 westlich um Nierstein herumführen sollte. Dann gab es die Variante 3, die eine oberirdische, parallel zu Bahnstrecken und Rhein verlaufende Trassenführung der B9 vorsah. Hierfür hätten aber der Bahnhof sowie 26 Wohn- und 20 Nebengebäude abgerissen werden müssen. Schließlich wurde noch die Variante 5 in verschiedenen Ausprägungen konzipiert.

    Die Variante 5c wurde schließlich favorisiert und im Raumordnungsverfahren von der Struktur- und Genehmigungsdirektion (SGD) Süd im Jahr 2013 als Konsenslinie ausgewählt. Diese Variante sieht eine weitgehende Untertunnelung der B9 am bisherigen Verlauf vor. Oberirdisch wird die „alte“ B9 als innerörtliche Straße für den örtlichen erhalten bleiben. Das Rheinufer wird komplett neu und attraktiv gestaltet.

    B 420 mit neuer Streckenführung

    Die Verlagerung der B9 ist in einem Gesamtpakt mit der ebenfalls in Nierstein beabsichtigen Verlegung der B 420 zu sehen, die aus Wörrstadt kommend am Rheinufer auf die B9 trifft. Hintergrund ist, dass die B 420 zurzeit mitten durch den Ortskern von Nierstein geht, sie in Zukunft aber südlich um den Ort herum führen soll.

    Grünes Licht aus Berlin

    Die positive Nachricht kam im Frühjahr 2016 aus Berlin, denn die Verlagerung der B9 in Nierstein wurde im neuen Bundesverkehrswegeplan 2030 als eines der wenigen Projekt in Rheinhessen auf die höchste Prioritätsstufe „Vordringlicher Bedarf“ gesetzt. Dies bedeutet, sollten alle planungsrechtlichen Voraussetzungen erfüllt sein, könnte das Vorhaben in den nächsten 10 bis 15 Jahren realisiert werden. Wobei dies nur für den B9 mit dem Tunnel gilt, die Verlagerung der B 420 wurde nur als „Bedarf mit Planungsrecht“ kategorisiert. Konkret bedeutet dies, die Verlagerung der B9 ist in greifbare Nähe gerückt. Wenn dieses Vorhaben realisiert ist, wird die B 420 angepackt und neu gebaut.

    Kosten bis zu 170 Millionen Euro

    Die Kosten für die weitgehende Untertunnelung der B9 im Bereich Nierstein wird auf rund 65 Millionen Euro geschätzt. Diese Summe würde der Bund quasi zu 100 Prozent übernehmen. Die Länge der Gesamtstrecke beträgt zwei Kilometer, davon werden 1,3 Kilometer untertunnelt.

    Die Verlagerung der B 420 mit einer Länge von 2,2 Kilometern mit der jetzt favorisierten Variante, die ebenfalls einem Tunnel enthält, würde nochmals 106 Millionen Euro kosten, sodass man für das Gesamtprojekt auf eine Summe von rund 170 Millionen Euro zusteuert.

    Wie geht es weiter?

    Der Leiter des LBM, Bernhard Knoop, erläuterte gegenüber dem NK, dass es nach der Aufnahme in den Bundesverkehrswegeplan jetzt an die Detailplanung geht. Erst wenn diese exakten Berechnungen und Gutachten vorliegen, kann bei der zuständigen Behörde in Koblenz ein Planfeststellungsverfahren beantragt werden. In Zuge des Planfeststellungsverfahren sind Einsprüche und Klagen von Bürgern möglich. Erst wenn der Planfeststellungsbeschluss vorliegt, also Baurecht existiert, kann mit dem eigentlichen Bau begonnen werden.

    Noch kein Datum für die Fertigstellung

    Auf ein Zeitfenster bis der Planfeststellungsbeschluss erlassen wird, wollte sich Bernhard Knoop nicht festlegen. Aber es werden in jedem Fall noch einige Jahre dauern. Und auch ein Scheitern aufgrund eventueller Klagen sei denkbar. Zurzeit laufe die Ausschreibung für Ingenieurbüros, die den B9-Tunnel planen möchtensollen.
    Bezüglich der B 420 werde die Planung jetzt ebenfalls angegangen, doch liegt die Priorität bei der B9.

    Weitere Infos im Internet unter: www.ou-nierstein.de

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