Der NABU Worms protestierte mit einem riesigen Flaggen-Banner auf dem Marktplatz gegen die tägliche Vernichtung von Feldern und Naturparadiesen
Jede Minute verschwindet ein kleines Paradies
Rund 30 NABU-Aktivisten entrollten am Montag pünktlich um 10.30 Uhr eine riesige Flagge, die den Landverbrauch aufzeigt, der pro Minute in Deutschland erfolgt. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Das Thema Flächenverbrauch oder exakter, die Umwandlungen von landwirtschaftlicher Nutzfläche in privates Bauland und Industrieareale ist in Worms spätestens seit den Plänen für das 100 Hektar großen Gewerbegebiet am hohen Stein ein großes Thema. Passend zu diesem Kontext fand am Montagmorgen um 10.30 Uhr anlässlich des bundesweiten 30-Hektar-Tages eine Aktion des Naturschutzbund Deutschland (NABU) auf dem Marktplatz statt. Rund 30 Aktivisten des NABU entrollten dort eine riesige 570 Quadratmeter große Flagge, mit der auf den fortschreitenden Landschaftsverbrauch aufmerksam gemacht wurde. Die 570 Quadratmeter (etwa die Größe einer halben Eishockey-Spielfeldes) sind die Fläche, die in Deutschland in jeder Minute bebaut bzw. versiegelt wird.
Die Hauptforderung des NABU, so der Wormser Vorsitzende Matthias Bösl im Gespräch mit dem NK, sei die Innen- vor der Außenentwicklung. Dies bedeute für Worms und die Gemeinden Rheinhessens, zunächst sollen Brauchflächen im Innenbereich genutzt werden, bevor eine Landschaftszerstörung durch eine Bebauung am Ortsrand erfolge. Auch sollten leerstehende Häuser in Ortskernen genutzt werden.
"Angesichts sinkender Bevölkerungszahlen ist jeder Hektar neu verbaute Landschaft ein Hektar zu viel", ist denn auch die Devise des NABU. Matthias Bös erläuterte dazu, dass die Bundesregierung in ihrer Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zwar das Ziel formuliert hat, die Inanspruchnahme neuer Flächen für Siedlungen und Verkehr auf täglich 30 Hektar im Jahr 2020 zu verringern. Von diesem Ziel sei Deutschland aber noch weit entfernt. So würden bundesweit jeden Tag etwa 80 Hektar Landschaft durch den Bau von Wohnhäusern, Straßen und Gewerbegebieten verloren gehen. Für den NABU war das der Anlass, 2011 den 30-Hektar-Tag als bundesweiten Aktionstag für nachhaltiges Flächenmanagement ins Leben zu rufen. Er fällt jeweils auf den Tag, an dem das laut 30-Hektar-Ziel verfügbare „Flächen-Jahresbudget“ aufgebraucht ist. Im Jahr 2013 war dies der 13. Juni. Ab diesem Tag müssten in ganz Deutschland Schaufelbagger und Planierraupen stillstehen.
Im konkreten Bezug auf Worms nannte Matthias Bösl riesige Logistikerhallen, die Südumgehung der B 47 neu mit 24 Hektar, die Krankenhaustangente mit 13 Hektar und das geplante Gewerbegebiet am Hohen Stein. Hinzu kämen Neubaugebiete in vielen rheinhessischen Ortschaften. „Der NABU positioniert sich nicht grundsätzlich gegen gemeindliche Entwicklungen“, legt Bösl Wert darauf, richtig verstanden zu werden, „es reicht jedoch nicht aus, den Flächenverbrauch auf allen politischen Ebenen zu bedauern, ohne bei passender Gelegenheit die Planung eigener Gewerbe- oder Wohngebiete als unverzichtbar voranzutreiben“.
Welche Alternativen im Raum Worms für gewerbliche oder wohnbauliche Entwicklungen bestehen, diskutieren Naturschutzverbände mit Verwaltungen auf allen Ebenen. Verständnis sei da, doch seien die Bemühungen unzureichend oder es fehle der Wille, auch mal „nein“ zu sagen.