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  • Mo., 23. April 2018, 23:01 Uhr
    Knapper Wohnraum und steigende Mieten betrachtet Caritas als drängende Herausforderung

    „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“

    VON FLORIAN HELFERT Symbolisch fanden sich am Montag Möbel und eine Badewanne auf dem Wormser Parmaplatz ein, um in einer gemeinsamen Aktion des Caritasverbandes und Young Caritas auf die sozialpolitische Frage knappen Wohnraums und steigender Mieten hinzuweisen.

    Eine von der Stadt in Auftrag gegebene Studie zeigt, dass weniger als fünf Prozent des Wohnraums der Nibelungenstadt sozial gefördert wird, wie die beiden Caritasdirektoren Pascal Thümling und Georg Diederich später in einem Pressegespräch ausführten. Ergänzend komme hinzu, dass in den nächsten Jahren weitere Wohnungen aus der Sozialraumbindung fallen würden. Nach Angaben des Caritasverbandes hat Sozialdezernent Waldemar Herder in einer Sitzung des Sozialausschusses gegen Ende 2017 dargelegt, dass die Suche nach bezahlbarem Wohnraum auch viele Familien mit mittleren Einkommen betrifft.

    Hinter der Statistik: Verzweifelte Schicksale
    Für die Allgemeine Lebens- sowie Schwangerschaftsberatung des Caritasverbandes berichteten die beiden Mitarbeiterinnen Petra Steinbrede und Tanja Sperling, was das für die Menschen konkret bedeutet. „Beinahe täglich werden wir mit der verzweifelten Suche nach bezahlbarem Wohnraum konfrontiert“, so Steinbrede. Wer Transferleistungen beziehe, habe es auf dem freien Wohnungsmarkt besonders schwer.

    Seitens der Young Caritas informierten Daniel Bulun und Stella Dietrich über den Ausgang ihrer kleinen Umfrage zur Aktion auf dem Parmaplatz: „Von 41 heute Morgen Befragten waren 54 Prozent mit ihrer Wohnsituation unzufrieden und mussten durchschnittlich bereits rund 40 Prozent ihres Einkommens für ihre Miete entrichten.“ Geld, das dann an anderen Stellen fehlt.

    Auch aus diesen Gründen möchte sich der Caritasverband in Worms im Sinne der betroffenen Personen und Familien für bezahlbaren und angemessenen Wohnraum einsetzen. „Zusammen mit der Arbeitsgemeinschaft der Freien Wohlfahrtsverbände Worms haben wir eine Erklärung zur Schaffung von bezahlbarem Wohnraum in Worms entworfen“, warb Pascal Thümling um neue gesellschaftspolitische Impulse.

    Brachen nutzen, neue Flächen und Ideen erschließen
    Angelehnt an die Positionen der bundesweiten Caritas-Kampagne 2018 unter dem Motto „Jeder Mensch braucht ein Zuhause“ schlägt der Caritasverband unter anderem vor, noch bestehende Freiräume und Brachflächen sinnvoll zu nutzen. „Über das ganze Jahre betrachtet führt die Karl-Kübel-Brücke überwiegend nur auf einen leeren Festplatz“, führte Diederich ein provokantes Beispiel und damit einhergehende Dilemmata vor Augen: divergierende Interessen der Stadt, der Eigentümer und/oder der Anlieger.

    Deshalb sollen neben der innerstädtischen Nachverdichtung auch neue Flächen erschlossen werden, um preiswerten Wohnraum mit Hilfe von Neubaugebieten zu ermöglichen. Zudem gelte es, den Bestand und Neubau von Sozialwohnungen zu stärken und zu sichern. „Bund und Land müssen den sozialen Wohnungsbau stärker fördern“, appellierte Thümling im weiteren Verlauf. „Zur Schaffung von Wohnraum sollten ferner Eigeninitiativen von Bürgerinnen und Bürgern finanziell und beratend unterstützt werden“, verwies er sodann auf die Chancen alternativer Wohnmodelle wie etwa Genossenschaften.

    Darüber hinaus sei eine praktische Tauschplattform zu schaffen, mit deren Hilfe Witwen mit einer zu großen und junge Familien mit einer zu kleinen Wohnung zueinander finden können. „Hierfür gibt es bereits erfolgreiche Beispiele“, warb Thümling und versicherte abschließend, als kirchlicher Sozialverband im Rahmen der eigenen Möglichkeiten auch weiterhin dazu beitragen zu wollen, die Wohnsituation in Worms zu verbessern.

    Mehr Infos zur Caritas-Kampagne „Jeder Mensch hat ein Recht auf ein Zuhause“ unter www.zuhause-fuer-jeden.de

    Vor der Lutheranlage veranschaulichte die Wormser Caritasmit Caritasdirektor Pascal Thümling in der Wanne die Knappheit bezahlbaren Wohnraums. Foto: Caritasverband Worms e.V.


     

     

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