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  • So., 30. März 2014, 16:48 Uhr
    Evangelischer Arbeitskreis Rheinland-Pfalz war erneut in Worms zu Gast

    Jesus – Vorbild für Führungskräfte?

    Professor Kurt Erlemann, Dr. Ulrich Oelschläger, Finanzdezernentin Karin Kessel, Landtagsabgeordneter Adolf Kessel und EAK-Landesvorsitzender Wolfgang Reeder (v.links) im Gespräch.


    Können Führungskräfte in den Kirchen, aber auch in Politik, Wirtschaft und Verwaltung von Jesus lernen: nicht nur Glauben lernen, sondern auch Führen lernen? Diese Frage war eines der Themen des Albrecht Martin-Symposions. Der Landtagsabgeordnete Adolf Kessel hatte zum zweiten Mal nach 2012 diese hochkarätige Veranstaltung des Evangelischen Arbeitskreises – EAK –  Rheinland-Pfalz nach Worms geholt – dieses Mal mit Unterstützung von Hannelies Hofmann, der Vorsitzenden des Kirchenvorstandes in das Rote Haus der Friedrichs-Gemeinde. Limburger Bischofssitz und verlorene Millionen in evangelischen Kirchen aufgrund mangelnder Kontrolle – das nahm der EAK zum Anlass, in Gegenwart von Dekan Harald Storch und Vorsitzenden der Dekanatssynode Klaus Martin über “Demokratie, Führung und Kontrolle in der Kirche“ zu diskutieren.

    Über „Demokratie in der Kirche“
    Über „Demokratie in der Kirche“ sprach Dr. Ulrich Oelschläger aus Worms, Präses der Synode, also Vorsitzender des Kirchenparlamentes der Evangelischen Kirche Hessen-Nassau. Zunächst ist festzuhalten, dass Kirche keine parlamentarische Versammlung ist, in der per Mehrheits-beschluss Bedingungen menschlichen Zusammenlebens geregelt werden. Andererseits ist Kirche eine soziale Organisation. Als solche muss eine Landeskirche als Kirche ‘von unten‘ aufgebaut sein, von den Kirchen-gemeinden und ihren Mitgliedern her. Dabei sorgt die klare Aufgabenteilung von Kirchenleitung und Kirchenparlament für Transparenz und Kontrolle. Wenn an der Spitze der Kirchenleitung ein Präsident, eine Präsidentin steht und nicht ein Bischof, eine Bischöfin, zeigt das, dass genau unterschieden wird zwischen der nicht verhandelbaren Botschaft der Kirche und den Notwendigkeiten einer offenen menschlichen Organisation.

    Demokratie und Kontrolle durch die Gemeindemitglieder gesichert
    Karin Kessel, Finanzdezernentin der Evangelischen Kirche der Pfalz, verwies darauf, dass die südwestliche Nachbarkirche genauso aufgebaut ist, dass so Demokratie und Kontrolle durch die Gemeindemitglieder gesichert sind. Und nicht nur durch die Gemeindemitglieder. Seit bald 100 Jahren, seit 1918 ist der Haushalt der pfälzischen Kirche allgemein zugänglich, heute per Mausclick für jeden Bürger im Internet einsehbar. Verborgene Sondertöpfe gibt es nicht. Für die kirchlichen Finanzen gilt inzwischen das gleiche moderne betriebswirtschaftliche Finanzsystem wie für die Kommunen. Das gilt gerade auch für das Controlling, die Formulierung genauer Zielgrößen, die begleitende Prüfung von Abweichungen und deren Korrektur. Beide Landeskirchen erfüllen so die Forderungen nach vollständiger Transparenz und professionellem Finanzmanagement, können damit Probleme wie das Verschwinden von Millionen im Rheinland und in München ausschließen.

    EAK-Landesvorsitzender Wolfgang Reeder stellte die betriebswirtschaftlichen Aspekte in einen ordnungspolitischen Zusammenhang: Auf Initiative von Dietrich Bonhoeffer formulierten Angehörige der Bekennenden Kirche im Untergrund 1944/45 Grundsätze einer gesellschaftlichen Neuordnung. Sie wurden nach dem Krieg zum Programm der Sozialen Marktwirtschaft. Angesichts zahlreicher Verletzungen von Prinzipien Sozialer Marktwirtschaft brauchen wir einen neuen wirtschaftspolitischen Dialog. Den haben Katholische und Evangelische Kirche gerade angestoßen unter dem Titel >Gemeinsame Verantwortung für eine gerechte Gesellschaft<. An diesem Dialog wird sich der EAK Rheinland-Pfalz intensiv beteiligen. Bereits im vorigen Jahr hat der EAK-Landesvorstand für diese Diskussion einen Problemkatalog zum Thema ‘Soziale Fairness‘ formuliert.

    Frage nach Jesu Führungsstil
    Mit der Frage nach Jesu Führungsstil konzentrierte sich der Wuppertaler Pfarrer und Theologie-Professor Kurt Erlemann auf Organisationen in Wirtschaft und Gesellschaft. Er zeigte, wie sich das Verhalten Jesu in Führungsgrundsätze übertragen lässt: Unbeirrbarkeit in den Zielen, doch Ernstnehmen jedes Menschen ohne Ansehen von Stand und Rang; eine aus Glaubwürdigkeit, der Übereinstimmung von Reden und Handeln erwachsende Überzeugungskraft; keine Scheu vor unbequemen Wahrheiten, doch Nachsicht mit Fehlern; unerschütterliches Festhalten an dem eigenen Auftrag, doch niemanden ausgrenzend und sich für nichts zu schade sein. Konflikte nicht scheuen, zugleich immer bereit sein zu dienen - Beispiel Fußwaschung.

    Bei diesem Stichwort hatten die Tagungsteilnehmer wohl das Bild von Papst Franziskus bei Häftlingen im Gefängnis vor Augen. Eine Gedankenverbindung, die Erlemann bewusst auslöste - und damit der ökumenischen Orientierung entsprach, die EAK-Chef Reeder und MdL Kessel betonten. Ulrich Oelschläger unterstützte sie nachdrücklich. So seien die gegenseitigen Besuche von evangelischer Synode und katholischer Diözesanversammlung inzwischen selbstverständlich. Und: Seit der Diskussion um den Bischofssitz habe sich die Gegenseitigkeit von Offenheit, Verständnis und Solidarität der Christen vor Ort deutlich intensiviert.

     

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