
Wenn die Flüsse über die Ufer treten, sind sichere Deiche lebenswichtig. Regelmäßig, meist im Winter und/oder im Frühjahr, sind auch in Worms Anwohner von Rhein und Pfrimm von Hochwassern betroffen.
Die Deichkontrolle kann in solchen Fällen jedoch nicht von Feuerwehr und THW geleistet werden, da diese meist schon ins Geschehen mit eingebunden sind und auch das Tagesgeschäft weiterläuft. Bisher organisierten sich Anwohner betroffener Gebiete selbst, um die notwendigen Deichwachen zu übernehmen. Als kreisfreie Stadt ist Worms jedoch gemäß Paragraph 91 Landeswassergesetz verpflichtet, eine Wasserwehr zu bilden. Heißt: Jeder Bürger ab 16, der sich dazu in der Lage sieht, kann sich freiwillig für eine Mitarbeit melden. Diese Meldung geschieht in einer formellen Verpflichtung, damit die Helfer im Einsatzfalle schnell einsatzbereit sind und auch eine Unfallversicherung im ehrenamtlichen Dienst besteht. Ziel ist es, im Falle eines Hochwassers eine schnelle und reibungslose Organisation durch freiwillige Helfer zu gewährleisten.
Im Rahmen eines Pressegesprächs warben nun Oberbürgermeister Michael Kissel, Stadtfeuerwehrinspekteur Klaus Feuerbach sowie Volker Rüffer und Stefan Lichtenfels von der Feuerwehr für die neue Wasserwehr im Rahmen des Katastrophenschutzes der Stadt Worms.
„Eine Stadt braucht mindestens drei Dinge: ein Krankenhaus, eine Feuerwehr und einen Saal zum Feiern“, zitierte OB Kissel aus einem russischen Sprichwort. Diese drei Dinge seien in Worms zwar vorhanden, nichts desto trotz bedürfe es bürgerschaftlichen Engagements: „Bürger sind zur Ausübung eines öffentlichen Ehrenamtes verpflichtet, wenn es die äußeren Bedingungen erfordern“, machte der Stadtchef deutlich. Eine „Zwangsverpflichtung“ sei jedoch ausschließlich als Ultima Ratio angedacht, sollten sich tatsächlich zu wenig freiwillige Helfer finden.
In den letzten 15 Jahren haben Stadt und Land kräftig in den Hochwasserschutz investiert, haben die Deiche an Rhein und Pfrimm ertüchtigt. An der Pfrimm arbeitet die Struktur- und Genehmigungsdirektion Süd (SGD Süd) derzeit am letzten Deichabschnitt.
Doch auch wenn die Deichhöhe ein 100-jähriges Hochwasser zurückhält, lassen sich Beschädigungen an den Rückhaltebauwerken nie ausschließen. Die Dämme müssen deshalb im Falle eines Hochwassers rund um die Uhr beobachtet werden – denn im Ernstfall, sollte eine Leckage entdeckt werden, muss diese unverzüglich repariert werden. „Ist das Wasser erst einmal so hoch, dass es über den Damm tritt, ist es zu spät, dann müssen wir evakuieren“, betonte Stadtfeuerwehrinspekteur Klaus Feuerbach. Die Mitglieder der Wasserwehr kontrollieren und sichern sämtliche Hauptdeiche ab einem Rhein-Pegelstand von 650 Zentimeter. Für diese Aufgabe seien mehrere 100 freiwillige Helfer notwendig, so Feuerbach. Denn, sollte das Hochwasser über mehrere Tage andauern, müssen genügend Kräfte zur Verfügung stehen, um die Dämme rund um die Uhr zu überprüfen.
Wer sich für die Wasserwehr melden möchte, sollte mindestens 16 Jahre alt und in körperlich guter Verfassung sein. Im Einsatzfall erhalten die Mitglieder der Wasserwehr eine Aufwandsentschädigung von 7,50 Euro je Stunde – das entspricht der der Freiwilligen Feuerwehr. Die Stadt wird einen Informationsflyer mit Meldeformular an alle Wormser Haushalte verteilen. Fragen zur Wasserwehr beantworten alle Ortsvorsteher, die den Einsatz der Wasserwehr auch koordinieren werden. Die Meldeformulare können ebenfalls in den Ortsverwaltungen abgegeben werden. Informationen zur Wasserwehr gibt es zudem auch im Internet unter www.wasserwehr-worms.de sowie per E-Mail an wasserwehr@worms.de.
„Ich kenne die Wormser als sehr engagierte Bürger, die anpacken, wenn es nötig ist. Deshalb bin ich davon überzeugt, dass wir keine Probleme haben werden, genügend freiwillige Helfer zu finden“, setzt OB Kissel auf die Einsatzbereitschaft der Bürger.