JUGENDPARLAMENT: Jugendliche wollen Worms attraktiver machen / Kein Platz für Diskriminierung
Jung zu sein, heißt nicht, nichts zu bewegen
Wer sich nicht einbringt, wird auch nichts bewegen – die fünf Vertreter des Jugendparlaments haben bei ihrem Treffen mit dem NK verdeutlicht, dass sie Erwachsenen nicht kleinlaut beigeben.
VON VERA BEIERSDÖRFER Worms ist eine facettenreiche Stadt mit breitgefächertem Kultur- und – sofern Corona keinen Strich durch die Rechnung macht – auch Veranstaltungsangebot. Doch was die Jugendszene angeht, besteht noch immer Nachbesserungsbedarf sind sich die Vertreter des Jugendparlaments (JuPa), die sich in dieser Woche mit dem NK getroffen haben, einig. Die fünfköpfige Abordnung, bestehend aus Schülern, Studenten und Auszubildenden, im Alter von 14 bis 20 Jahren berichtete dabei von ihren Plänen und auch, was sie dafür konkret tun möchten, um diese zu realisieren. „Wir wollen unseren Wählern unbedingt etwas zurückgeben und zeigen, dass wir uns für sie stark machen“, erklärt die 18-jährige Ikhlas Chekaik-Chaila, Vorsitzende des JuPas.
Zunächst möchten die 15 Mitglieder des Gremiums Präsenz zeigen: „Lediglich Flyer verteilen ist nicht unser Ding“, betont der 17- jährige Lars Etzel, Kassenwart, und führt aus, dass neben Vor-Ort-Terminen an Schulen auch die sozialen Medien eine große Rolle spielen, wie Jugendliche mit dem JuPa in Kontakt treten können. Zudem stehen Treffen mit Politikern an, um die Anliegen der Jugendlichen zu transportieren. „Wir vertreten rund 5.500 junge Wormser im Alter zwischen 15 und 21, da gibt es natürlich die unterschiedlichsten Wünsche und Ideen, die den Jugendlichen unter den Nägeln brennen“, weiß der Auszubildende.
Digitalisierung vorantreiben
„Eins unserer Schwerpunktthemen ist das Vorantreiben der Digitalisierung an Schulen“, erklärt die 14-jährige Laura Kraft, Schriftführerin. Vor allem in jüngster Zeit hatte sich für Lehrer, Schüler und deren Eltern gezeigt, wie wichtig es ist, dass Unterricht auch fern vom Klassensaal funktioniert. In Zeiten der Pandemie war das für alle Wormser Schulen eine große Herausforderung.
Die 20-jährige Celine Barthel möchte sich mit dem JuPa zudem für bessere Gefahrenaufklärung bezüglich des Schwimmens im Rhein einsetzen. „Leider kommt es jedes Jahr erneut zu Badeunfällen mit meisten tragischem Ausgang“, so die Studentin, die glücklich ist, dass sie ihr Umfeld immer bestärkt hatte, sich zur Wahl zu stellen. „Meine Familie ist stolz, dass ich mich dazu entschieden habe, meine Freizeit dafür zu nutzen, fleißig zu sein und anderen zu helfen“.
Auch die übrigen anwesenden Mitglieder berichten von großem Zuspruch innerhalb ihrer Familien und Freundeskreise. Viele von ihnen waren bereits in den Schülervertretungen ihrer Schulen engagiert und wollten diesen Einsatz auf die Stadt ausweiten.
Nachtleben kommt in Worms zu kurz
Eine weitere Herzensangelegenheit der JuPa-Mitglieder ist die Schaffung eines Ortes für Jugendliche in der Stadt: „Wir wollen etwas schaffen, dass jenseits eines klassischen Jugendtreffs liegt“, berichten die Jungparlamentarier. Daher seien sie bereits im Gespräch mit einem namhaften Wormser Investor, der dieses Vorhaben unterstützt. Auf einer Fläche von etwa 1.000 Quadratmetern soll mitten in der City ein Begegnungsraum entstehen, der vielseitig genutzt werden kann.
Ob als Meeting-Point, Arbeitsplatz oder auch für Abendveranstaltungen wie Vorträge und Lesungen, unser Raum soll alle Jugendliche ansprechen. „In der Tab etwa haben sich Studenten getroffen, in Jugendtreffs sind es meist auch bestimmte Gruppen, die sich regelmäßig zusammentun, aber das ist nicht unser Ansatz. Unser Raum soll wirklich für jeden interessant sein, egal ob Schüler, Student oder Azubi“, erläutert die 18-jährige Lorena Pinel, Pressesprecherin. So soll es dort auch möglich sein, Feiern und Partys auszurichten und den Saal zu mieten. „Das Nachtleben kommt in Worms einfach zu kurz und ist nicht attraktiv für junge Menschen“.
Nach Diskriminierung – Wir sind lauter
Mit Blick auf die bevorstehende Bundestagswahl soll auch politische Aufklärung ein großes Thema sein. Ein Arbeitskreis erarbeitet derzeit Ideen, wie und wo man mit jungen Wormsern am besten ins Gespräch kommen kann. „Es ist uns wichtig, uns Gehör zu verschaffen und deutlich zu machen, dass in Worms Diskriminierung, Homophobie und Rassismus keinen Platz haben.
Rechte Meinungen werden wir nicht akzeptieren“, unterstreicht Ikhlas. Nachdem die Vorsitzende nach ihrer Wahl leider selbst auf verschiednen Plattformen angefeindet und ehrverletzend beleidigt wurde sind die JuPa-Mitglieder nur noch mehr in ihrem Vorhaben gestärkt, lauter zu sein als diese Stimmen und zu zeigen, dass die Jugend von Worms bunt und vielseitig ist.