Akteure von Kommune, Wirtschaft, Ehrenamt und Bildung erarbeiteten in einem Workshop Projektvorschläge, um junge Geflüchtete auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben zu begleiten und zu unterstützen
Jungen Neuzugewanderten bessere Chancen bieten
Von links: Bildungsdezernent Waldemar Herder, Bildungskoordinatorin Katja Meyer-Höra und Migrationsbeauftragte Sabine Müller präsentieren das von Zeichner Max Höblich (Stadt-Land-Plus) angefertigte Graphic-Recording der Workshop-Aktivitäten.
Mehr als 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus den Bereichen Verwaltung, Zivilgesellschaft, Ehrenamt sowie Wirtschafts- und Bildungspartner erarbeiteten bei einem eintägigen Analyseworkshop Projektvorschläge, um junge Geflüchtete auf ihrem Weg in ein selbstständiges Leben zu begleiten und zu unterstützen. Ein zentrales Anliegen war, die Möglichkeiten des Spracherwerbs auszubauen und gezielt das Erlernen von Fachsprache zu fördern. Simone Ritter, Referentin der Hauptgeschäftsführung der IHK Rheinhessen, stellte in ihrem Vortrag dar, wie man die „Weichen richtig stellen“ kann. Sie erläuterte die Möglichkeiten der IHK für Rheinhessen, Geflüchtete in Praktika, Einstiegsqualifizierung und Ausbildung zu bringen.
Danach stellte Markus Ullrich vom Energieversorger EWR das Programm „EWR hilft“ vor. Hier haben jungen Menschen die Möglichkeit, einen fortgeschrittenen Deutschkurs mit einem Praktikum zu verknüpfen und gleichzeitig sozialen Anschluss unter den Mitarbeitern des EWR zu finden. In drei themenbezogenen Arbeitsgruppen ermittelten die Teilnehmenden im Anschluss, wie die Bildungssituation junger Geflüchteter verbessert werden kann und welchen Beitrag die einzelnen Akteure dazu leisten können. Um Bildungsgerechtigkeit zu erreichen möchte man die Stimme des Netzwerks „Bildungschancen für Geflüchtete 16+“ nutzen, um Erfahrungen aus der Praxis „nach oben“ zu tragen.
Ein konkreter Vorschlag war, jungen Geflüchteten während ihrer Ausbildungszeit zusätzlichen fachbezogenen Deutschunterricht zu ermöglichen, um so die Chancen auf eine erfolgreiche Berufsausbildung zu erhöhen. Ein weiteres Anliegen war es, Angebote für Menschen zu schaffen, die den Weg direkt in die Ausbildung noch nicht finden. Zudem soll es zusätzliche DaZ-Kurse (Deutsch als Zweitsprache) geben, die den Fachwortschatz bestimmter Berufe in den Fokus nehmen und hier gezielt unterstützen. Insgesamt wurde auch der Bedarf nach stärkerer Transparenz über die Angebote geäußert. Die Veranstaltung bot für alle Teilnehmenden eine gute Möglichkeit, sich miteinander zu vernetzen und die unterschiedlichen Arbeitsfelder kennenzulernen. Initiatorin Katja Meyer-Höra, Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte, betonte, dass das Netzwerk „Bildungschancen für Neuzugewanderte 16+“ auch über die Veranstaltung hinaus Bestand haben soll.
Die Aktivitäten während des Workshops wurden durch Graphic-Recording unterstützt: mit anschaulichen Zeichnungen fasste der eigens angereiste Zeichner Max Höblich (Stadt-Land-Plus) Strukturen und Ziele zusammen.
Bildungsdezernent Waldemar Herder zu den Ergebnissen: „Ich freue mich über die große Resonanz des Analyse- und Vernetzungsworkshops und das Engagement der Teilnehmenden. Bei diesem Thema ist es besonders wichtig, dass Fachkräfte sich gegenseitig unterstützen, die geeigneten Bildungsangebote für die Zielgruppe zu schaffen und zu vermitteln. Wir möchten, dass junge Neuzugewanderte in Worms Qualifizierungsmöglichkeiten haben, gesellschaftlich aktiv werden können und in gesuchten Bereichen als Fachkräfte nachwachsen. Dies zu ermöglichen ist eine langfristige gesamtgesellschaftliche Herausforderung.“
Das Bundesprogramm „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für junge Flüchtlinge“ unterstützt die Stadt Worms bei dem Vorhaben der Integration. In diesem Rahmen haben sich bereits im Herbst letzten Jahres die Bildungskoordinatorin für Neuzugewanderte, die Migrationsbeauftragte, sowie die Karl-Hofmann-Schule und das DRK-Berufsbildungswerk zusammengefunden. Ziel ist es, ein Netzwerk zur Förderung von jungen Neuzuwanderern voranzubringen und die Handlungsmöglichkeiten der verschiedenen Akteure zu erweitern. Der Analyse- und Vernetzungsworkshop ist ein zentraler Baustein auf diesem Weg.
Sophie Etzkorn von „Willkommen bei Freunden – Bündnisse für Flüchtlinge“, Programmabteilung Regionalstelle Frankfurt, sagte zur weiteren Zusammenarbeit: „Wir begleiten und unterstützen die Umsetzung der heute erarbeitenden Vorschläge, bieten Fortbildungen für die Akteure in der Flüchtlingsarbeit an und konzipieren Workshops für die geflüchteten Kinder- und Jugendlichen.“
„Willkommen bei Freunden - Bündnisse für junge Flüchtlinge“ ist ein gemeinsames Programm der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung und des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend.