IN EIGENER SACHE: Vermieter kündigt Mietvertrag und verlangt 135 Prozent mehr / Neue Räumlichkeiten werden gesucht
Kapitel Prinz-Carl-Anlage für den NK beendet
Derzeit nehmen Baustellencontainer, Kran und Materiallager zahlreiche Parkplätze weg,. Täglicher Baulärm und schlechte Kommunikation über den Baufortschritt sollen mit einer Mieterhöhung von 135 Prozent „belohnt“ werden. Foto: Florian Helfert
„Ich kann mich noch gut erinnern, als mir Werner Kani im Sommer 2000 die Prinz-Carl-Anlage zeigte, in dem Zustand, wie die hier stationierten US-Truppen die Anlage verlassen hatten. Auf jedem Flur gab es Arrestzellen“, erinnert sich NK-Geschäftsführer Frank L. Meinel.
Einige Monate später ist der Verlag dann, als einer der ersten Mieter, von der Alzeyer Straße in die Prinz-Carl-Anlage 20 umgezogen. Seitdem wurden Teile der Anlage mehrmals verkauft und landeten vor einigen Jahren bei der Prinz-Carl Invest GmbH.
„Wir haben das erst mitbekommen, als sich eine neue Hausverwaltung im Jahr 2020 bei uns meldete und bis Sommer 2023 blieb es dann auch ruhig“, so der Geschäftsführer. Dann meldete sich die Hausverwaltung und teilte mit, der Mietvertrag würde gekündigt werden und der Verlag könne einen neuen Vertrag mit neuen Konditionen eingehen.
Satte Mietpreiserhöhung
„Bei einem dann folgenden Termin mit der Geschäftsführerin der Hausverwaltung, EA Immobilien Kontor, Eva Arens und einem der Geschäftsführer der Prinz-Carl Invest GmbH, Architekt Jörg Deibert, wurde uns angeboten, einen neuen Vertrag mit einer Mietpreiserhöhung von 85 Prozent einzugehen“.
Letztendlich gekündigt wurde der Vertrag von Seiten der Hausverwaltung dann doch nicht fristgerecht, so dass sich der Mietvertrag bis 31. März 2025 verlängerte.
Zweites Treffen enttäuschend
Vor einigen Wochen, im Juni 2024, suchte Verlagsleiter Meinel erneut das Gespräch und fragte bei Jörg Deibert nach einem Termin, um sich über einen neuen Mietvertrag mit den Eigentümern zu unterhalten.
Bestätigt wurde der Termin dann von der Hausverwaltung. „Leider erschien Herr Deibert nicht zum Termin“, so der Verlagsleiter, „was mich doch etwas überraschte, weil ich ihn persönlich um den Termin bat“. Die anderen Geschäftsführer der Prinz-Carl Invest, Christian und Hagen Gutland, waren zuvor nicht bei Verhandlungen anwesend.
Beim Termin erläuterte Eva Arens von der Hausverwaltung dann, dass man es nun für angemessen halte, den Mietpreis zu verdoppeln – und auch die bisher kostenlosen PKW-Stellplätze zu berechnen. „In unserem Falle wären das sage und schreibe 135 Prozent mehr“, rechnet Meinel vor. „Da seit Juni das Gebäude, in dem unsere Büros sind, um zweieinhalb Etagen aufgestockt wird und wir extremen Baulärm durch die vorhandene Baustelle haben, habe ich mich wirklich gefragt, ob dieses Angebot ernst gemeint ist …“
Aber es war ernst. Und auch ein Kompromiss wurde von der Verwaltung im Auftrag der Prinz-Carl Invest rigoros abgelehnt. Wenige Tage später lag dann die Kündigung des Mietverhältnisses im Briefkasten. Dieses Mal fristgerecht.
Baustelle und höhere Miete? Nein danke!
„Für die Bauzeit zum Aufstocken des Gebäudes sind mehrere Monate eingeplant – ein Kran steht vor dem Haus, Parkplätze sind für Kran und Materiallager weggefallen – täglich Baulärm und eine eher schlechte Kommunikation über den Baufortschritt“, sagt Meinel. „Da hat man keine Lust, im nächsten Jahr mit 135 Prozent Mieterhöhung belohnt zu werden.“
Wenngleich es bei gewerblicher Vermietung rechtlich nicht zu beanstanden ist, einen Mietvertrag zu kündigen und einen neuen mit deutlich höheren Konditionen anzubieten, zeigt sich der Verlagsleiter sichtlich über die Art und Weise der Kündigung verärgert. „Entweder man fliegt raus oder nimmt eine erhebliche Kostensteigerung mit einem neuen Mietvertrag in Kauf“, so Meinel. „Ich habe den Eindruck, wir sind nicht die Einzigen, denen dieses Geschäftsgebaren nicht unbedingt gefällt“.
Gebäude verwaist zusehends
Aktuell sind bereits einige Mieter aus der Prinz-Carl-Anlage ausgezogen, haben sich verkleinert oder ziehen in nächster Zeit aus. Auf eine Anfrage, unter anderem mit der Frage, wieviele Mietverträge die Hausverwaltung gekündigt hatte, wollte sich weder die Prinz-Carl Invest GmbH noch die EA Immobilien Kontor detailliert äußern. Auch andere Fragen blieben unbeantwortet.
Eva Arens erklärte lediglich pauschal: „Hinsichtlich der von Ihnen angesprochenen Kündigungen und Preiserhöhungen geben wir zu Kenntnis, dass Gewerbemietverträge mit entsprechenden Optionen frei verhandelbar sind. […] Wenn jetzt aufgrund des Auslaufens der Verträge neue marktübliche Preise angeboten werden, steht es jedem Mieter frei, einen entsprechenden Vertrag einzugehen oder das Mietverhältnis fristgerecht auslaufen zu lassen.“
Viel Leerstand bei Gewerbeflächen
Ob diese Rechnung mit „marktgerechten Preisen“ für die Investoren aufgeht, wird sich zeigen. Bereits heute werden zwei Mietflächen mit nahezu 1.000 qm in der Prinz-Carl-Anlage 20 bei bekannten Immobilienportalen zur Miete angeboten. Außerdem gibt es weitere Angebote mit über 2.000 Quadratmetern Büroflächen anderer Anbieter.
Für Meinel ist das Kapitel Prinz-Carl-Anlage beendet. „Im nächsten Jahr wären wir 25 Jahre hier gewesen – aber eben nicht um jeden Preis und nicht auf diese Art und Weise“ macht er deutlich. Zumal auch in puncto Modernisierung in 24 Jahren lediglich ein neuer Teppichboden verlegt wurde – alles andere blieb auf dem Stand der damaligen Renovierung.
Miete oder Kauf – Angebote willkommen
Auf die Frage, ob es bereits eine neue Heimat für den NK gibt, antwortet Meinel: „Wir sind optimistisch, etwas Neues zu finden und hoffen, spätestens ab April 2025 in neuen Räumen zu sein“.
Circa 500 Quadratmeter Bürofläche sollen es sein – Miete oder Kauf – beides käme infrage, sagt Meinel. Als Standort möchte der Verlag auch weiterhin in Worms oder stadtnah bleiben. Auch ein Gewerbegebiet wäre denkbar. „Hauptsache, es gibt Parkplätze“, so Meinel. Auch eine entsprechend große Immobilie, die man zukünftig zu Bürozwecken nutzen könne, zieht man in Erwägung.
Der Verlagsleiter freut sich auf Angebote – gerne an die E-Mail immobilie@nibelungen-kurier.de