Bundesarbeitsministerin Andrea Nahles spricht bei SPD-Empfang in Pfeddersheim Klartext / Auf Tradition besinnen und für Werte einsetzen
Kein Blatt vor den Mund genommen
Der erste, aber hoffentlich nicht der letzte Besuch. Bundesministerin Andrea Nahles am Sonntag in Pfeddersheim. Foto: Steffen Heumann
VON STEFFEN HEUMANN „Ein bedeutendes Jahr, in dem wichtige Weichen gestellt werden”, so Jens Thill, Vorsitzender der SPD Pfeddersheim, bei der Begrüßung der Gäste im evangelischen Gemeindehaus im Rahmen des Neujahrsempfangs am Sonntag nach der musikalischen Eröffnung durch das Akustikduo Blossom.
„Im Gegensatz zu Donald Trump wolle man keine Mauern zu unseren Nachbarn errichten”, verwies Thill mit Blick auf den Pulver- und Johannesturm auf einige Aufgaben im Stadtteil zum Erhalt der Pfeddersheimer Kultur. Das Neubaugebiet auf dem ehemaligen Bundeswehrgelände sei in der Umsetzungsphase. Weiterhin gelte es bezahlbaren Wohnraum als Anreiz für junge Familien zu schaffen. Zudem müsse sich der Standort Paternusschule zum Bildungszentrum für Kinder bis zum Ende der Grundschulzeit werden, führte Jens Thill aus.
Tradition und Selbstbewusstsein
MdB Marcus Held erinnerte sich an viele Empfänge im Stadtteil. Tradition und Selbstbewusstsein wie im Wormser Stadtteil, das seien auch sozialdemokratische Grundlagen, auf die man sich besinnen müsse. Gute Laune, und das trotz der Umfragewerte, sei das Kennzeichnen der rheinland-pfälzischen Delegierten mit Andrea Nahles an der Spitze, erklärte Held. Diese optimistische Grundstimmung gelte sowohl auf Landesebene, wie auch in Berlin, von wo aus sich die Kompetenz in Fragen sozialer Gerechtigkeit und Fortschritt im Wahljahr auf den Bund übertragen müsse, appellierte der Abgeordnete an dem Kampfgeist der Genossen.
Werte verteidigen, für soziale Errungenschaften einstehen
„2016 war ein schwieriges Jahr”, hofft Andrea Nahles, dass der Terror nicht weiter in die Familien getragen wird. „Wenn der Wind der Veränderungen weht, bauen die einen Mauern, die anderen Windmühlen”, zitierte die Bundesministerin ein chinesisches Sprichwort und warb darum, sich an demokratische Grundwerte zu erinnern. „Was ist Deutschland ohne Europa”, so Nahles, die erklärte, dass es selbst einem starken Land nicht gelungen kann, alleine die eigenen Werte zu verteidigen. Soziale Errungenschaften, aber auch wirtschaftliches Know-how und eine funktionierende Demokratie, dafür müsse man einstehen.
Insgesamt werde das Land gut regiert, zeigte sich Nahles davon überzeugt, dass es am Ende des Jahres Parteien aus dem rechten Spektrum nicht gelingen werde, aus Ängsten Stimmen zu machen. „Wir haben verstanden, dass die Menschen mehr Sicherheit wollen”, betonte die Ministerin, die es sich gerne noch zur Aufgabe machen möchte, die Teilzeitfalle für Frauen aufzuknacken oder jungen Menschen in Arbeit eine vernünftige Perspektive zu bieten, damit durch durch das Handicap dauerhaft befristeter Verträge die Familienplanung nicht in der Warteschleife hängen bleibt.
Keine Ängste schüren, aber auch nicht jammern
Mit Bezug auf die Rente unterstrich Nahles, dass jetzt mehr denn je deutlich gemacht werden müsse, welch enormer Anstrengungen es bedürfe, diese zu sichern.Es sei unerlässlich, sich konkret mit der Frage der Zunft der Arbeit zu beschäftigen, wenn die Demographie stärker auf Digitalisierung trifft. Das Ende der Arbeit, Jobs fallen weg? „Bullshit”, redete die Ministerin Tacheles und verwies auf den höchsten Stand an Beschäftigten seit Bestehen der Bundesrepublik. Man dürfe nicht weiter weiter die Ängste der Menschen vor der zunehmenden Automatisierung schüren, sondern müsse schauen, wo Beratung und Weiterbildung notwendig seien, um die Menschen weiter zu qualifizieren, so die Arbeitsministerin. Gemeint seien explizit Menschen, die in Arbeit stünden. „Zuversicht statt Unsicherheit”, forderte Andrea Nahles auch für das Wahljahr 2017. „Es sei nicht ausreichend am Tag nach der Wahl darüber zu jammern, was andere entscheiden haben”, appellierte Nahles unmissverständlich, dass man schon selbst „den Arsch hochbekommen müsse”. Denn jede Stimme zähle …