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  • Di., 15. September 2015, 18:02 Uhr
    Der neue Flächennutzungsplan „2030“ der Stadt Worms beinhaltet Siedlungserweiterungen in der Größe von rund 100 Fußballfeldern

    Keine Industrieflächen mehr, dafür aber 75 Hektar neue Wohnbebauung

    Das Salamandergelände ist eine der letzten innerstädtischen Industriebrachen. Foto: Gernot Kirch


    Von Gernot Kirch Ein Flächennutzungsplan gibt die grobe Richtung vor, wie und auf welchen Gebieten sich eine Stadt weiterentwickeln soll. Als Steuerungselement ist darin festgehalten, wo zukünftig etwa Wohnhäuser gebaut oder Gewerbeansiedlung erfolgen soll. Aber auch Areale für Naherholungsgebiete, Hochwasserschutz oder Ackerland werden festgeschrieben. Eine Feinausplanung erfolgt hier noch nicht, dies ist Bebauungsplänen vorbehalten.

    Handlungsbedarf in Worms

    Der Flächennutzungsplan der Stadt Worms stammt aus dem Jahr 1978 und ist einer der ältesten in Rheinland-Pfalz. Seit Jahren wird von der Verwaltung an einem neuen gearbeitet. Der Aufstellungsbeschluss dieser Gesamtfortschreibung geht auf das Jahr 2001 zurück. Die größten Diskussionen gab es in den Jahren 2012 und 2013 um das 100 Hektar große Gewerbegebiet „Hoher Stein“ zwischen Worms-Pfeddersheim und Heppenheim. Nach großen Bürgerprotesten war es letztlich der Fund einer Feldhamsterpopulation, die das zukunftweisende Projekt stoppte. In der Folge wurde der „Hohe Stein“ als potentielles Gewerbegebiet aus dem Flächennutzungsplan der Stadt Worms gestrichen. Die rund 100 Hektar werden Ackerland bleiben.
    Der Flächennutzungsplan wurde überarbeitet und die entsprechende Variante im Stadtrat im Jahr 2014 angenommen. Anschließend erfolgt die Offenlage im Rathaus, sodass Bürger die Pläne anschauen und gegebenenfalls Änderungsvorschläge einbringen konnten.

    Knappes Ergebnis

    In der vergangenen Woche stimmte der Bauausschuss über den sogenannten Flächennutzungsplan „2030“ ab. Heftig umstritten war bis zuletzt ein potentielles Baugebiet in Wiesoppenheim mit der Bezeichnung „Wie12A“. Hierzu gab es für den Flächennutzungsplan einen Änderungsantrag im Bauausschuss, dieser endete mit 9:9 Stimmen unentschieden. Da die Stimme des Ausschussvorsitzenden, Baudezernenten Uwe Franz, in solch einem Fall doppelt gewichtet wird, war der Änderungsantrag abgelehnt.
    Im Anschluss an diesen Antrag wurde über den gesamten Plan abgestimmt. Hier votierten neun Mitglieder dafür, sieben enthielten sich und zwei waren dagegen. Somit wird dem Stadtrat empfohlen, dem Flächennutzungsplan „2030“ zuzustimmen.

    Stadtrat entscheidet

    Der Flächennutzungsplan „2030“ wird Thema auf der nächsten Stadtratssitzungen am 30. September sein und dort zur entscheidenden Abstimmung kommen. Die Grünen haben in einer Presseinformation schon mitgeteilt, dass sie mit dem Baugebiet „Wie12A“ nicht einverstanden sind. Sie präferieren das Gebiet „Wie11“ ebenfalls in Wiesoppenheim, was wiederum Uwe Franz nicht nachvollziehen kann, da es sich dabei um eines der letzten naturbelassenen Areale im Eisbachtal handelt.

    Kein Platz für neue Firmen

    Betrachtet man den Flächennutzungsplan „2030“ als Ganzes, müssen hauptsächlich zwei Dinge auf den Prüfstand, dies sind Baugebiete und Gewerbeflächen. Nach dem Wegfall des Gewerbeparks „Hoher Stein“ besitzt Worms keine nennenswerten, potentiellen Flächen mehr da, auf denen Firmen angesiedelt werden könnten. Folgerichtig können im dem Flächennutzungsplan auch keine größeren mehr ausgewiesen werden. Damit ist wirtschaftliches Wachstum von Worms, speziell durch Industrieunternehmen, nicht mehr oder nur noch sehr begrenzt möglich. Selbst mittlere Firmen benötigen zwischen fünf und zehn Hektar Gewerbefläche, die Worms nicht mehr zur Verfügung hat.
    Der durch den Hamster erzwungene Verzicht auf den „Hohen Stein“ wird so langfristig negative Auswirkungen auf die ökonomische Entwicklung von Worms haben. Die zuständigen Stelle für Wirtschaftsentwicklung müssen sich nun auf eine „qualitative Ansiedlung“ konzentrieren. Dies können etwa Büros, Agenturen oder Institute für Forschung & Technologie sein. Ob dies allerdings gelingt, bleibt aber abzuwarten.

    100 Fußballfelder Wohnraum

    Viel positiver sieht es bei der geplanten Erschließung mit Baugebieten aus, was auch wichtig ist, das die Nibelungenstadt nach wie vor von der Bevölkerungszahl her wächst. Worms wird als „Schlafstadt“ für Pendler ins Rhein-Main oder Rhein-Neckar-Gebiet immer interessanter. Und dies auch, weil hier Mieten und Baupreise noch erschwinglich sind.

    Insgesamt erlaubt der neue Flächennutzungsplan 75 Hektar neues Bauland zu erschließen. Die neuen Gebiete sollen relativ gleichmäßig über die Kernstadt sowie die 13 Vororte verteilt werden, denn prinzipiell gilt für Worms weiterhin der Grundsatz der Innen- vor der Außenentwicklung. Uwe Franz erklärte gegenüber dem NK, dass es sich bei den neuen Baugebieten überwiegend um die Erweiterung bereits bestehender Flächen handelt. Wichtig bei der Entwicklung sei auch, es ist beabsichtigt, auch günstigen, bezahlbaren Wohnraum zu schaffen. Alleine in der City stehen elf Hektar Fläche zur Bebauung bereit.

    Übergeordneten Behörden

    Die Stadt Worms hat bei der Festlegung des Flächennutzungsplans keine Handlungsfreiheit, sondern muss sich an die Vorgaben der übergeordneten Planungsgemeinschaften halten. In Bezug auf Worms ist dies die Metropolregion Rhein-Neckar sowie Rheinhessen-Nahe.

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