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  • So., 09. Februar 2014, 09:22 Uhr

    Kelsey Klamath – eine hinreißende Interpretin und Autorin

    Ihre Stimme, nur von  akustischer Gitarre begleitet, verführt als Geräusch einer Reise, die dem Trittbrettfahrer noch nicht aussichtslos vorkommt. Meist amerikanische Songs aus magisch - besseren Tagen, da noch handgemacht Musik Alltagsgrau farbenfroh bereicherte, fasziniert Ohrenzeugen im übervollen Kleinkunstkeller. – Kelsey Klamath flirtet als Britin, die vor dreizehn Jahren unter die Deutschen fiel, im zeitlosen Mythenland poetischer Hits. 

    Those were the days
    Mit „Those were the days“ erinnerte sich  Folksängerin Mary Hopkin im heißen August 1968 eines russischen Volkslieds und konkurrierte mit „Hey Jude“ der Beatles um Platz Number-One. Jede revolutionäre Regung bedarf nostalgischer Schwärmerei. Deshalb summte Moskau 1917 die gleiche Weise wie Swinging London während hoffender Studentenrevolte. Und deswegen darf Kelsey mit wallenden Locken, ironischem Lächeln auch Knöpfe einer längst verstaubten Jukebox bedienen. Selbst abgegriffene „Evergreens“ klingen aktuell, haucht doch ein gegenwärtiger Mund Ohrwürmern putzmunter neues Leben ein. – Hörer pflichten liebend gerne Petula Clark bei, die damals schon wusste, dass „Downtown“ immer Gegenwart pulsiert. Und jeder, der 1976 Radio hörte, zieht heute noch mit Harpo  „Blue Jeans“ an, die nie zu eng geworden zwicken. – Temperamentvoll öffnet Kelsey angerostete Tonkonserven, kocht den Inhalt aber neu auf. So irrt, wer ihre Show als „Oldieabend“ kritisiert.


    Kino im Kopf entfesselt Mrs. Robinson, die nicht nur für Dusitin Hoffman zarte Nylons über schlanke Beine streift. Simon and Carfunkle schufen den Soundtrack zum Kultfilm „Reifeprüfung“, der ja auch mit „Scarborough Fair“ spätmittelalterliche Erotik wieder entdeckt. – Sinn, weil er sinnlich hervorgebracht, betört und so fließen eben ewig Tränen mit „What have they done to my song“. Meine gerührte Nachbarin war nicht mal geboren, als die aus Prag stammende Melanie Safka so melancholisch zweifelte. Gefühle, so kitschig sie anmuten, sind menschlicher Mörtel selbst unwirtlicher Häuser. „Goodbye, Ruby Tuesday“ flüsterte Melanie damals - und jetzt eben Kelsey weit intensiver als es Autor Mick Jagger je vermochte.

    Mut zur Schnulze
    Kein Lagerfeuer loderte, wo nicht John Denvers „Take me home, Countryroads“ Heimatlose einte. – Es erfordert Mut, sich solcher Schnulze zu stellen. Auch wenn aufgefordert das werte Publikum einstimmt, um spätestens mit „Montain Mama“ etwas „West Verginia“ nach Guntersblum zu berufen.


    Mutiger allerdings ist es nach über einer Dekade „Liveacts“ auf Deutschen Bühnen zu bekennen: „Es dauerte so lang, ehe ich eigene Songs schrieb.“ – Sehr sympathisch, wie Kelsey das rüber bringt, denn die Geste huldigt auch grandiosen Kompositionen, die sie bislang eigenwillig coverte. – Augenzwinkernd frotzelt „Let’s Write a Song“ vom quälendem Spaß, Lieder zu schreiben. Und wenn „It’s a Yeehaa Song“ durchaus vorhandene Liebe zu Country-Charts illustriert, gesellt sich lüstern Selbstironie in zuvor unantastbare Klischees. 

    Eine hinreißende Interpretin reift zur Autorin. „Roundabout“ verblüfft als Skizze eines Wintertages, wo aus blauem Himmel Unerwartetes schockiert. Ein grandioses Lied erzählt Fremd-Vertrautes anders, weil das, was jedem ständig geschieht, dank dieser variable Stimme glaubhaft wird. – Verückterweise bedürfen gerade Menschen am Wendepunkt ihrer Erinnerung. Davon berichtet Kelseys neues Album „From Chocolate to Whiskey“. Vielleicht landet es in keiner Hitparade ganz oben. Diese Erstlingswerke werden aber Hörer finden, weil sie mit Geschichten ermuntern, selbst zu sprechen, zu singen…

    Zugaben klagen nimmermüde Hände ein. Dass Kelsey mit Ralph Mc Tell zum Finale auffordert, den alten Mann in „The Streets of London“ zu achten, bestätigt das humane Credo der authentischen Unterhaltungskünstlerin. - Danke dafür. Wiederkommen!

     

     

     

     

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