Das kreative Vater-Tochter-Gespann bei der Vernissage zu ihrer ersten Doppelausstellung. Foto: Robert Lehr
Von Vera Beiersdörfer Wer kennt ihn nicht – den inneren Schweinehund? Eine faule Ausrede, dies oder jenes nicht zu tun, hat ein jeder schnell parat. Und wenn sich keineeinigermaßen plausible Entschuldigung mehr finden lässt, ist eben das Wetter schuld daran, manche Dinge nicht zu tun und anderen dafür den Vorzug zu geben.
So gab auch Alessandro Balzarin, der den meisten Wormsern als Sandro bekannt ist, unverhohlen zu: „Ich leide unter Akrasia – oder zu Deutsch Willensschwäche“.Damit sei auch zu entschuldigen, dass seine ausgestellten Werke nicht zahlreicher seien, witzelte der Bildjournalist während derEröffnung zur Doppelausstellung, die er gemeinsam mit Töchterchen Julia Isabella auf der Galeriefläche im Oberen Foyer des WORMSERnoch bis Ende des Monats zeigt. Auch die Vernissage-Besucher wurden sogleich mit in die Ausstellung eingebunden und deren beliebtesten Ausreden an einer Pinnwand verewigt.
Unter dem Titel „Der innere Schweinehund“ präsentiert Sandro provokante Exponate, wie etwa kurz angeleinte Redaktionsdackel. Der Seitenhieb in Richtung einer lokalen Tageszeitung, für die Sandro jahrelang freiberuflich tätig war und die in seiner Skulptur im wahrsten Sinne im Hintern steckt, sitzt und ist gewollt, sollen seine Exponate doch unverblümt den Spiegel vorhalten.
Für seine künstlerische Gesellschaftskritik verwendet Sandro verschiedensteMaterialien wie Metall, Glas und Verbundstoffe, die händisch, aber auch mit modernster Technik bearbeitet werden. Als große Plastik thront sein eigener „Innerer Schweinehund– Akrasia“ in Buddha-Haltung vor allem.
Spielerische Professionalität Wie schon der Titel „Aus der Natur“ verrät, ordnet Julia Isabella natürliche Objekte neu an und stellt sie in einen originellen Zusammenhang. Das farbenfrohe Zusammenspiel von natürlichen Materialien die neu arrangiert auf Bildern der Siebenjährigen in einen spannenden Kontext gesetzt werden erstrahlen als Foto-Glasdrucke.
Gelbe Gerbera vor dunklem Hintergrund und auf Spaghetti gespießte Früchte versetzen die Zuschauer ins Staunen. Kinderleicht und doch hoch professionell scheinen die Werkeder Nachwuchs-Künstlerin zu sein, die sich gewiss nicht von Papa Alessandro in ihr Handwerk reinreden lässt. „Ich war baff, mit welchem Selbstverständnis Julia ihre Bilder arrangiert hat“, freute sich der Fotograf, dass auch die Tochter mit Feuereifer ihre Kreativität auslebt.
Ausstellung kostenlos zugänglich Die Ausstellung ist bis Mittwoch, dem 28. November, von montags bis freitags, jeweils von 10 bis 18 Uhr sowie samstags von 9 bis 12 Uhr zu sehen.Es wird um Verständnis dafür gebeten, dass bei Veranstaltungen im Tagungsbereich die Ausstellung in Ausnahmefällen nicht zugänglich sein kann. Der Eintritt ist frei. Weitere Informationen gibt es unter www.das-wormser.de