VON FLORIAN HELFERT „Im Eck“ ist eine in Rheindürkheims Bürgerschaft umstrittene Leiharbeiterunterkunft entstanden, deren aktueller Bestand auf insgesamt bis zu 70 Plätze ausgebaut werden soll. Um Bedenken und Sorgen sowie Anregungen und Wünsche zu erfahren, hatte Oberbürgermeister Michael Kissel gemeinsam mit Ortsvorsteher Adolf Kessel zu einer Anwohnerversammlung im Hessischen Hof am Freitagnachmittag eingeladen.
Wiederkehrend erläuterten die anwesenden Bürgerinnen und Bürger im gut besuchten Saal ihre nachteiligen Eindrücke von beispielsweise Bierflaschen und Zigarettenstummeln, Wildpinkeln sowie Belästigungen oder auch der Angst davor, belästigt werden zu können. „Wir haben nicht mehr das Herz, abends im Dunkeln auf die Straße zu gehen“, kritisierte ein Bürger. Entsprechend konnte der ehemalige Ortsvorsteher Klaus Martin zusammen mit weiteren Initiatoren auch knapp über 700 gesammelte Unterschriften überreichen, welche sich gegen das Projekt richteten. „Wir möchten eine sich einfügende Unterkunft mit Maß“, appellierte Martin.
Gericht prüft Genehmigung
„Die Frage des genehmigten Baurechtes ist wiederholt geprüft worden“, verwies Oberbürgermeister Michael Kissel auf das Ergebnis der Unteren Bauaufsichtsbehörde als auch der extra angefragten nächsthöheren Instanz in Mainz. Ergänzend fügte Baudezernent Uwe Franz an, dass die bei seinem Besuch im Ortsbeirat geäußerten Bedenken im weiteren Prüfverlauf berücksichtigt worden sind. Gleichwohl habe die Bauaufsichtsbehörde gemäß aller zu beachtenden Paragraphen eine Woche später erteilen müssen – wenn auch unter der Auflage eines zu verbessernden Brandschutzes. Anschließend berichteten die beiden Mitglieder des Stadtvorstandes, dass die kritisierte Genehmigung der Stadtverwaltung aufgrund der bereits eingegangenen Widersprüche nun gerichtlich geklärt werden würde.
Im abschließenden Drittel der über zwei Stunden dauernden Debatte sprach sich Oberbürgermeister Michael Kissel dafür aus, die geplante Belegung nicht vollständig auszureizen. Außerdem wolle er sich im kleineren Gesprächskreis bei den Investoren für einladende Sozial- und Gemeinschaftsräume zum Kartenspielen oder Fernsehen einsetzen. Auch solle noch intensiver darauf geachtet werden, dass das Leben außerhalb des Hauses in für die Anlieger „geregelten Bahnen“ verläuft.
„Sich hier und heute direkt der Kritik zu stellen, ist für private Investoren weder eine Pflicht noch eine Selbstverständlichkeit“, richtete Michael Kissel gegen Ende explizit sein Dank an Sergej Vogel als Eigentümer der Immobilie sowie an Andrej Schwanke als Vertreter der Agero Group. Zudem begrüßte er deren Reaktion auf den aus dem Saal geäußerten Wunsch hin, bei Vorkommnissen ihre „24-Stunden-Telefonnummer“ auch über den Ortsvorsteher hinausgehend zu veröffentlichen. Ein Angebot, das im unmittelbaren Nachgang der Veranstaltung zumindest drei Personen wahrnahmen.
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