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  • Di., 01. März 2016, 10:10 Uhr
    Am 29. Februar spielte der Cellist Thomas Beckmann in der Wormser Liebfrauenkirche zugunsten armer und obdachloser Menschen. 

    Klänge, die das Herz erfüllen

    Foto: Patricia Mangeldorff


    Cello solo? Das hört man nicht oft. Doch schon nach den ersten Klängen dieses Abends fragt man sich, warum. Es sind warme, volle Töne von ergreifender Schlichtheit, die Thomas Beckmann in die Weite des Kirchenschiffes sendet. Werke ganz unterschiedlicher Komponisten wie Vivaldi, Tschaikowski, Kreisler, Couperin, Chaplin, Ravel und natürlich Johann Sebastian Bach stellt er vor. Aber so verschieden sie auch sein mögen – immer erfasst der Klang die zuhörenden Menschen bis in die Tiefe. Mehr denn je hört und fühlt man, dass jeder Ton aus vielen besteht. Und eigentlich bräuchte man viel mehr Zeit, um dem Nachhall der unterschiedlichen Schwingungen zu lauschen.

    Am Ende wird sich erfüllt haben, was Sozialdezernent Waldemar Herder in seinen Grußworten den Zuhörern wünscht: Ein warmes Herz. Gemeint hat er damit die bekanntermaßen etwas frostigen Temperaturen in der Liebfrauenkirche. Aber nicht nur die. Denn es geht an diesem Abend um noch viel mehr.

    Unermüdlicher Einsatz für hilfsbedürftige und obdachlose Menschen
    Seit Jahrzehnten setzen Thomas Beckmann und seine Frau, die Pianistin Kayoko Matsushita, sich mit dem Verein 'Gemeinsam gegen Kälte e.V.' für die Belange hilfsbedürftiger und obdachloser Menschen ein. Unermüdlich gibt der Cellist bundesweit Konzerte und sammelt Spenden für Projekte vor Ort.

    Erlös und Spenden dieses Abends kommen zwei Projekten des Caritasverbandes Worms e.V. für Menschen in Armutslagen und ohne Wohnung und Krankenversicherung zugute: dem 'Gesundheitsladen im Nordend' zur ärztlichen Versorgung und dem 'Krankenzimmer für Wohnungslose', in dem sie in Krankheitsphasen oder nach einer Behandlung betreut werden und in Ruhe genesen können.

    Beides ist ohne Spenden und ehrenamtlichen Einsatz undenkbar. Sozialdezernent Herder wie auch Caritasdirektor Georg Diederich machen dies in nachdrücklichen Dankesworten deutlich. Doch während der Gesundheitsladen seit vielen Jahren eine feste Größe in Worms ist, handelt es sich beim 'Krankenzimmer für Wohnungslose' um ein neues Vorhaben.

    Ehrenamtliche und Spenden – unverzichtbar für die Gesundheitsversorgung
    Caritasmitarbeiterin Tanja Lemper: „Menschen, die ohne Wohnung und Versicherung sind, haben im Krankheitsfall oft keinen Ort, an dem sie mehrere Tage bleiben können, um sich auszukurieren. Wir suchen dann nach individuellen Lösungen – etwa ein günstiges Hotelzimmer oder ein Kurzzeitpflegeplatz; aber das muss alles finanziert werden. Und das geht nur mit Spenden. Zum Glück ist in diesem Jahr bis Ende März die DRK-Herberge für Nichtsesshafte und Wohnungslose auch tagsüber geöffnet, so dass dort bis dann auch jemand zur Genesung bleiben könnte. Aber was kommt danach?“

    Aber ein Dach über dem Kopf allein reicht nicht zur Genesung. Es braucht auch ärztliche und pflegerische Betreuung. Ehrenamtlich tätige Fachleute, die seit Jahren im Gesundheitsladen mitarbeiten, haben schon ihre Bereitschaft zur Hilfe signalisiert. Bei aller ehrenamtlichen Hilfe bleiben dennoch erhebliche Kosten ungedeckt.

    Umso dankbarer sind die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Caritasverbandes für den Einsatz von Cellist Thomas Beckmann. Denn nicht nur der Kartenverkauf hilft bei der zukünftigen Arbeit. Zusätzlich dazu machen die Zuhörenden regen Gebrauch von den ausliegenden Spendenbriefen: Und auch der großzügige Scheck der Stadt Worms, den Waldemar Herder im Auftrag von Schirmherr OB Michael Kissel überbringt, ist mehr als willkommen.

    'Gemeinsam gegen Kälte' – Thomas Beckmann gibt dem Namen des von ihm gegründeten Vereins übrigens augenzwinkernd eine zweite Bedeutung: In Anbetracht der Temperaturen lässt er beherzt die Pause ausfallen, um das Programm zu kürzen. Sogar heißen Tee gibt es. Aber am Ende ist es wohl am allermeisten die Musik, die wärmt. Georg Diederich: „Ihre Klänge haben diesen wunderbaren Kirchenraum erfüllt. Und mehr als das: Sie haben unsere Seelen und unsere Herzen erreicht.“

     

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