
BIBLIS – Die Naturschutzorganisationen MUNA und Wildtierschutz Deutschland haben die Begründung ihrer Klage gegen die Abbruchgenehmigung für die Kühltürme des ehemaligen Kernkraftwerks Biblis beim Verwaltungsgericht Darmstadt eingereicht. Beim Rückbau durch den Energiekonzern RWE wurden rund 400 Mehlschwalbennester zerstört. Die größte Mehlschwalbenkolonie Deutschlands verlor damit ihre angestammten Brutplätze. Als Ersatz sollten acht Schwalbentürme außerhalb des Kraftwerksgeländes dienen. Doch auch in der vierten Brutperiode blieb die erhoffte Ansiedlung aus. Nach Auffassung der Organisationen hätte der Abbruch angesichts der absehbar fehlenden Wirksamkeit dieser Maßnahmen nicht genehmigt werden dürfen. Nach dem Bundesnaturschutzgesetz muss die ökologische Funktion der von dem Vorhaben betroffenen Fortpflanzungsstätten im räumlichen Zusammenhang weiterhin erfüllt werden. Das ist im vorliegenden Fall am KKW Biblis nicht der Fall.
„Artenschutz darf sich nicht darin erschöpfen, Ersatznistplätze aufzustellen und auf deren Annahme durch die Mehlschwalben zu hoffen. Eine hohe Wahrscheinlichkeit der Annahme von vorgezogenen Ausgleichsmaßnahmen muss zumindest fachlich belegt sein“, erklärt Lovis Kauertz von Wildtierschutz Deutschland. Einige Mehlschwalben bauten inzwischen neue Nester an verbliebenen Kraftwerksgebäuden und Hubgerüsten. Diese Standorte bieten jedoch aufgrund glatter Unterlagen und Verkabelung keinen dauerhaften Schutz: Nester können abrutschen oder durch Gerüstbewegungen und weitere Rückbauarbeiten am KKW gefährdet werden.
Wildtierschutz Deutschland fordert deshalb geeignete Nisthilfen und präparierte Flächen für den natürlichen Nestbau an hohen Gebäuden auf dem Kraftwerksgelände. Diese Maßnahmen sollten bis spätestens Mitte März 2027 fertiggestellt sein. Dann kehren die Mehlschwalben aus ihren bis zu 10.000 Kilometer entfernten Überwinterungsgebieten in Afrika zurück nach Biblis. Ziel der Klage ist, die Kolonie in ihrer ursprünglichen Größe wiederherzustellen und langfristig zu sichern. zg
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