Fr., 28. Januar 2022, 13:06 Uhr
OSTHOFEN: Aktionsbündnis „Osthofen hält zusammen“ gegründet / Nächste Aktion am 31. Januar um 17.45 Uhr im Stadtpark
„Klare Kante gegen anonyme Aufrufe zu Spaziergängen“
Seit Wochen melde Patricia Seelig für die jeweiligen Montagabende Demonstrationen in Osthofen an, so sie selbst laut einer aktuellen Pressemitteilung. Der Zulauf zu diesen Demonstrationen sei groß, denn die Empörung über die „Spaziergänge“, gegen die hier demonstriert werden soll, sei deutlich spürbar.
Denn in einschlägigen Messenger-Diensten werde regelmäßig zu „Spaziergängen“ aufgerufen, die sich gegen die aktuellen Coronamaßnahmen richteten. Und dagegen wollen die Initiatoren des neuen Aktionsbündnisses „Osthofen hält zusammen“ um Patricia Seelig „ein Zeichen setzen“, so die PM.
„Natürlich kann man das nicht alles alleine organisieren. Da ist Hilfe und Unterstützung immer willkommen“, erklärt die stellvertretende JuSo-Bundesvorsitzende laut der Mitteilung. Für die SPD im Osthofener Stadtrat, habe sie nicht unbedingt damit gerechnet, dass sich gerade die Fraktionsvorsitzende der Osthofener CDU, Siegrid Loris, an ihre Seite stelle. Und doch eine die Beiden ein wichtiger Punkt: Die Spaziergänger gingen „gemeinsam mit anonymen Organisatoren, die sie weder namentlich noch persönlich kennen“. Man nutze die Verunsicherung und Angst der Bürgerinnen und Bürger, „um in Osthofen Unruhe zu stiften“, zeigen sie sich sicher.
Meinungsfreiheit schützt nicht vor Kritik
Selbst, als Kind in einer Diktatur geboren, empfinde Siegrid Loris die Vergleiche als Beleidigung. „Meine Eltern haben in den Achtzigern bei null angefangen, mit zwei Koffern und zwei Kindern. Das hätten sie auch bleiben lassen können“. Denn auch in der Ceausescu-Diktatur hätten beide Eltern Karriere machen können, nur eben nicht sagen, was sie wirklich dachten. Diese Freiheit habe man in Deutschland, ohne von einem Geheimdienst verhaftet oder erpresst zu werden, so Loris. Natürlich schütze diese Meinungsfreiheit nicht vor Kritik, „aber eben das Leben!“ Deshalb sei, wer die Corona-Maßnahmen mit einer Diktatur vergleiche, für sie „nicht klüger als Jana aus Kassel“.
Die Frage der Impfpflicht sehen die Initiatorinnen eher weniger als das Problem, auch wenn viele gerade deshalb mitgingen. „Das Problem für uns ist die Anonymität!“ so Patricia Seelig, „Niemand will verantwortlich sein für die Versammlung und damit steigt die Gefahr, dass man eben auch neben Rechten und Verschwörungstheoretikern spaziert, obwohl man selbst eigentlich keine solche Meinungen vertritt.“. Auf diese Weise, so vermuten die Gründer des Bündnisses, gingen „nicht nur Rechte nach Anhängern und Wählern fischen“. Das Bündnis möchte den „Spaziergängern“ klar machen, dass ein ehrlicher Mensch mit einem klaren Anliegen, für das er sich nicht schämen muss, „auch sein Gesicht zeigen und seinen Namen sagen kann“.
„Wer Recht will, der muss sich auch an Recht halten“
Auch der zweite Beigeordnete der Stadt Osthofen, Kai Kronauer, unterstütze das Bündnis. Von Anfang an habe er die unangemeldeten Aktionen kritisiert, denn „das Demonstrationsrecht halten die Initiatoren generell für ein hohes Gut und legitimes Mittel der Demokratie“ – aber „Wer Recht will, der muss sich auch an Recht halten, und genau das machen die Spaziergänger nicht!“ erklärt Kronauer. Schon in der Schule habe er sich gegen rechte Gesinnung und Diskriminierung eingesetzt.
Dies sei eine Lebenseinstellung, die er mit Patricia Seelig und Siegrid Loris gemeinsam habe. Eine Einstellung, so sind sich die drei einig, die „jede demokratische Partei teilt und uns auch überparteilich vereint“. Deshalb fänden sie immer noch neue, aktive und vor allem auch kreative Helfer. So designe eine zweifache Mutter die Bilder, die von den Unterstützern in den Sozialen Medien geteilt werden könnten und Freunde kümmerten sich um Organisation und technisches Know-How.
Und deshalb werde auch am nächsten Montag, dem 31. Januar, im Stadtpark von Osthofen eine Veranstaltung des Aktionsbündnisses stattfinden. Ab 17.45 Uhr wolle man dort symbolisch ein Zeichen setzen. Wie und was genau, das wollte das Aktionsbündnis noch nicht verraten. Aber es werden alle Teilnehmenden gebeten, eine Kerze – wegen des Windes möglichst im Glas – mitzubringen.
Aber was sie auch vorhaben, die große Frage an die „Spaziergänger“ wird lauten: „Wissen Sie genau, mit wem Sie da spazieren gehen?“