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Di., 20. August 2019, 10:06 Uhr
ROLF GRADINGER: Polareisforscher zu Gast beim Orden der Freunde des Pfeddersheimer Weins im Sängerheim
Klein aber fein – die Wunderwelt der polaren Mikroorganismen
Rolf Gradliniger ist Meeresbiologe und Polareisforscher und konnte in Pfeddersheim einen guten Einblick in seine Tätigkeiten geben.
Wieder einmal konnte der Vorsitzende des Ordens der Freunde des Pfeddersheimer Weins, Günter Bleise, im nahezu voll besetzten Sängerheim den aus Pfeddersheim stammenden Meeresbiologen und Polareisforscher Prof. Dr. Rolf Gradinger und zahlreiche Gäste begrüßen. Der Referent ist Autor verschiedener Polareispublikationen, lebt heute in Tromsö (Norwegen) und ist an der dortigen Universität als Professor tätig. Er war Organisator und Teilnehmer an verschiedenen Polarexpeditionen u. a. auf dem deutschen Forschungsschiff „Polarstern“.
Details über Meeresbiologie
Die Gäste erfuhren nun im Verlaufe des Abends quasi aus erster Hand viele Details aus der interessanten Tätigkeit des Meeresbiologen und Polareisforschers und nahmen zur Kenntnis, dass im arktischen Meer eine ungeheure Vielfalt von Kleinstlebewesen existiert, wie z.B. Pfeilkrebse, Schnecken und Quallen. Aber was ist die Nahrungsbasis dieser Tiere? Es gibt ja im Meer keinen Wald, keine Bäume; aber es befinden sich am Meeresboden verwurzelte Algenwälder, auch als Tang bezeichnete Makroalgen. Diese breiten sich in den Küstenbereichen der Meere aus und liefern die Nahrungsquelle der oben beschriebenen Lebewesen. Aber fernab der Küsten gibt es diese Nahrungsquellen nicht mehr und doch lebt auch im arktischen Meer eine nur unter dem Mikroskop zu erkennende Vielzahl von Mikroben. Unzählige winzige Algen, Bakterien, Pilze und Wimperntierchen besiedeln die kleinen Hohlräume innerhalb des Meereises, nur wenige Millimeter große Ruderfußkrebse und Nacktschnecken fressen sich quer durch diese „saftigen Weiden“. In nur einer Kaffeetasse Eiswasser haben Polarforscher über 7 Milliarden Bakterien und einige Millionen Algen nachgewiesen. Diese Eisalgen stellen 30 Prozent der gesamten Jahresmenge pflanzlicher Biomasse der Polarmeere. Krebse, Fische, Wale und Robben hängen direkt vom Nahrungsangebot in und an den Eisschollen und Packeisflächen ab. Staunend vernahmen die Zuhörer, dass der Sauerstoff eines jeden zweiten Atemzuges aller Menschen von Meeresalgen erzeugt wird, beeindruckt registrierten sie die Fotos über die Nano-Formenvielfalt von Kieselalgen unter einem Mikroskop. Dieser Algen Typ, den man auch als Diatomeen bezeichnet, zählt rund 6000 Arten und generiert ein besonders bemerkenswertes Gefrierschutzprotein, das auch für die chemische Industrie interessant ist. Aber leider es gibt auch schlechte Eigenschaften der Mikroalgen, wie etwa die Blüte einer Killeralge, deren Gift die Kiemen von Fischen beeinträchtigt und diese deshalb wegen Sauerstoffmangels oder an diesem Gift sterben.
Nach einer kurzen Vorschau über seine nächste Expedition mit dem Forschungsschiff „Polarstern“ nach Spitzbergen „Auf den Spuren des norwegischen Polarforschers und Ozeanograf Friedyou Nansen“ (1861 bis 1930), verabschiedete sich der Referent und freute sich sichtlich über die Reaktionen des Publikums und dessen Applaus, aber auch über die von Günter Bleise übermittelten Dankesworte inklusive einer Flasche Eiswein.