
Von Florian Helfert › In den vergangenen Jahren hat die aus dem Mittelmeerraum eingeschleppte Große Drüsenameise (Tapinoma magnum) in Süddeutschland zunehmend für Aufregung gesorgt. So kam es in Kehl bereits zu Stromausfällen, weil sie ihre Nester auf elektrische Anlagen ausbreitete, wie unter anderem das Staatliche Museum für Naturkunde Stuttgart (SMNS) berichtet, welches mit weiteren Institutionen Strategien zur Bewältigung der aggressiven Invasion entwickeln möchte.
Denn eines steht fest: Die invasive Art breitet sich aus und bildet Superkolonien, welche aus Tausenden (!) fortpflanzungsfähigen Königinnen und Millionen Arbeiterinnen bestehen können. Indem sie heimische Arten verdrängen, wovon es rund 120 gibt, gelten sie für die hiesige Fauna und deren ökologisches Gleichgewicht als eine ernsthafte Bedrohung.
Obendrein kann Tapinoma magnum bauliche Anlagen schädigen. Gepflasterte Wege, Spielplätze, Parkanlagen sind besonders betroffen. Da die Ameisen Pflastersteine und Fundamente untergraben – deren langfristige Stabilität dann auf tönernen Füßen steht – können die Schäden immens sein. Kurzum: „Tapinoma magnum hat tiefgreifende Auswirkungen auf lokale Gemeinden“, bilanziert Prof. Dr. Ricardo Pereira in einer Pressemitteilung des Stuttgarter Naturkundemuseums.
Auch im Nibelungenland sind die Plagegeister bereits aktiv. Nach Hohen-Sülzen und Flörsheim-Dalsheim trifft es jetzt auch Bobenheim-Roxheim.
Foto: Gemeindeverwaltung Bobenheim-Roxheim
Wie die Gemeindeverwaltung Bobenheim-Roxheim jüngst online erklärt hat, wird die invasive Art umweltschonend unter Verzicht auf chemische Mittel bekämpft. Stattdessen wird auf Heißwassertechnik gesetzt, bei der Ameisennester gezielt mit heißem Wasser und Maisstärke behandelt werden. Die Anschaffung eines eigenen Spezialgeräts wird von der Verwaltung geprüft, sodass die Gemeinde künftig die Bekämpfung eigenständig durchführen kann, sobald neue Nester entdeckt werden.
Als Sofortmaßnahme ist vorerst eine Firma mit der Heißwassermethode beauftragt worden, welche seit Anfang Juli im Einsatz ist. Das von der Gemeinde beauftragte Unternehmen wird kurzfristig die ersten öffentlichen Brennpunkte angehen.
Ein entscheidender Bestandteil der Maßnahme ist die frühzeitige Erkennung neuer Nester – und hier kommt die Bürgerschaft ins Spiel: Die Gemeindeverwaltung bittet, auf verstärkte Ameisenaktivität zu achten und entsprechende Funde per E-Mail an ameisen@bobenheim-roxheim.de zu melden. Jede Rückmeldung hilft, gezielte Einsätze zu koordinieren.
Parallel hierzu finden in den nächsten Wochen Quartierbesuche statt, um mit den Anwohnern über geplante Maßnahmen zu sprechen.
Weitere Informationen unter www.bobenheim-roxheim.de
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