HEPPENHEIMER WIESEN: Neues Refugium für Pflanzen und Tiere
Kleiner Schritt, großer Beitrag
Die NABU-Projektleiter Jürgen Schröhoff, Udo Christiansen und Irene Conen-Alfter stellten die Pflanz-Maßnahmen vor. Foto: Rudolf Uhrig
Was haben Worms-Heppenheim und der US-Bundesstaat Virginia gemeinsam: die Hartriegelpflanze. Während der Cornus im Wappen immer blüht, wird es nun im Wormser Vorort im Mai und Juni so weit sein. Zu ihm gesellen sich Wildrosen, Faulbäume, Pfaffenhütchen und über ein Dutzend weitere Sträucher, Gehölze und Hecken. Der NABU Worms-Wonnegau hat in den kleinteiligen Parzellierungen entlang der schmalen Eisbachaue und der Wormser Landstraße begonnen aufgrund der Gewährung von Fördermitteln aus der Stiftung Natur und Umwelt Rheinland-Pfalz mit Beteiligung der Stadtverwaltung Worms, Abteilung Umweltschutz und Landwirtschaft „aufzuforsten.“
Artenreiches Grünland soll entstehen. Der Begriff biologische Vielfalt steht in diesem Falle nicht nur für Artenvielfalt, sondern auch für die Vielfalt der Lebensräume und die Vielfalt der vorhandenen genetischen Ressourcen, die das Überleben und Anpassen von Lebewesen absichert.
Nach der Beratung durch den Eicher Wolfgang Reich von der Unteren Naturschutzbehörde wurden dieser Tage von der Bio-Gärtnerei Strickler aus Alzey auf rund 5.000 Quadratmetern Ackerland drei Flächen im Gewann „Dörrwiesen“ im Südosten von Heppenheim mit heimischen Schutzhecken bepflanzt
Die NABU-Projektleiter Jürgen Schröhoff, Udo Christiansen und Irene Conen-Alfter stellten die Pflanz-Maßnahmen vor. Nach dem Kauf der Parzellen von einem ortsansässigen Landwirt wurde der nährstoffreiche Boden durch eine letzte Getreide-Einsaat, natürlich ohne Dünger, Nitrat, Herbizide, Insektizide und Fungizide ausgemagert. Im Spätherbst brachte dann der Herrnsheimer Landwirtschaftspflegebetrieb „RestitutionsÖkologie Brauner“ Heumulch artenreicher Wiesen aus lokaler und regionaler Herkunft aus. Dabei ist sichergestellt, dass nicht nur zusätzlich Pflanzensamen, sondern auch viele Insekten, deren Eier und Larven die Biodiversität erhöhen.
Um die Aufmerksamkeit für das Thema zu steigern, hatten die Vereinten Nationen 2010 zum Internationalen Jahr der biologischen Vielfalt ausgerufen; mittlerweile sind 189 Staaten dem Übereinkommen zur biologischen Vielfalt beigetreten. Einen kleinen Teil möchte NABU mit diesen artenreichen Wiesen und Sträuchern, die nachweislich zu den Biodiversitäts-Hotspots zählen, beitragen. Neuer Lebensraum für Insekten, Spinnen, Vögel, Kleinsäuger und weitere Tierarten soll dadurch entstehen. Je nach Angebot durch die örtliche Landwirtschaft ist beabsichtigt, auch in den Folgejahren weitere Grundstücke zu erwerben und aufzuwerten.
Ortsvorsteher Alexandros Stefikos freute und begrüßte die Maßnahme. Er verwies auf die Historie, denn der im Südwesten gelegene Wormser Vorort im Eisbachtal hieß bis zu seiner Eingemeindung 1969 „Heppenheim an der Wiese.“
Ein Großteil der damaligen Wässerwiesen wurde zu Ackerlang umgewandelt und die ehemals vorhandenen Bewässerungsgräben verfüllt. Er könne sich vorstellen, dass durch Hinweistafeln mehr Bewusstsein und Interesse für solche Aktivitäten geweckt werden. Durch Zuschüsse ist auch die Pflege für die nächste Zeit sichergestellt.