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  • Fr., 02. August 2019, 14:59 Uhr
    Wormser Klimaschutz verfehlt bislang Ziele / Grüne beantragen Maßnahmenbündel im kommenden Stadtrat

    Klima- und Hitzevorsorge forcieren

    Den Temperaturanstieg Deutschlands der Jahre 1881 bis 2018 veranschaulicht die Graphik des britischen Klimawissenschaftlers Ed Hawkins auf einen Blick: Umso dunkler das Rot eines Streifens, desto heißer das Jahr. Graphik: #ShowYourStripes (www.showyourstripes.info)


    VON FLORIAN HELFERT Im Stadtrat am Mittwoch, dem 14. August, werden die Grünen beantragen, den Klimanotstand auszurufen. „Mittlerweile sieht jeder“, so Fraktionsvorsitzender Richard Grünewald in einer Pressekonferenz am Donnerstagnachmittag, „dass die Hütte brennt“. Dennoch würden gesteckte Ziele leider weiterhin global, national und auch lokal verfehlt werden.

    „Festzustellen ist, dass die im Wormser Klimaschutz und Energieeffizienz KLIK genannten Ziele bisher nicht erreicht worden sind“, behauptete Grünewald. Angesichts der in den vergangenen Jahren auch vor Ort deutlich spürbar gewordenen Hitze- und Dürreperioden, Starkregen und Überschwemmungen sprach er sich dafür aus, auf Landesebene Maßnahmen gegen den Klimawandel als Teil der kommunalen Daseinsvorsorge anzuerkennen.

    Mehr Hitzetode zu erwarten

    Allein in Berlin und Hessen sind im vergangenen Hitzesommer über 1.200 Menschen an den Folgen der Hitzewelle gestorben. Die Zahlen stammen nach Angaben des Wormser Mediziners und Grünen Patrick Obenauer aus einer Studie des renommierten Robert-Koch-Institutes. „Und die World Medical Association hat die nationalen Ärzteverbände dazu aufgerufen, Klimawandel und Gesundheit als prioritäre Aufgabe auf die Agenda zu setzen“, merkte Obenauer besorgt an.

    Millionenschäden für Wirtschaft

    Auch für die Wirtschaft sind die Auswirkungen des Klimawandels spürbar. Beispielsweise schränkte das Niedrigwasser in 2018 die Binnenschifffahrt auf dem Rhein ein. „Der hierdurch entstandene Schaden für die BASF wurde auf 250 Millionen Euro beziffert“, informierte Grünewald einen weiteren Grund, stärker zu handeln.

    „Wir möchten deshalb eine Reihe von Maßnahmen initiieren sowie die Umsetzung erarbeiteter Konzepte forcieren, die das Klima schützen und die Folgen des Klimawandels eindämmen sollen“, sagte Grünewald. Nach dem Muster der demographischen Auswirkungen fordern die Grünen daher auf jeder Beschlussvorlage des Stadtrates künftig ab 2020 eine Folgenabschätzung für das Stadtklima.

    Mehr Mittel für Radverkehr freimachen

    Außerdem sollen ab 2020 jährlich zwölf Euro pro Einwohner*in in die Förderung des Radverkehrs fließen, um den CO2 -Ausstoß im Verkehrssektor zu reduzieren. „Amsterdam und Hamburg investieren zum Vergleich jedes Jahr pro Einwohner zehn und Kopenhagen sogar 35 Euro“, rief Grünewald dazu auf, in Sachen Radverkehr aufzuholen.

    Als weitere, direkte Maßnahmen möchten die Grünen die Verwaltung beauftragen, sowohl eine Baumschutz- als auch eine Vorgartensatzung zu erarbeiten. Beides verbessere das Mikroklima einer Stadt. Ergänzend sollten 500 Bäumen innerhalb von drei Jahren gepflanzt und in jedem neuen Bebauungsplan öffentliches Grün festgeschrieben werden.

    Infrastruktur auf Klimawandel ausrichten

    Darüber hinaus werden die Ortsbeiräte aufgefordert, sich zeitnah mit dem Thema Starkregen zu befassen und bis Ende des nächsten Jahres Maßnahmen vorzulegen. Ferner soll die Verwaltung prüfen, ob der Wormser Katastrophenschutz für klimabedingte Schadensereignisse vorbereitet ist. Obendrein möchten die Grünen die Verwaltung beauftragen, öffentliche Gebäude so zu planen, dass Photovoltaik entweder direkt oder später genutzt werden könnte. Zu guter Letzt gelte es, solche Infrastrukturen beständiger gegen die zunehmende Hitze zu machen, die speziell von Kindern, Kranken und Senioren genutzt werden.

    „Mittels der Maßnahmen können wir eine noch bessere Stadt für unsere Bürgerinnen und Bürger entwickeln“, zeigte sich David Hilzendegen von der Initiative seiner Partei gegen Ende der Pressekonferenz überzeugt.

    Weitere Infos unter www.gruene-worms.de

     

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