ZUCKERRÜBE: Durchbruch in der Erforschung der Schilf-Glasflügelzikade / Promotionsstipendium fördert junge Forscher
Klimawandel verbreitet neue Schädlinge
Zuckerrübenanbauer, Vertreter von Verbänden und Hochschulen informieren sich heute in Roßdorf bei Darmstadt über Möglichkeiten des biologischen Insektenmanagements Foto: Chr. Lang
Der Vorstandsvorsitzende der Stiftung Südwestdeutscher Zuckerrübenanbau mit Sitz in Worms, Erhard Kunz konnte heute anlässlich einer offiziellen Vorstellung aktueller Forschungsschwerpunkte auf einem Rübenfeld in Roßdorf, Südhessen positive Nachrichten verkünden: Es sei gelungen, den ersten Artikel zur Schilf-Glasflügelzikade und SBR im deutschen Raum in einer wissenschaftlich renommierten Fachzeitschrift zu platzieren.
SBR verursacht Vergilbungssymptome und Leitbündelverbräunungen, die den Zuckergehalt der Rüben um 30 bis50 Prozent reduzieren und wird durch die Schilf-Glasflügelzikade übertragen. Seit Kurzem sind die wissenschaftlichen Ergebnisse aus der Justus-Liebig-Universität in Gießen für die Öffentlichkeit freizugänglich auf der Webseite des Journals „Insects“ hochgeladen.
„Jetzt können sich alle Forschenden sowie Saatzucht- und Pflanzenschutzfirmen ein besseres Bild von dem neuen Schädling machen und mit uns gemeinsam nach Lösungen suchen“, schilderte Kunz den Fortschritt im Sinne der Zuckerrübenanbauer in den südwestdeutschen Bundesländern. Der Artikel zeigt Ergebnisse zum Monitoring der Schilf-Glasflügelzikade und deren Infektionsrate mit SBR-Erregern an mehreren Standorten in Rheinland- Pfalz und Hessen für 2020 und 2021 und beschreibt eine neue, effiziente Nachweismethode für die SBR-Erreger. Damit kann jetzt untersucht werden, wie viele Erreger in einer Pflanze vermehrt werden. „Wir sind mit Prof. Dr. Vilcinskas, der die Promotion von Sarah Behrmann betreut, einig, dass diese Publikation für alle Forscher freizugänglich sein muss. Wir wollen den Fortschritt für Alle, erklärte Kunz den anwesenden Vertretern von Saatgut- und Pflanzenschutzmittelfirmen sowie den Anbauern.“
Massenzucht für Versuche gelungen
In Gießen war Sarah Behrmann, die das Forschungsstipendium für ihre Promotion erhalten hatte, die erfolgreiche Massenzucht der Tiere mit Tongranulaten gelungen und somit konnten ganzjährig weitere Versuche im Gewächshaus angestellt werden. Die ersten Tiere für die Zucht kamen vom NIKIZ-Projekt – quasi frisch vom Acker, wie Isabelle Engel, Teamleiterin des NIKIZ-Projektes erläuterte. Bereits vor zwei Tagen hatte der rheinland-pfälzische Staatssekretär Andy Becht sich begeistert über die herausragenden Ergebnisse der „wichtigen Grundlagenarbeit“ und deren Praxisanwendung gezeigt. Forschung stehe an erster Stelle, aber auch der enge Austausch mit der Praxis auf dem Acker finde statt und nicht nur im Hörsaal, erklärte Becht vor zwei Tagen mit Blick auf die Forschungsergebnisse von Sarah Behrmann.
Erfolgreiche Kooperationen
Die Stiftung Südwestdeutscher Zuckerrübenanbau hatte es sich zum Ziel gesetzt, entsprechend ihrer Statuten die Förderung der Wissenschaft in Form der Finanzierung einer Promotion an der Justus-Liebig-Universität auszuschreiben. Sarah Behrmann erhielt vor rund zwei Jahren die Zusage eines dreijährigen Promotionsstipendiums der Stiftung und Prof. Dr. Vilcinskas sicherte Betreuung an der Justus-Liebig-Universität zu.
In Zusammenarbeit mit dem NIKIZ-Projekt des Verbandes der Hessisch-Pfälzischen Zuckerrübenanbauer (www.nikiz.de) sowie den dadurch angestellten Mitarbeiterinnen am Fraunhofer Institut für Molekularbiologie und angewandte Ökologie (IME) in Gießen wurden die Arbeiten in Gießen zum Erfolg geführt. Mit der aktuell ersten öffentlich zugänglichen internationalen Publikation wird ein wichtiges Ziel der Stiftung, die Förderung der öffentlichen Forschung und der Berufsbildung erreicht, erklärte der Stiftungsvorsitzende. Die Stiftung werde auch zukünftig besonders begabte junge Forschende in ihrer beruflichen Entwicklung unterstützen, versicherte Kunz. Er warb auch bei den anwesenden Vertretern der Industrie dafür, diese Aktivitäten zu unterstützen.
Letztlich kann die Bewältigung des Klimawandels und die damit verbundene Verbreitung neuer Schädlinge nur durch verstärkte Anstrengungen in der Forschung gelingen, stellte er abschließend fest.