Di., 04. Februar 2020, 16:51 Uhr
HSG WORMS: Wormser Drachen mussten sich mit 22:27 geschlagen geben
„Komplett neben uns gestanden"
Widrigsten Trainingsbedingungen und einigen personellen Ausfällen zum Trotz waren die Handballer der HSG Worms ganz nah dran, beim aktuellen Tabellenfünften der Oberliga etwas mitzunehmen. Nach einer ersten Halbzeit zum Vergessen zeigten die Wormser Drachen beim TV Offenbach Moral und Einsatz, schnupperten an der Sensation und mussten sich letztlich zu stark ersatzgeschwächt mit 22:27 (7:15) geschlagen geben. „Wir haben die ersten 20 Minuten komplett neben uns gestanden und erst in der zweiten Halbzeit den Kampf angenommen“, kommentierte HSG-Trainer Marco Tremmel die Partie und resümierte: „Mit dem Aufbäumen haben wir gezeigt, dass die aufgrund der Hallensperrung schlechte Vorbereitung keine Ausrede für uns sein sollte. Dass es am Ende nicht ganz für eine Überraschung gereicht hat, das lag an den fehlenden Alternativen in der Schlussphase. Die Jungs haben alles gegeben.“
Nicht ins Spiel gefunden
Mit dieser kurzen Analyse traf der Wormser Mannschaftsverantwortliche den Nagel auf den Kopf. Nachdem sich seine Mannschaft ohne Harz, ohne eine komplette Hallenfläche und mit einige Verletzten und Angeschlagenen vorbereiten musste, drohten Probleme beim heimstarken TVO. Und diese bewahrheiteten sich mit Anpfiff der Partie. Ohne die Langzeitverletzten Timo Hochgesand und Jan Gabrys, ohne Luca Steinführer (Grippe) und mit den gehandicapten Janis Hafer (Rückenprobleme) und Markus Metzdorf (genähte Wunde im Gesicht) fanden die Wormser Drachen nicht ins Spiel. Fehlwürfe und technische Fehler in Hülle und Fülle sorgten für eine erschreckende Torausbeute im ersten Drittel der Partie. Dazu kam eine Abwehr, die ihren Namen in dieser Phase nicht verdient hatte. Denn Offenbach konnte beinahe nach Belieben Tore erzielen, HSG-Torwart Simon Gabrys wurde von seinen Vorderleuten im Stich gelassen. Folgerichtig lag die HSG nach 20 Spielminuten mit 4:11 in Rückstand. Glücklicherweise fing sich zumindest die Abwehr bis zum Pausenpfiff ein wenig, sodass es „nur“ mit einem 7:15-Rückstand in die Pause ging. „Die Ansprache ist entsprechend deutlich ausgefallen. Wir sind kein Kanonenfutter und haben die Qualität auch in Offenbach mitzuhalten. Das wollte ich von meiner Mannschaft im zweiten Durchgang sehen, keine Ausreden, kein Nachlassen“, sagt Marco Tremmel, dessen Ansprache Wirkung zeigen sollte.
Time-Out
Nach dem Seitenwechsel und ein paar taktischen Umstellungen war die HSG im Spiel, vor allem der Rückraum wurde mit zunehmender Spieldauer torgefährlicher und sicherer. So sah sich Offenbachs Trainer Michael Übel bereits nach 42. Spielminuten beim Spielstand von 13:19 gezwungen, ein Time-Out zu nehmen. Der Trainer der Hausherren hatte wie alle Wormser das Gefühl, dass die Partie noch nicht entschieden ist. Und dieses Gefühl trügte nicht. Angeführt von Kapitän Markus Metzdorf, der trotz Verletzung weite Strecken der Partie absolvierte, kamen die Wormser Drachen Tor für Tor heran. Auch eine Rote Karte gegen Pascal Theuer (37.) konnte die Wormser Aufholjagd nicht bremsen. Markus Metzdorf war es dann auch, der mit seinem 4. Tor den 21:22-Anschlusstreffer erzielen konnte. Zuvor hatte HSG-Torwart Adrian Taday mit einigen Paraden dafür gesorgt, dass die Offenbacher Tormaschinerie ins Stocken geriet. Dass zwischenzeitlich Kreisläufer Moritz Brestrich nach einem ungeahndeten Foulspiel mit Verletzungsfolge sowie Spielmacher Konstantin Herbert nach einem unglücklichen Unfall mit einem Offenbacher verletzt raus mussten, schwächte die HSG entscheidend. Anstatt des Ausgleichs zog Offenbach in den Schlussminuten wieder davon. „Die Niederlage tut in Anbetracht der großartigen Aufholjagd gegen diese form- und heimstarke Mannschaft weh. Noch mehr tun uns allerdings die Verletzungen von Kons und Moritz weh“, sagte Marco Tremmel nach Spielende. Eine genaue Diagnose steht bei beiden Spielern noch aus. Schlimmere Verletzungen sind aber leider aktuell nicht auszuschließen. Die HSG drückt ihren Spielern jedenfalls die Daumen, dass sie bereits am kommenden Wochenende beim Derby in Budenheim wieder fit sind. Denn die Wormser Drachen brauchen im Kampf um den Klassenerhalt die Qualitäten der beiden Akteure.