Auf der Einwohnerversammlung über die Unterkunft für Asylbewerber auf dem Salamandergelände einigten sich Stadt und Anwohner
Kompromiss bei Flüchtlingsunterbringung
Links neben dem langgezogenen Gebäude soll eine Flüchtlingsunterkunft für 170 Personen entstehen. Foto: Gernot Kirch
Von Gernot Kirch Am Mittwochabend fand im Kesselhaus in der Klosterstraße eine Informationsveranstaltung über die geplante Flüchtlingsunterkunft auf dem Salamandergelände statt. Rund 700 Anwohner waren eingeladen, von denen etwa 170 erschienen. Es durften nur die geladenen Personen an der Veranstaltung teilnehmen.
Informationsblock
Zunächst fand ein ein Informationsblock statt, bei dem Oberbürgermeister Michael Kissel und der zuständige Dezernent, Waldemar Herder, die Bürger mit Zahlen, Fakten und dem städtischen Planungstand zur Flüchtlingsunterkunft versorgten. Der Stadtchef erläuterte, dass rund zwei Prozent der rheinland-pfälzischen Flüchtlinge nach Worms kämen. Bis zum Oktober musste die Nibelungenstadt rund 500 Personen aufnehmen, bis Jahresende könnten es 800 sein. Unter den Flüchtlingen seien viele Menschen aus dem Westbalkan, also Albanien oder dem Kosovo, von denen bereits 57 Worms wieder freiwillig in Richtung ihrer Heimatländer verlassen hätten. Weitere wollten dem Beispiel folgen. Von den Flüchtlingen in Worms kämen 30 Prozent aus Syrien, 24 Prozent aus Albanien, sieben Prozent aus Afghanistan, fünf Prozent aus dem Irak, vier Prozent aus Serbien und der Rest aus anderen Ländern.
Salamandergelände
Weiter führte der Stadtchef aus, die Stadt habe etwa die Hälfte der Asylbewerber in Gemeinschaftsunterkünften untergebracht, die andere Hälfte dezentral in Wohnungen über das Stadtgebiet verteilt. Die Stadt prüfe zurzeit 18 Standorte für Gemeinschaftsunterkünfte, etwa auch den ehemaligen Esbella-Parkplatz an der Klosterstraße und ein Gebiet in Pfeddersheim. Auf dem Salamandergelände werde nun definitiv eine Containeranlage für 170 Personen entstehen. Ab Februar sollen die Kriegsflüchtlinge dort einziehen.
Hitzige Diskussion
Im Anschluss an den Informationen entwickelte sich zunächst eine hitzige Diskussion. So wollte eine Bürger wissen, ob es definitiv bei 170 Flüchtlinge auf dem Salamandergelände bleibe oder ob es mehr werden könnten. Daraufhin antwortet Michael Kissel, dass die Planung der Unterkunft für 170 Personen ausgelegt sei. Es sollten auch nicht mehr werden, aber zur Ehrlichkeit auch gehöre, dass momentan niemand exakt sagen könne, wie viele Flüchtlinge noch zugewiesen würden. Sollte die Zahl rapide wachsen, sei es denkbar, dass es auch auf dem Salamandergelände mehr würden, doch sei dies keinesfalls geplant. Die „Vorwarnzeit“ vom Land, wie viele Flüchtlinge käme, betrage häufig nur wenige Tage. Es könne daher auch sein, dass auf dem Salamandergelände, wie auch auf dem Motorpoolgelände, noch mehr Container aufgestellt werden müssen. Prinzipiell gelte aber, dass die Asylbewerber auf das gesamte Stadtgebiet verteilt werden sollen. OB Kissel ergänzte, dass er die Ängste der Bewohner verstehe, aber alle Ängste und Befürchtungen von Bürgern an anderen Flüchtlingsunterkünften, etwa am Motorpool hätten sich nicht bewahrheitet. Es habe keine Einbrüche, Diebstähle, Schlägereien, Vergewaltigungen oder sonst etwas gegeben. „Das sind keine wilden Tiere, sondern Menschen, die da kommen“, schloss der Stadtchef seine Ausführungen.
Standortverschiebung
Rasch fokussierte sich die Diskussion auf die genaue Lage der Flüchtlingsunterkunft auf dem großen Salamandergelände. Ein Frau merkte an, dass sie nicht in die „rechte Ecke“ gehöre und sich auch nicht dahin schieben lasse. Eine andere Bürgerin formulierte, dass sie akzeptiere, dass Flüchtlinge kommen und sie untergebracht werden müssen, auch auf dem Salamandergelände, aber sie wünsche sich, dass die Container ein Stück von der Wohnbebauung abgerückt werden. Diese Auffassung war rasch der allgemeine Tenor auf der Info-Veranstaltung: „Flüchtlinge ja, aber das Camp soll ein Stück in Richtung Speyer Schlag von den Häusern abrücken.“
Nach einigem hin und her zwischen OB Kissel und den Bürgern, wurde ein Art „Deal“ ins Auge gefasst: „Das Flüchtlingseinrichtung wird errichtet, aber sie rückt etwas ab von der Wohnbebauung in Richtung Speyerer Schlag.“
Nach diesem Kompromiss herrschte weitestgehend Zufriedenheit. Wobei OB Kissel das Abrückungen der Container noch nicht versprach, aber eine wohlwollende Prüfung zusagte.
Viele Bürger forderten anschließend eine verstärkte Integration der Flüchtlinge in das nachbarschaftliche Leben, etwa durch Begegnungsmöglichkeiten auf dem Gelände oder Kinderspielplätze. Es wurde auch gefragt, wie geholfen werden könne. Weiterhin sollte das Camp aus etwa sechs Containerbereichen für jeweils rund 30 Personen etwas mehr aufgelockert gestaltet werden, um einen Getto -Charakter zu verhindern.
Info des Oberbürgermeisters
Am Donnerstagabend informierte der Oberbürgermeister den Nibelungen Kurier, dass es hinsichtlich der Machbarkeit einer räumlichen Verschiebung der Flüchtlingsunterkunft Bedenken des Baubereiches in der Verwaltung aufgrund des bereits bestehenden Bebauungsplans gebe. Der Stadtchef fordert die Verwaltung aber noch einmal auf, in dieser Sondersituation und aufgrund der generellen Akzeptanz der Anwohner bezüglich der Containeranlage, eine räumliche Verschiebung zu realisieren.